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Wahlbeteiligung Viele Offenbacher Wähler blieben zuhause

Nirgendwo in Hessen haben am Sonntag so wenige Menschen gewählt wie in Offenbach. Die CDU-geführte Koalition steht nach dem starken Wahlergebnis von Felix Schwenke (SPD) nun unter Druck

Oberbürgermeister-Stichwahl zwischen Peter Freier und Felix Schwenke.
Offensive statt Demut: Wahlverlierer Peter Freier (CDU). Foto: Rolf Oeser Foto: ROLF OESER (Rolf Oeser)

Nach dem deutlichen Sieg von Felix Schwenke (SPD) bei der Stichwahl zum Oberbürgermeister am Sonntag mit 66,9 Prozent stehen Offenbachs Koalitionsparteien unter Rechtfertigungsdruck: CDU, Grüne. FDP und Freie Wähler hatten sich im Wahlkampf direkt oder indirekt hinter den Wahlverlierer Peter Freier (CDU) gestellt. Nun müssen sie sich die Frage gefallen lassen, warum der Kandidat mit 33,1 Prozent trotz der breiten Unterstützung so eine krachende Niederlage eingefahren hat.

Ist das Ergebnis auch ein Denkzettel für die Koalition? Das wollte am Montag zwar niemand so formulieren, es beeilten sich aber alle, die Stabilität des politischen Bündnisses zu betonen, das 2016 als Gegenpart zur SPD geschmiedet wurde. Der Fraktionsvorsitzende der CDU, Roland Walter, teilte direkt am Morgen nach der Wahl mit, dass die Koalition „sehr gut“ funktioniere und fügte hinzu: „auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen“. Man pflege einen „respektvollen und vertrauensvollen Umgang untereinander“. Wäre das selbstverständlich, müsste er es allerdings nicht betonen.

Grüne gehen optimistisch in die Zusammenarbeit

Auch Birgit Simon, Sprecherin der Offenbacher Grünen betonte die Stabilität des ungewöhnlichen Viererbündnisses. Dass Schwenke gewonnen hat, läge vor allem an seiner Person und seinem „hohen Einsatz“ im Wahlkampf. Simon denkt, dass die Zusammenarbeit mit ihm besser laufen wird als mit Noch-OB Horst Schneider (SPD), die sie als „nicht reibungslos“ bezeichnet. Vielleicht sei unter Schwenke gar eine neue Dezernatsverteilung unter Berücksichtigung grüner Kernthemen möglich, wagt Simon zu hoffen.

Der untelegene OB-Kandidat Freier ging noch am Wahlabend in die Offensive: Man werde den neuen OB „an seinen Taten messen“, sagte der 51-Jährige. „Es liegt jetzt an Dr. Schwenke, auf uns zuzukommen und seine Vorstellungen darzulegen und dann guckt man, was passt“, sagte Freier am Montag der FR. Er fügte hinzu, dass das in Gesprächen geschehen werde – und „nicht über die Medien“.

44 Prozent beteiligen sich an Stichwahl

Verschiedene Lesarten gibt es zur Wahlbeteiligung: Auf der einen Seite haben noch nie so viele Offenbacher bei einer OB-Stichwahl ihr Kreuz gemacht wie an diesem Sonntag: 44 Prozent waren es bei einer Stichwahl noch nie. Das allerdings sei wohl auf die Bundestagswahl am gleichen Tag zurückzuführen, sagt Offenbachs Chefstatistiker Matthias Schulze-Böing.

Auf der anderen Seite ist die 135 000-Einwohner-Stadt mit 67,6 Prozent Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl Schlusslicht in Hessen. 4609 Wählerinnen und Wähler, haben zudem ihre Stimme zur Bundestagswahl abgegeben, aber nicht für einen der OB-Kandidaten gestimmt.

Mit Blick auf die Bundestagswahlergebnisse fällt auf, dass SPD und CDU in Offenbach prozentual weniger verloren haben als landesweit – das könnte mit der erhöhten Sichtbarkeit der beiden Parteien im OB-Wahlkampf zu tun haben. Die Grünen sackten in Offenbach von 12,5 auf 10,6 Prozent ab. Der Zugewinn der AfD (von 5,6 auf 12 Prozent) entspricht in etwa dem hessischen Durchschnitt.

Am stärksten schnitten die Rechtspopulisten bei den Zweitstimmen mit 15,9 Prozent in Bieber und Waldhof ab. Die CDU holte die meisten Stimmen in Rumpenheim (32,9 Prozent), die SPD in Tempelsee (28,4 Prozent). die Grünen im Kaiserleigebiet samt Hafenquartier (17,9 Prozent) und die Linke in der südlichen Innenstadt (20,3 Prozent). Die FDP wuchs in Offenbach weniger stark als landesweit und holte ihr bestes Ergebnis im Westend (12,6 Prozent).

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