Lade Inhalte...

Bundestagswahl Darmstadt keine AfD-Hochburg

In Darmstadt ist die AfD unter zehn Prozent geblieben. Und auch Offenbach und Wiesbaden sind keine Hochburgen. Es gibt allerdings hier und da Ausreißer.

27.09.2017 10:05
Bundestagswahl
Wahlplakat der AfD. Foto: dpa

Stadt und Kreis Offenbach

Die Stadt Offenbach, in der 61,2 Prozent der rund 135 000 Bewohner Migrationsgeschichte haben, ist keine Hochburg der AfD. Das stadtweite Zweitstimmenergebnis von 12,0 Prozent entspricht ziemlich genau dem hessenweiten Durchschnitt. Es gibt allerdings ein paar Ausreißer nach oben: Am meisten Stimmen erhielten die Rechtspopulisten in Offenbach mit 15,9 Prozent in den von Einfamilienhäusern und großen Wohnblocks geprägten Vororten Bieber und Waldhof. Die NPD, die in manchen Straßen Biebers über Wochen hinweg an jedem einzelnen Pfosten mit besonders hoch gehängten Wahlplakaten präsent war, holte in dem Stadtteil weitere 0,5 Prozent der Stimmen. Lediglich einstellige Ergebnisse erreichte die AfD in Offenbach übrigens überall dort, wo der Anteil der Bewohner mit Migrationsgeschichte besonders hoch ist.

In Dietzenbach haben die Rechtspopulisten gewaltig an Boden verloren. Die Stadt war bei der Kommunalwahl im März 2016 hessenweite AfD-Hochburg. Die Partei erhielt damals 14,9 Prozent der Stimmen, nun wählten sie nur noch 12,0 Prozent.

Aus dem Rahmen fällt der Neu-Isenburger Stadtteil Gravenbruch, wo die AfD auf 20,6 Prozent kam. Das hat wohl mit dem Direktkandidaten Arno Groß zu tun, der eine „Gravenbruch verkommt“-Aktion startete. fab/ann

Darmstadt

Dass im Wahlkreis Darmstadt und insbesondere in der Stadt Darmstadt die AfD unter zehn Prozent blieb, ist dem besonderen Profil der Wissenschaftsstadt geschuldet. Das starke gesellschaftliche Engagement der Bürger und die Offenheit für soziale Fragen hätten sich auch „bei der fast reibungslosen Integration der Flüchtlinge gezeigt, die der AfD den agitatorischen Boden entzogen“ habe, teilte das Amt für Statistik mit. Auch sei es der engagierten Sozialpolitik gelungen, sozial schwächere Gruppen besser in die Stadtgesellschaft zu integrieren und diesen eine Perspektive jenseits der Hartz -IV-Abhängigkeit zu eröffnen. Darmstadt hat einen hohen Anteil von Studierenden und gut ausgebildeten Arbeitskräften. Dieser „Verjüngungseffekt“ führe zu einem niedrigeren Anteil an potenziellen AfD-Wählern, so die Statistiker.

Die AfD selbst fühlte sich im Wahlkreis durch eine starke Antifa-Bewegung regelrecht „eingeschüchtert“, wie der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Wolfgang Schöhl der FR sagte. Man habe kaum Veranstaltungen abhalten können. Besonders stark schnitt die AfD in den Landkreis-Kommunen Münster und Weiterstadt ab. Dort existieren zwei der insgesamt  fünf Ortsverbände im Landkreis Darmstadt-Dieburg. cka

Wiesbaden

In Wiesbaden bleibt die AfD leicht hinter ihren eigenen Erwartungen zurück und liegt mit 11,2 Prozent der Wählerstimmen unter dem Hessenergebnis. Sie war auch weniger erfolgreich als bei der Kommunalwahl 2016, bei der sie 12,8 Prozent erreichte. Der Ausreißer ist der Stadtteil Klarenthal, wo 20,3 Prozent der Wähler für die Rechtspopulisten votierten. In dem Wohngebiet aus den 1960er Jahren mit den typischen Wohnhochhäusern haben über die Hälfte der 10 000 Einwohner Migrationshintergrund, die Zahl der Arbeitslosen und die der Personen, die Sozialleistungen beziehen, sind überdurchschnittlich hoch. Bereits bei der Kommunalwahl 2016 erreichte die AfD dort mit 21,5 Prozent Zustimmung den Wiesbadener Spitzenwert.

Auch in Kostheim ist die Zustimmung für die AfD hoch, 15,6 Prozent der Wähler machten am Sonntag bei der Partei ihr Kreuzchen, in Dotzheim sind es 14,9 Prozent, in Medenbach 14,3 und in Erbenheim 13,4. In den innerstädtischen Bezirken, wo auch viele Migranten leben, bleibt das AfD-Ergebnis indes einstellig. In Wiesbaden-Mitte haben 8,4 Prozent der Wähler AfD gewählt, in Nordost 8,2 und im Westend, das bei der linksliberalen Szene und bei Studierenden besonders beliebt ist, 6,7 Prozent.

Wetterau

Im Wetteraukreis nehmen die AfD-Stimmenanteile von Westen nach Osten der Tendenz nach zu. Während sie in den größeren Städten Bad Nauheim (11,1 Prozent), Bad Vilbel (9,0), Friedberg (11,1 Prozent) und Karben (11,2) im Westen unter dem Landesschnitt liegen, sind sie in der Mitte und im Osten der Wetterau erheblich höher.

Besonders gut schnitt die AfD in diesen Gebieten in Wölfersheim (15,4 Prozent), Büdingen (15,4), Reichelsheim (16,2) und Hirzenhain (18,5) ab. Grob ließe sich formulieren: Je ländlicher es wird, desto mehr Prozente ergattern die Rechtspopulisten. Im Einzugsgebiet von Frankfurt an der A5 und der B3, wo viele Unternehmen sitzen und gut verdienende Menschen wohnen, haben sie es schwerer. Deutlich wird der Unterschied auch, wenn man die Gesamt-Ergebnisse in den zwei Wetterauer Wahlkreisen miteinander vergleicht: Im Wahlkreis Wetterau I, der den Westen und die Mitte des Landkreises umfasst, kommt die AfD auf 11,6 Prozent. Im Wahlkreis Main-Kinzig, Wetterau II, Schotten sind es 15,4 Prozent. Zu ihm gehören die acht östlichen Wetterau-Kommunen. Im Kreistag, in dem die Partei die drittstärkste Fraktion bildet, stört sie laut Kreistagsvorsitzendem Armin Häuser (CDU) nicht. Ihre Anträge seien aber häufig „NPD-light“. agr

 

 

 

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum