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Burschenschafter Petrys Mitstreiter von der Germania

Auch wenn Umfragen die AfD auf dem absteigenden Ast sehen - in Mittelhessen expandiert sie weiter. Eine Marburger Burschenschaft entwickelt sich immer mehr zur Kaderschmiede für Rechte.

Burschenschaften
Nicht selten Verbindung zu Rechtsextremen: deutsche Burschenschaften. Foto: Ralph Orlowski (Getty Images Europe)

Wenn die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry am heutigen Freitagabend im Luftkurort Gladenbach, etwa 20 Kilometer westlich von Marburg, auftritt, muss sie sich um mangelnden Zuspruch keine Sorgen machen. Im Kreistag Marburg-Biedenkopf stellt ihre Partei mit zehn Abgeordneten seit 2016 die drittstärkste Fraktion. Erst Ende Januar wurde im Landkreis eine Ortsgruppe der Jungen Alternative (JA), der Jugendorganisation der AfD, gegründet. Auch wenn Umfragen die Partei aktuell bundesweit auf dem absteigenden Ast sehen, in Mittelhessen befindet sie sich weiterhin auf Expansionskurs. Und um Nachwuchs muss sie sich nicht sorgen.

Als eine Art Kaderschmiede für die AfD scheint sich nämlich die Burschenschaft Germania Marburg zu etablieren. Mehrere Mitglieder der Studentenverbindung, die bis heute nur Männer deutscher Abstammung aufnimmt, haben in den letzten Jahren Karriere in der Partei gemacht. Der „Germane“ Torben Braga hat es zum Assistenten des thüringischen AfD-Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke gebracht. Weitere ehemalige „Germanen“ sind in den AfD-Landtagsfraktionen in Sachsen-Anhalt und als Wahlkreismitarbeiter in Baden-Württemberg beschäftigt.

„Es ist schon seit Jahrzehnten ein Phänomen, dass die Germania aktiv wird, wenn es um Parteien und Kräfte rechts der CDU geht“, sagt die Gießener Rechtsextremismusforscherin Alexandra Kurth. Ende der 80er Jahre etwa waren „Germanen“ an der Gründung des Marburger Ortsverbands der „Republikaner“ beteiligt. Die Burschenschaft hat immer wieder versucht, mit ihrem völkischen Weltbild an andere Organisationen anzudocken.

Auf parteipolitischer Ebene bietet derzeit die AfD dazu die Gelegenheit. In Hessen sitzt mit Max Kolb ein „Germane“ als Beisitzer im Vorstand des Landesverbandes der Jungen Alternative. Auch an der Gründung der JA-Ortsgruppe Marburg-Biedenkopf ist mit Nils Grunemann ein Mitglied der Burschenschaft beteiligt. Grunemann allerdings ist auch aus anderen, als rechtsextrem anzusehenden Zusammenhängen bekannt. Ende 2012 gehörte Grunemann zu den Gründern der Identitären Bewegung in Berlin. Anfang 2013 wurde Grunemann Obmann der Identitären in Deutschland, trat öffentlich als Sprecher auf. Nach dem Abitur zog Grunemann zum Studieren nach Marburg, wo er bei der Germania andockte.

Grunemann ist ein Beispiel für die Verflechtung der Germania mit der sogenannten Neuen Rechten. Keinesfalls das einzige. Der prominenteste Vertreter dieser Strömung in der Germania ist Philip Stein, Inhaber des Jungeuropa-Verlags und Sprecher der flüchtlingsfeindlichen Initiative „Ein Prozent“, in der er mit bekannten Protagonisten der Neuen Rechten wie Götz Kubitschek zusammenarbeitet, für dessen Magazin „Sezession“ er auch schreibt. Stein ist gleichzeitig Pressesprecher des Dachverbandes „Deutsche Burschenschaft“.

Alexandra Kurth vermutet, dass es eine Mischung aus politischer Überzeugung und Karrieremöglichkeiten ist, welche die Burschenschafter in die AfD zieht: „In der Partei ist es ihr Ziel, den rechten Flügel stark zu machen.“ Die AfD hat damit kein Problem. Ihr Sprecher im Kreis Marburg-Biedenkopf kündigte bereits eine „intensive Zusammenarbeit“ mit der neuen Ortsgruppe der Jungen Alternative an.

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