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Chemieunfall in Nordhessen Giftgas verletzt 42 Menschen

Nach einem Giftunfall im nordhessischen Homberg/Efze gibt die Polizei vorsichtig Entwarnung. Erste Bilanz: Mehr als 40 Verletzte, Großalarm bei der Feuerwehr. Grund für den Unfall war wohl der Fehler eines Gabelstaplerfahrers.

16.02.2011 07:23
Giftalarm in Nordhessen: Bei einem Arbeitsunfall in Homberg/Efze treten giftige Dämpfe aus und verletzen mehrere Menschen. Foto: dpa

Nach einem Giftunfall im nordhessischen Homberg/Efze gibt die Polizei vorsichtig Entwarnung. Erste Bilanz: Mehr als 40 Verletzte, Großalarm bei der Feuerwehr. Grund für den Unfall war wohl der Fehler eines Gabelstaplerfahrers.

Bei einem Chemie-Unfall im nordhessischen Homberg (Efze) sind in der Nacht zum Mittwoch mehr als 40 Menschen durch austretende giftige Dämpfe des Stoffes Phenyl-Mercaptan verletzt worden. Sie klagten nach Polizeiangaben über Atemwegsreizungen und wurden in Krankenhäuser gebracht. Viele Menschen sind außerdem verunsichert, denn die Beschwerden durch den Stoff können auch erst nach 48 Stunden einsetzen, wie Ärzte sagten.

Ein Gabelstapler hatte im Industriegebiet nach Polizeiangaben ein Fass mit der stinkenden, farblosen Flüssigkeit beschädigt. Die Feuerwehr löste Großalarm aus. Um das Gebiet herum wurden mehrere Dekontaminationsstellen eingerichtet, so auch in der Stadthalle. Zehn Notärzte und eine Hundertschaft vom Rettungsdienst kümmerten sich um die Betroffenen, darunter auch die rund hundert Mitarbeiter der Logistikfirma Cargo Trans Logistic (CTL).

In der Nacht zählte die Polizei zunächst unter 130 Betroffenen vier Verletzte. Bis zum Abend werden 42 von 242 betroffenen Menschen mit Atemwegsreizungen, Schwindel oder Kopfschmerzen zur Beobachtung in die umliegenden Krankenhäuser gebracht.

Auf dem Areal des Unternehmens war die hochgiftige farblose Flüssigkeit gegen 0.30 Uhr in der Nacht ausgelaufen. Wohl aus Unachtsamkeit hatte ein Gabelstaplerfahrer in einer Lagerhalle mitten in der Nacht ein 200-Liter-Fass beschädigt. Dadurch wurden etwa 30 Liter der Chemikalie freigesetzt.

„Bei dem Stoff handelt es sich um Phenyl-Mercaptan eines, soweit derzeit bekannt, holländischen Herstellers“, sagte ein Polizeisprecher. Der übelriechende Stoff geht an der Luft in gasförmigen Zustand über und verbreitet sich. „Er ist stark riechend, ätzend und greift bei entsprechender Konzentration die Atemwege und Schleimhäute an“, warnten Experten. Unter den Verletzten waren auch vier Menschen, die in unmittelbarer Nähe des beschädigten Fasses gestanden hatten.

Nach Polizeiangaben waren insgesamt rund 240 Menschen betroffen, vor allem Arbeiter und Lastwagen-Fahrer auf dem Firmengelände sowie Feuerwehrmänner, Rettungssanitäter und Polizisten. Die mit schwerem Gerät und Atemschutzmasken angerückten Feuerwehrmänner dichteten das beschädigte Fass am Morgen ab. Zur Dekontamination mussten zahlreiche Menschen ihre Kleidung abgeben, sie bekamen nach einer Dusche neue Trainingsanzüge. Zunächst durfte niemand das Industriegebiet verlassen. Mitten in der Nacht waren zuvor Feuerwehren des Landkreises und Einheiten umliegender Regionen herangerufen worden.

Über Stunden hinweg war unklar, ob die giftige und stinkende Wolke über dem Firmengelände auch die übrigen Bewohner Hombergs gefährdet. Mit Lautsprecherdurchsagen wurden die Bürger gewarnt.

Nach Messungen am Vormittag bestand nach Angaben der Homberger Polizei aber für die Stadt und ihre gut 14.000 Einwohner jedoch keine Gefahr mehr. Die Gaswolke zog laut Polizei in der Nacht von Homberg in Richtung Cassdorf und verflüchtigte sich weiter. Der Stoff sei auch nicht in die Kanalisation gelangt.

„Ich hatte ein Brennen im Hals und im Bauch. Jetzt beobachte ich mich sehr genau. Man hat Angst“, erzählte ein Fernfahrer, der auf dem Firmengelände im Lastwagen übernachtete. Andere klagten über Schwindel und Kopfschmerzen. In den Schulen wurden die Schüler betreut, sofern sie nicht zu Hause blieben. (dpa/dapd)

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