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Bundestagswahl 2017 Wahlkreis Odenwald: Drei Landkreise unter einem Hut

Der Wahlkreis 187 Odenwald ist ein Wahlkreis der Gegensätze und der zeitraubenden Wege.

Seligenstadt
Der Marktplatz von Seligenstadt. (Symbolbild) Foto: Monika Müller

Eine Zahl sagt wohl am meisten aus über den Wahlkreis 187 Odenwald: 29 Kommunen sind darin vereint – so viel wie in keinem anderen Wahlkreis in Südhessen und Rhein-Main. Zahlreiche kleine ländliche Gemeinden geben ihm sein Gesicht, aber auch städtisch geprägte Orte wie Rodgau oder Seligenstadt. Es ist ein Wahlkreis der Gegensätze und der zeitraubenden Wege.

Langgestreckt liegt der Wahlkreis da, zieht sich durch drei Landkreise: vom Kreis Offenbach über den Landkreis Darmstadt-Dieburg bis in den Odenwaldkreis. Oder anders gesagt: von Hainburg im Norden über Groß-Umstadt bis nach Rothenberg im Süden, direkt an Baden-Württemberg angrenzend. Das sind 85 Kilometer von Nord nach Süd oder 1115 Quadratkilometer Fläche, die ein Abgeordneter bereisen muss.

Der Norden des Wahlkreises profitiert von der Nähe zu Frankfurt. Zuzüge von jungen Familien verhelfen Rodgau, Rödermark und Seligenstadt zu mehr Bürgern und größerer Steuerkraft. Der Odenwaldkreis dagegen liegt fernab der großen Ballungszentren und Autobahnen, verliert immer mehr Einwohner. Die Kommunen Beerfelden, Hesseneck, Rothenberg und Sensbachtal wollen sich deshalb im Frühjahr 2018 zur Stadt Oberzent zusammenschließen.

Es sind nicht nur die langen Wege, die den Volksvertretern viel Einsatz abverlangen. Es ist auch eine Kunst, Städter und Landbevölkerung gleichermaßen für sich zu gewinnen. Ein Bürger aus Hesseneck, mit nur 630 Einwohnern die kleinste hessische Gemeinde, hat andere Sorgen und setzt andere Prioritäten als ein Rodgauer, der sich dem Ballungsraum Rhein-Main zugehörig fühlt. Durch Ausweisung eines riesigen Baugebietes steht Rodgau an der Schwelle zur 50.000-Einwohner-Stadt.

Im Offenbacher Kreistag hat die CDU die Mehrheit, im Kreis Darmstadt-Dieburg und im Odenwaldkreis die SPD. Eine CDU-Frau hat den Spagat zwischen Dorfidylle und Urbanität in den Vorjahren erfolgreich gemeistert: Patricia Lips gewann 2005 erstmals das Direktmandat und konnte sich im Wahlkreis auch bei den folgenden zwei Urnengängen durchsetzen. Der Rödermärkerin werden auch diesmal beste Chancen eingeräumt.

 

Kurioses prägte die vergangene Wahl: Jens Zimmermann (SPD) aus Groß-Umstadt ist der Politiker, der vor vier Jahren als 631. und damit letzter Abgeordneter in den Bundestag einzog. Das Direktmandat verfehlte er zwar, aber über die Landesliste fand er 17 Tage nach der Wahl doch noch den Weg nach Berlin. Beim Nachzählen fehlten nämlich in Hamburg fast 10.000 Zweitstimmen. Die SPD erhielt einen zusätzlichen Sitz – und der fiel auf den Wahlkreis 187 und damit an Zimmermann.

 

Und noch eine Besonderheit: Ein unabhängiger Einzelbewerber hofft am 24. September im Wahlkreis auf Stimmen. Harald Frenzel, Fahrlehrer aus Fränkisch-Crumbach im Odenwald, hatte sich bereits 2012 für die Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt beworben, erreichte aber nur 0,2 Prozent.

Verkehr und Windräder sind die Themen, die die Bürger in der Mitte und im Süden des Wahlkreises hauptsächlich bewegen. Der vierspurige Ausbau der Bundesstraße 45 zwischen Dieburg und Groß-Umstadt ist wegen vieler Staus schon lange gefordert, aber für weitere fünf Jahre auf die lange Bank geschoben, weil Autobahnbrücken und -kreuze Vorrang haben.

Gegen die Genehmigung von weiteren Vorranggebieten für Windkraftanlagen laufen mehrere Bürgerinitiativen Sturm, die Gemeinde Mossautal hat geklagt. Rund 400 Windräder sind den Bürgern im Odenwald zu viel. Im Norden des Wahlkreises ist hingegen der Ausbau der Kinderbetreuung ein großes Thema.

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