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Bürgermeister Kreß Bad Nauheim „Niemals in eine Partei“

Bad Nauheims neuer Bürgermeister Klaus Kreß ist seit bald einem Monat im Amt. Im FR-Interview spricht er über sein Amtsverständnis und den Neubau der Therme.

Bad Nauheim: Interview mit dem neuen Bürgermeister Klaus Kreß
Klaus Kreß setzt auf wechselnde Mehrheiten im Parlament.

Klaus Kreß (parteilos) ist seit 18. September Bürgermeister von Bad Nauheim, der an Einwohnern zweitgrößten Stadt im Wetteraukreis. Vorher leitete er im Rathaus den Fachbereich Zentrale Steuerung und Öffentlichkeitsarbeit. Der 49 Jahre alte Diplom-Verwaltungswirt (FH) setzte sich in der Direktwahl am 7. Mai mit 50,6 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang gegen drei Mitbewerber durch. Seit 1992 lebt Kreß, der in Frankfurt geboren wurde und in Karben aufwuchs, in der Wetterauer Kurstadt.

Herr Kreß, Sie sind seit 70 Jahren der erste parteilose Bürgermeister von Bad Nauheim, gehören also weder einer Partei noch einer Wählergemeinschaft an. Können Sie sich vorstellen in eine Partei einzutreten?
Mein Grundsatz war es immer, niemals in eine Partei zu gehen. Ich finde, auf der kommunalen Ebene wäre das hinderlich. Dort sollte es nicht so sein, dass Anträge nur deshalb abgelehnt werden, weil sie von einer anderen Partei kommen. Im Übrigen habe ich nicht vor, mich im Land oder im Bund politisch zu engagieren. Vor meiner Wahl zum Bürgermeister habe ich gegenüber CDU und Freien Wählern, die mir inhaltlich am nächsten stehen, klargemacht, dass ich auch künftig kein Mitglied bei ihnen werde.

Ihnen fehlt als parteiloser Amtsinhaber aber eine Hausmacht im Stadtparlament. Hinzu kommt, dass es in Bad Nauheim zurzeit keine Koalition gibt.
Als Bürgermeister hat man es schwerer, wenn man keine stabilen Mehrheitsverhältnisse im Hintergrund hat, das stimmt. Andererseits zwingt mich das, immer wieder mit allen Fraktionen zu sprechen. Wir werden in Bad Nauheim künftig häufiger wechselnde Mehrheiten haben. Und ich werde mir die Freiheit herausnehmen, Dinge anders zu sehen als die Freien Wähler, die mich im Wahlkampf unterstützten. Im Übrigen wird man bequemer und fauler mit einer stabilen Mehrheit im Hintergrund.

Sie haben angekündigt, Blockaden im Parlament aufbrechen zu wollen. Was meinen Sie damit?
Das meinte ich mit wechselnden Mehrheiten. Ein Beispiel: Die Musikschule wird ins balneologische Institut am Sprudelhof ziehen. Dafür musste ich bei den Fraktionen werben. Schließlich stimmten Freie Wähler, FDP und Grüne für den Umzug. CDU und SPD sahen es anders. Als Nächstes werde ich dem Parlament die künftige Nutzung des Goldsteinparks vorschlagen. Da wird es möglicherweise wieder eine andere Mehrheit geben.

Sie wollen nicht nur Blockaden abbauen, sondern haben auch gesagt, Sie möchten wieder für mehr Stil in den Debatten sorgen. War der Umgang im Stadtparlament oft stillos in den letzten Jahren.
So weit würde ich nicht gehen. Die Debatte über den Neubau der Therme hat mich aber geärgert. Da wurde die Anbindung an den Sprudelhof zur Religion erhoben. Dabei ist es den meisten Menschen hier ziemlich egal, ob mit oder ohne Anbindung. Die Therme ist seit bald zwei Jahren zu. Wir können den Menschen aber immer noch nicht erklären, wie das neue Thermalbad einmal aussehen wird. Wenn die Anbindung zu viel Zeit in Anspruch nimmt oder zu teuer wird, sollten wir auf sie verzichten.

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