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Bundesverdienstkreuz für Kira Stein Ungebremste Missionarin

Kira Stein hat in diesem Jahr das Bundesverdienst verliehen bekommen. Darüber möchte die bescheidene Ingenieruin nicht reden - lieber macht sie sich für Frauen in technischen Berufen stark. Von Eva Marie Stegmann

18.12.2009 00:12
Eva Marie Stegmann
Kira Stein engagiert sich für Frauen in technischen Berufen. Foto: Michael Schick/FR

Diese Frau hat ihr Leben zwei Dingen verschrieben, die noch vor 50 Jahren als absolut unvereinbar galten: Den Frauen und der Technik. Kira Stein, Maschinenbauingenieurin mit Doktortitel, bekam dieses Jahr das Bundesverdienstkreuz verliehen. Weil sie "das Bild der Frau im technischen Beruf nachhaltig positiv geprägt habe", so die offizielle Begründung. Das heißt auf Deutsch: Frau Stein engagiert sich seit Jahren auf alle denkbaren Weisen für ihre Mission.

Sie ist Vorstandsmitglied des deutschen Ingenieurinnenbundes, im Vorstand des Deutschen Frauenrates, im Vorstand des Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit, Gründungsmitglied des Vereins Frauen in Naturwissenschaft und Technik. Und es geht noch weiter. Kira Stein hat so viel gemacht, ehrenamtlich, beruflich, privat, dass man bei dieser langen, nicht enden wollenden Aufzählung irgendwann einfach nur noch den Impuls verspürt zu rufen: "Stopp! Ich glaube es ja, diese Frau hat wirklich etwas geleistet." Und das Bundesverdienstkreuz, eine der höchsten Auszeichnungen der Regierung, mehr als verdient.

"Müssen wir immer über das Bundesverdienstkreuz reden?"

Doch Kira Stein, die mit ihrem Mann in Darmstadt lebt, ist nicht der Typ Mensch, der viel über sich erzählen möchte. Oder ihre Ehrung. "Müssen wir immer über das Bundesverdienstkreuz reden?", fragt sie. Viel lieber möchte die 57-Jährige nämlich über den Mint-Pakt sprechen. Ihr neuestes Projekt. Ein Zusammenschluss von Verbänden, Vereinen, Politik, Medien und Wirtschaft für mehr Frauen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Kira Stein sitzt in ihrer renovierten Altbauwohnungen mit den knarzenden Dielen und dem umgebauten Frankfurter Bad, gemütlich sieht es aus. Der lackierte Holztisch im Wohnzimmer steht auf einem schweren Teppich mit schnörkeligen Verzierungen.

"Es geht mir bei der Ehrung nicht um mich, es geht mir um das Thema", beginnt sie. Ihre Fußspitzen wippen in ihrem ganz eigenen, ungeduldigen Takt, währen sie erklärt: "Wir Frauen haben gelernt, dass wir uns melden müssen." Dass Bescheidenheit keine gute Strategie sei. Deshalb auch die Nominierung für das Kreuz. Denn eigentlich. Ja, eigentlich stehe das Ziel im Vordergrund. Und dafür dürfe frau so richtig laut sein. "Technik ist so verdammt vielfältig, das ist nicht nur ein Dreck- und Tüftelberuf", erklärt Stein und schiebt ihre große Brille mit dem dünnen Rand die Nasenwurzel hoch. Das Bild des verschmutzten, weltfremden Ingenieurs sei schlichtweg falsch, sagt sie. Sie selbst zumindest hätte quasi den ganzen Tag mit anderen Personen zu tun. Vor sich hat Stein jetzt einen Stapel bunter Broschüren aufgetürmt. Der Schriftzug "Ingenieurinnen haben viele Gesichter" leuchtet auf dem obersten Heft. Ein Vereinsporträt des Deutschen Ingenieurinnenbunds.

Die Seite-1-Mädchen: 23 Ingenieurinnen. Darunter eine lächelnde Kira Stein. Eine von 23. Doch sie wurde für das Bundesverdienstkreuz vom Landesfrauenrat auserkoren, sie allein. "Ach", murmelt sie, macht eine wegwerfende Geste mit der rechten Hand. "Dass ich gewählt wurde, das war eher Zufall". Hauptsächlich sei es darum gegangen, dass eine Frau aus der Technik das Kreuz bekäme. Sie ist die Erste. Und verspricht: "Weitere folgen."

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