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Bundestagswahl 2017 AfD mobilisiert die Nichtwähler am besten

Laut einer Analyse des Amts für Statistik konnten die Rechtspopulisten darüber hinaus auch bei den Stammwählern der CDU viele Stimmen einfangen.

Wahlkampf der AfD
Mit ihrem Wahlkampf waren die Rechtspopulisten besonders bei Nichtwählern erfolgreich. Foto: AFP

Das gute Abschneiden der AfD bleibt das bedeutendste Merkmal dieser Bundestagswahl. Die Rechtspopulisten erreichten in Wiesbaden mit 11,2 Prozent nach der Stadt Offenbach (12 Prozent) das zweitbeste Großstadt-Ergebnis im Rhein-Main-Gebiet. Das hat die Wahlanalyse des Amts für strategische Steuerung, Stadtforschung und Statistik jetzt ergeben.

Wo kommen sie her, die Wähler der AfD? „Die AfD profitiert im höheren Ausmaß von Wanderungen aus dem Lager der sonstigen kleineren Parteien und der Nichtwähler“, erklärt der stellvertretende Amtsleiter Ersin Özsahin. Die Partei habe die Nichtwähler am besten mobilisieren können. Zudem habe insbesondere die CDU Wähler und Wählerinnen an die AfD verloren. Fast 4000 Menschen, die in früheren Jahren für die CDU votierten, machten jetzt ihr Kreuz bei den Rechtspopulisten. Die CDU hatte einen großen Aderlass, denn sie verlor auch fast 7000 Stimmen an die Freidemokraten.

Ehemalige SPD-Wähler, die sich jetzt für die AfD entschieden, gibt es auch. Mit etwa 2000 Personen sind es aber viel weniger. Die Sozialdemokraten geben an viele Parteien ab, etwa 1000 gehen je an Grüne und FDP, etwas mehr an die Linke. Auch die Grünen verlieren an die Linke. Die FDP profitiert nicht nur von ehemaligen CDU-Anhängern. Die Wahlanalyse zeigt, dass auch 21,2 Prozent der Wähler, die 2013 ihre Stimme der AfD gaben, am Sonntag die Freidemokraten wählten. Das sind rund 1000 Personen. „Die AfD-Positionen haben sich in den vier Jahren stark verändert. Damals war die Euro-Rettung das große Thema, heute ist es die Flüchtlingskrise“, erläutert Jörg Härle, ebenfalls stellvertretender Leiter des Statistikamtes. Dadurch würden andere Personenkreise angesprochen.

Diese Bundestagswahl weist noch weitere Rekordwerte auf: Noch nie haben sich so viele Menschen für die Briefwahl entschieden. Fast jeder dritte Wiesbadener Wähler machte seine Kreuzchen lieber vor dem eigentlichen Wahltag. Noch nie haben die beiden Volksparteien so schlecht abgeschnitten, nicht nur deutschlandweit, sondern auch in Wiesbaden. Dort fuhren die Christdemokraten nicht nur ihr schlechtestes Ergebnis seit 1949 ein; sie fanden auch noch weniger Zustimmung als im hessischen (minus zwei Prozentpunkte) und bundesdeutschen (minus vier Prozentpunkte) Durchschnitt. Die SPD hat zwar auch viele Wählerstimmen verloren, aber weniger als die CDU. Und sie liegt in Wiesbaden leicht über dem Ergebnis im Bund.

Ein Novum für Wiesbaden sei, dass 15 Prozent der Grünen-Wähler ihre Erststimme dem CDU-Kandidaten Ingmar Jung gaben und nicht wie traditionell üblich dem SPD-Kandidaten. Die Wähler der AfD, CDU und SPD haben eines gemein: über 80 Prozent geben Erst- und Zweitstimme der gleichen Partei. „44 Prozent derjenigen“, so heißt es in der Analyse, „die mit ihrer Zweitstimme FDP gewählt haben, gaben ihre Erststimme Ingmar Jung.“ Aber nur 32 Prozent der Wähler, die mit der Zweitstimme Grüne wählten, entschieden sich mit der Erststimme für den SPD-Kandidaten Simon Rottloff. Über ein Viertel der Linken-Wähler gab die Erststimme dem SPD-Mann.

Die Erstwähler und jungen Wähler haben zur Wahlurne zurückgefunden, zumindest fehlen sie nicht mehr so oft. Über 13 Prozent mehr Menschen zwischen 18 und 25 Jahren gaben ihre Stimme ab als 2013. Die Beteiligung lag insgesamt auch in Wiesbaden um vier Prozentpunkte höher als damals. 73,8 Prozent der Wahlberechtigten machte am Sonntag vom Wahlrecht Gebrauch. Von den Jungen waren es trotzdem nur 65 bis 68 Prozent. Je älter die Menschen sind, desto eher gehen sie wählen, ist ein weiteres Ergebnis der Analyse.

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