Lade Inhalte...

Bundestagswahl in Langen Plakat bringt mehr Wähler an die Urne

Mehr Wähler sind in Langen (Kreis Offenbach) zur Bundestagswahl gegangen. Grund ist eine ungewöhnliche Idee von DGB, Gewerbeverein und den beiden Kirchen der Stadt.

Bundestagswahl in Hessen
Pfarrer Steffen Held, Rainer Bicknase, Pfarrer Ulrich Neff und Ulrich Krippner vom Gewerbeverein (v. li. n. re.) bildeten das ideenreiche Quartett. Foto: A. Schlegl

Die Idee war außergewöhnlich, die handelnden Personen nicht weniger: Vertreter der zwei großen Kirchen, des DGB und des Gewerbevereins hatten sich in Langen im Vorfeld der Bundestagswahl zusammen und ließen Plakate drucken, die zum Urnengang aufriefen. Aus gutem Grund: Die Wahlbeteiligung in Langen ließ in den letzten Jahren zu wünschen übrig. Auch wenn sich der Erfolg jetzt nicht in absoluten Zahlen messen lässt – die Bilanz der Akteure fällt positiv aus.

„Ich gehe wählen! Und du?“ Mit diesem Slogan auf einem leuchtend gelben Plakat wollten die vier überparteilichen Institutionen in Langen mehr Wähler an die Urnen bringen. Sie gründeten die Initiative „Wählen gehen“ und finanzierten 450 Plakate in DIN-A3- bis DIN-A1-Format, die an Zäunen, Balkonen oder Fenstern gezeigt wurden.

Wahlbeteiligung tatsächlich höher

Hat sich das Engagement gelohnt? Es gebe zwar kein eindeutiges Erfolgskriterium, meint Rainer Bicknase vom DGB-Kreisverband Offenbach, einer der vier Initiatoren. Doch Langen sei sonst bei der Wahlbeteiligung im Wahlkreis 185 immer im unteren Drittel zu finden gewesen, „und jetzt sind wir im mittleren Drittel.“ Außerdem sei die Wahlbeteiligung im Wahlkreis um 2,9 Prozent gestiegen, „aber bei uns um 4,4 Prozent“. 76,6 Prozent aller Wahlberechtigten gingen am Sonntag in Langen wählen; vor vier Jahren waren es 72,2 Prozent.

Ein „günstiger“ Erfolg: „Wir haben keine 1000 Euro ausgegeben für den Entwurf und den Druck der Plakate“, sagt Bicknase. Und auch der Aufwand hielt sich in Grenzen. Die vier Akteure hätten sich einmal zusammengesetzt, alles Andere sei danach per E-Mail gelaufen.

Bürger befestigten den Wahlaufruf an Fenstern oder Zäunen, Vereine hängten ihn in ihre Vereinsheime, der Einzelhandel in die Schaufenster, Stadt, Kirchen und Kindergärten in ihre Räume. Einige Plakate lieferte das Quartett ans Dreieich-Gymnasium mit seinen Jungwählern. Am verkaufsoffenen Sonntag wurden Plakate verteilt, und jede Partei hängte an ihrem Stand eines auf.

Plakate auch in zahlreichen Wohnanlagen 

Rund 100 Plakate sind nun übrig geblieben. „Aber nur deshalb, weil die Baugenossenschaft und die Wohnungsbaugesellschaft Stadtwerke Langen die Originaldatei angefordert und ihre Plakate selbst ausgedruckt haben, um ihre vielen Häuser zu bestücken“, so Bicknase. Auch die GWH Wohnungsbaugesellschaft Hessen ließ die Plakate in ihren 20 Gebäuden aushängen.

Die Kirchengemeinden seien von den Gläubigen für ihr politisches Engagement nicht gescholten worden, sagt Mitinitiator Pfarrer Ulrich Neff von der katholischen Pfarrei Sankt Jakobus. „Es gab keinen, der sagte, das ist nicht euer Metier.“ Er hat die Aktion auch auf seinem privaten Facebookprofil gepostet – ohne einen einzigen negativen Kommentar. Auch Bicknase spricht von einer positiven Resonanz – auch wenn der eine oder andere habe durchblicken lassen, dass er von der Aktion nichts halte.

Ob die Plakataktion zur Landtagswahl im September 2018 wiederholt wird, konnte er noch nicht sagen. „Vielleicht heben wir uns die Datei auf“, so Bicknase. Allein sei die Aktion auf jeden Fall nicht zu stemmen. Im kommenden Monat wolle man sich auf jeden Fall nochmals zusammensetzen.

Die Idee sei gut, die Kooperation der vier Institutionen „nicht mit Sprengstoff belastet.“ Deshalb würde Pfarrer Neff die Aktion gerne wiederholen. „Aber nicht zu jeder Wahl, sonst ist sie ausgelutscht.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum