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Büdinger Fürstenfamilie Der Niedergang des Hauses zu Ysenburg

Jahrhundertelang prägte das Fürstengeschlecht der zu Ysenburgs die hessische Gemeinde Büdingen. Doch in den letzten Jahren ist das einstiger Wirtschaftsimperium der Dynastie nach und nach zerbröselt. Von den Konsequenzen ist auch die Stadt betroffen.

05.04.2012 08:59
Bruno Rieb
Das Büdinger Schloss, in dem Wolfgang Ernst Fürst zu Ysenburg residiert. Foto: Stadt Büdingen

Das Touristenstädtchen Büdingen lebt von seinem mittelalterlichen Flair und der Einfluss der Fürstenfamilie lebt seit dem Mittelalter weiter. „Ich muss ja noch mit der Fürstenfamilie reden können“, gibt sich Bürgermeister Erich Spamer (Freie Wähler) im aktuellen Konflikt mit dem Hause Ysenburg zurückhaltend. Es geht dabei um die Stiftung „Präsenz zu Büdingen“, die das Fürstenhaus betreibt. Die Stiftung soll die Kirchen-Immobilien des Städtchens unterhalten: die beiden Kirchen, die beiden Pfarrämter und den Friedhof.

Es sei die älteste Stiftung in Hessen, sagt Joachim Schmidt, Pressesprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Eine einzigartige Situation, weil die Kirche nur Nutzer und nicht Besitzer der Immobilien sei. Seit über 700 Jahren kümmert sich die „Präsenz zu Büdingen“ um die kirchlichen Einrichtungen der Stadt. Das funktionierte immer gut. Nun knirscht es gewaltig: Das Fürstenhaus steckt seit Jahren in finanziellen Turbulenzen und die Stiftung ist hineingeraten.

Ein Imperium zerbröselt

Das Wirtschaftsimperium, das Otto Friedrich Fürst zu Ysenburg 1990 hinterlassen hatte, ist zerfallen. Sein Nachfolger Wolfgang Ernst Fürst zu Ysenburg wirtschaftete unglücklich. Die seit 1578 bestehende Brauerei musste ebenso verkauft werden wie die 175 Jahre alte Steingut-Fabrik und der ausgedehnte Waldbesitz. Vor einem Jahr ging dann die Beteiligungsgesellschaft der Fürstenfamilie pleite.

Die Stiftung, deren Vorsitzender Wolfgang Ernst Fürst zu Ysenburg ist, ist nach Recherchen des Hessischen Rundfunks (HR) in diesen wirtschaftlichen Niedergang verstrickt. In den Jahren 2010 und 2011 habe die Stiftung der Beteiligungsgesellschaft insgesamt 155000 Euro geliehen, „ohne festgeschriebene Sicherheiten“, so der HR. Dafür habe die Beteiligungsgesellschaft der Stiftung eine Immobile im Wert von 145000 Euro übertragen wollen. Dagegen habe der Insolvenzverwalter der Beteiligungsgesellschaft interveniert. Er habe verhindern wollen, dass dem Unternehmen kurz vor Torschluss Vermögen entzogen werde. Die Stiftung soll laut HR in den vergangenen zehn Jahren bereits Immobilien im Wert von 790?000 Euro verkauft haben.

Um die Kirchen kümmert sich die Stiftung schon nicht mehr

Wie auch immer: Bei der Unterhaltung der Kirchen, Pfarrhäuser und Friedhöfe ist die „Präsenz zu Büdingen“ laut EKHN-Sprecher Schmidt schon seit Jahren nicht mehr präsent. Die millionenteure Sanierung des Dachstuhls der Remigiuskirche vor drei Jahren habe die EKHN alleine finanzieren müssen.

Die Stadt Büdingen hat sich vor drei Jahren an die Staatliche Stiftungsaufsicht beim Regierungspräsidium in Darmstadt gewandt. Schon Jahre zuvor sei es zu ersten Problemen gekommen, erinnert sich Bürgermeister Spamer. Damals sei ein kleiner Park, der der Stiftung gehört und bis dahin öffentlich zugänglich gewesen war, plötzlich verschlossen gewesen.

Beim Regierungspräsidium hörte man damals zum ersten Mal von der „Präsenz zu Büdingen“. Man habe sich dann daran gemacht, mit dem Fürsten eine Stiftungssatzung auszuarbeiten, sagt Sprecher Gerhard Müller. Diese Satzung unterstreicht laut HR allerdings die Macht des Fürsten. Sie sehe weiter nur den Fürsten als Vorstand vor, eine interne Kontrolle gebe es nicht. Eine Auflösung der Stiftung werde ermöglicht. Kirchen, Pfarrämter und Friedhof sollen dann an die EKHN gehen, „das sonstige Vermögen“ „an den dann lebenden Chef des Fürstenhauses zu Ysenburg und Büdingen“. Als die Stiftungsaufsicht im vergangenen Jahr von den Grundstücksgeschäften erfahren habe, habe sie Rechenschaftsberichte und eine Vermögensaufstellung verlangt, berichtet der Sprecher des Regierungspräsidiums. Dagegen habe der Fürst unverzüglich geklagt. Der Ausgang dieser Klage müsse nun abgewartet werden, vorher könne die Stiftungsaufsicht nichts unternehmen.

Der Fürst schweigt

Der Hessische Rundfunk wirft der Stiftungsaufsicht vor, den Fürsten auf die HR-Recherchen hingewiesen zu haben. Dazu erklärt Müller, der HR habe die Stiftungssatzung angefordert, diese habe aber nicht ohne Zustimmung des Fürsten herausgegeben werden dürfen.

Von Wolfgang Ernst Fürst zu Ysenburg war am Mittwoch keine Stellungnahme zu den Vorwürfen zu erhalten. Gegenüber dem HR hatte er erklärt, es sei „ganz wurscht“ ob die Grundstücke im Besitz der Stiftung seien oder der Familie gehörten. Derlei Geschäfte gingen niemanden etwas an.

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