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Butzmann-Entführer Adam G. Der Täter gilt als unterentwickelt

Kriminalpsychologe Rudolf Egg analysiert das Sexualdelikt.

09.10.2012 16:55

Der Psychologe Rudolf Egg hat den Fall von Adam G. und Sascha Buzmann durch eine Aktenanalyse wissenschaftlich aufgearbeitet. Er leitet die Kriminologische Zentralstelle des Bundes und der Länder mit Sitz in Wiesbaden. Zu seinen kriminalpsychologischen Arbeitsschwerpunkten zählen unter anderen Sexual- und Gewaltdelikte sowie Aspekte von Tätern und Opfern.

Buzmanns Entführer Adam G. sei nicht in erster Linie sexuell gestört, erklärt Rudolf Egg. „Er wollte jemanden, der bei ihm bleibt“, sagt er. Adam G.s Sexualneigung war demnach stark unterentwickelt, alles habe sich Schritt für Schritt ergeben.

Die einzige sexuelle Erfahrung Adam G.s vor der Tat hat sich laut Egg auf einen Besuch im Bordell beschränkt. Dort zog sich eine Prostituierte für 100 Mark nackt für ihn aus.

Auch sozial sei Adam G. extrem unterentwickelt, ein Einzelgänger. „Er hatte gar nichts aufzuweisen: keine Ausbildung, keine Schule, keine Arbeit und keine Freunde“, sagt Egg. Seine Eltern waren tot, er lebte allein in einem Schaustellerwagen. Die Beziehung, die zwischen Sascha Buzmann und Adam G. entstand, sei in gewisser Weise typisch. „Wenn man so lange zusammenlebt, entsteht Nähe zwischen Täter und Opfer“, sagt Egg. Sascha Buzmanns Weg, nicht zu rebellieren und dem Täter eine Art Freundschaft anzubieten, sei in diesem Fall die optimale Überlebensstrategie gewesen.

Unbedarfte Kinder

Kinder, die aus sexuellen Motiven heraus entführt werden, sind laut Egg meist zwischen acht und zwölf Jahren alt. „Dann sind sie schon allein unterwegs – die Täter kommen an sie heran. Aber sie sind immer noch relativ unbedarft und leicht zu manipulieren“, sagt der 64-Jährige. Gefährdet sind Mädchen genauso wie Jungen.

Bei Tätern mit pädophilen Neigungen kommen die Kinder demnach meist schnell wieder frei – die Täter haben nicht die Möglichkeit oder den Plan, sie länger gefangen zu halten. Oder sie töten die Kinder, um nicht entdeckt zu werden. (gf.)

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