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Daniel Cohn-Bendit Terminal 3 ist kein Atomkraftwerk

Daniel Cohn-Bendit verteidigt im Interview mit der FR Schwarz-Grün, weist darauf hin, dass das Terminal 3 kein Atomkraftwerk ist und zweifelt an Eintracht-Trainer Thomas Schaaf.

03.04.2015 18:57
Daniel Cohn-Bendit, ein engagierter Verteidiger von Schwarz-Grün. Foto: REUTERS

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Er galt in Frankreich wie in Deutschland als führender Kopf der 68er-Bewegung, war erster Integrationsdezernent in Frankfurt, vertrat die Grünen 20 Jahre lang im Europaparlament und leidet mit Eintracht Frankfurt: Gestern hat Daniel Cohn-Bendit seinen 70. Geburtstag gefeiert.

Herr Cohn-Bendit, die Stadtpolitik hat nach der EZB-Eröffnung festgestellt, dass es am 18. März die schlimmsten Ausschreitungen in Frankfurt seit Jahrzehnten gegeben habe. Wie haben Sie die Blockupy-Proteste erlebt?

Ich bin vorsichtig mit derartigen Superlativen. Alle paar Jahre gibt es Ausschreitungen, und das sind dann immer die schlimmsten seit Jahrzehnten. Das habe ich schon oft gehört. Sicher ging es morgens heftig zu. Wobei die Bilder auch schlimmer aussehen, als es tatsächlich war. Diejenigen, die randaliert haben, haben dem Protest gegen die Sparpolitik aber keinen guten Dienst erwiesen. Ich weiß nicht, was die Scheiben an einer Tramhaltestelle mit der EZB zu tun haben.

Wie unterscheiden sich die Proteste von den Bewegungen, an denen Sie früher teilgenommen haben?

Die Inhalte unterscheiden sich. Die Abläufe nicht. Es gibt für solche Demonstrationen ein Ritual, und innerhalb dieses Rituals gibt es radikale Gruppen, die nach ihrer eigenen Logik vorgehen. Und danach wird dann darüber diskutiert, inwieweit Gewalt oder Barrikaden in Ordnung sind. Das war bei den Protesten gegen die Räumung von besetzten Häusern so bis hin zur Anti-Atomkraft-Bewegung. Das ist alles nicht neu.

"Ein Totalverbot von Demonstrationen ist immer falsch"

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Als Blockupy 2012 zum ersten Mal nach Frankfurt kam, haben Sie auch die Grünen kritisiert, weil sie Teil der Frankfurter Stadtregierung sind, die für das Verbot aller Veranstaltungen verantwortlich war …
Ein Totalverbot von Demonstrationen ist immer falsch. Das geht nicht. Diesmal haben zumindest alle versucht, Proteste zu ermöglichen. Übrigens auch der Polizeipräsident.

Die Grünen entgegneten damals, für das Verbot sei ihr Koalitionspartner CDU verantwortlich. Sie haben das nicht akzeptiert. Mittlerweile scheinen Sie Ihren Frieden mit Schwarz-Grün gemacht zu haben, oder täuscht der Eindruck?
Ich habe vor den Wahlen 2013 gesagt, dass die Grünen nichts ausschließen sollen. Rot-Rot-Grün ist eine Möglichkeit, genauso wie Schwarz-Grün. So ist es in Hessen gekommen, und das ist gut so.

Aber ist es glücklich, wenn in einigen Jahren ein grüner Verkehrsminister das Terminal 3 am Flughafen eröffnen muss?
Das ist dann halt so. Ganz ehrlich: Es geht hier um ein Flughafen-Terminal. Man sollte nicht so tun, als würde demnächst auf der Hauptwache ein Atomkraftwerk gebaut. Bei einem Volksentscheid über den Flughafen würden die Gegner des Ausbaus verlieren. Im Übrigen hat das Bündnis mit den Grünen auch Volker Bouffier verändert. Klar, man könnte sagen, er ist opportunistisch. Aber er hat sich bewegt. Es gibt den Wechsel in der Politik, den die Grünen erreichen wollten. Auch wenn es nicht die Weltrevolution ist.

Spricht da ein stark gemäßigter Daniel Cohn-Bendit?
Was heißt „gemäßigt“? Eine der größten Herausforderungen in einer parlamentarischen Demokratie ist der Umgang mit Mehrheiten. Dabei muss man Koalitionen bilden und darf sich nicht immer gleich festlegen.

"Ich bin kein Parteisoldat"

Aber so weit wie Ihr alter Freund Johnny Klinke, der vor der Oberbürgermeister-Wahl für CDU-Kandidat Boris Rhein geworben hat, wollten Sie dann doch nicht gehen …
Nein. Ich war nicht für Boris Rhein und habe mich geärgert, dass die Grünen damals gekniffen haben und nicht einmal eine öffentliche Diskussion organisiert haben, ob Rhein oder Peter Feldmann der bessere OB wäre. Deswegen habe ich damals eine Pressekonferenz mit Feldmann gemacht. Ich bin kein Parteisoldat. Ich finde, Feldmann macht gute Arbeit, ich sage aber auch, dass die Stadtpolitik von Schwarz-Grün ordentlich ist. Der OB auf der einen, der restliche Magistrat auf der anderen Seite, das macht einen Reiz aus.

Sie waren in den 90er Jahren erster Integrationsdezernent in Frankfurt. Was hat sich auf diesem Feld seitdem getan?
Mittlerweile haben alle eingesehen, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Ich erinnere mich noch an Koalitionsdiskussionen mit der SPD 1989. Die Grünen wollten in einem Antrag schreiben, dass Frankfurt eine Einwanderungsstadt ist. Da sagte Hans Busch von der SPD, so ein Satz könne er seinem Unterbezirk nicht vermitteln. Nach drei Stunden haben wir uns auf die Formulierung geeinigt: Frankfurt ist eine zunehmend multikulturelle Stadt. Die größte Entwicklung in dieser Frage hat aber die CDU mitgemacht.

Inwiefern?
Multikulturell, Integration …, das waren Begriffe, mit denen die CDU noch Anfang der 90er Jahre gar nichts anfangen konnte. Dann wurde Petra Roth Oberbürgermeisterin, und das Amt für multikulturelle Angelegenheiten wurde sogar ausgebaut. Heute muss man auch die CDU nicht mehr davon überzeugen, dass wir in einer multikulturellen Stadt leben.
Herr Cohn-Bendit, Sie haben vor einigen Jahren den damaligen Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel kritisiert, weil die Mannschaft unter ihm unattraktiven Fußball spiele. Was halten Sie vom aktuellen Trainer, Thomas Schaaf?
Ich bin skeptisch, ob Thomas Schaaf der richtige Trainer für die Eintracht ist. Es kann nicht sein, dass die Mannschaft bei jedem Auswärtsspiel einbricht. Dafür ist der Trainer verantwortlich. Im Übrigen ist die Abwehr überschätzt. Vor allem Carlos Zambrano. Der baut in jedem Spiel einen schlimmen Bock und spielt außerdem noch überhart.

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Interview: Georg Leppert

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