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Bubble Football Die Fußball-Blase

Bubble Football heißt der neue Funsport aus Dänemark. In luftgepolsterten Plastikballons wird so lange gekickt und geschubst – bis die kleine Kugel ins Tor kullert. Unser Autor hat’s schon mal für die Deutsche Meisterschaft geübt.

FR-Autor Clemens Dörrenberg steigt in einen Bumper. Foto: Michael Schick

Die wichtigste Regel ist anders als beim Fußball: „Erst haust du deinen Gegner um, dann spielst du den Ball.“ Mein Mitspieler beim Bubble-Fußball schaut mich ernst an und lächelt dann: „Und jetzt viel Spaß!“ Er hat sich etwas vorgebeugt, damit er durch die obere Öffnung seiner durchsichtigen, luftgefüllten Blase, „Bumper“ genannt, mit mir sprechen kann. Das Gleiche habe ich gemacht, um ihn verstehen zu können. Denn verpackt in unserer runden Plastikhülle sind wir akustisch recht isoliert voneinander.

Und das ist nicht die einzige Schwierigkeit. Wie schwer Luft sein kann, spüren wir auf unseren Rücken. Wie einen Rucksack haben wir etwa zehn Kilogramm schwere Blasen angeschnallt, dank zwei Schlaufen im Kugelinneren. Ich stecke in der Kugelmitte in einer schmalen Röhre, die von einer Menge Luft zusammengepresst wird, die Hülle ist aus dem Kunststoff mit dem sperrigen Namen: „thermoplastisches Polyurethan (TPU)“. Nur die Beine gucken raus, denn mit denen soll ja noch Fußball gespielt werden.

Die Kugel beeinträchtigt die Koordination

Doch mein erster Ballkontakt fühlt sich komisch an. Als gelernter Fußballer kann ich Bälle gewöhnlich stoppen und weiter spielen. Mit der Kugel um den Oberkörper, die die Koordination der relevanten Körperteile beeinträchtigt, fällt die Basisübung des Fußballspiels schon sehr schwer.

Außerdem ist die Luft warm und stickig in dieser Art Kokon. Die Temperatur der ohnehin aufgeheizten Luft in der Heusenstammer Soccerhalle steigt im Bumper noch weiter. Nach wenigen Momenten klebt die verschwitzte Haut am Kunststoff wie an einer Luftmatratze in der Sonne am Baggersee.

Doch die dicke Lufthülle hat auch ihre praktische Seite, weiß Lena Burggraf vom „Deutschen Bubble Football-Bund (DBF)“: „Abgesehen vom Riesen-Muskelkater am nächsten Tag durch die Last auf den Schulterblättern, sind Kopf und Oberkörper super geschützt“. Die Verletzungsgefahr sei nicht höher als beim Fußball. Damit es nicht zu Unfällen kommt, sind Body-Checks von hinten nicht erlaubt, „weil bei Angriffen von hinten die Körperspannung nicht vorhanden ist“, sagt die Auszubildende, deren Chef die Idee im letzten Jahr aus Dänemark mitbrachte.

Aufstehen ist nicht einfach

Nachdem die beiden feststellten, dass es die so genannte Funsportart in Deutschland noch nicht gab, gründeten sie den DBF und veranstalteten im Frühjahr die erste hessische Meisterschaft. Als ich erfahre, dass die Bumper samt Inhalt dort zum Teil so geschubst wurden, dass sie bis zu „zwei Meter weit flogen“, ehe sie wieder Boden berührten, kralle ich meine Hände auf Brusthöhe etwas fester an zwei Haltegriffe des Ballons, indem ich stecke – das Testspiel kann beginnen.

Den ersten Ball, den ich zugespielt bekomme, passe ich hastig weiter, um nicht umgeschubst zu werden. Beim zweiten werde ich ohne Vorwarnung „weggedeckelt“, wie die anderen Spieler sagen. Ich knalle nach hinten, aber falle weich. Nur das Aufstehen fällt schwer. Die einfachste Variante: Auf die Knie rollen, mit dem Körper gegen die Kugel stemmen und wieder aufrichten. Nach ein bisschen Übung gelingt es mir auch auf dem Rücken liegend mit ein bisschen Schwung wieder auf die Beine zu kommen.

Nun wird aber zurückgeschubst. Getreu dem Rat meines Mitspielers konzentriere ich mich erst auf den Gegner und dann auf den Ball. Mein Spielverständnis von „fair geht vor“ wird dabei zwar zunächst auf eine harte Probe gestellt. Ich kann aber nicht verbergen, dass ich auch ein wenig Spaß beim Wegdeckeln empfinde. Auf jeden Fall sieht das groteske Spielgeschehen auch aus dem Innern des Luftpolsters so lustig aus, dass ich hin und wieder unwillkürlich schmunzeln muss.

Und auch wenn das Gewinnen neben dem Fun-Faktor in den Hintergrund gerät: Es werden auch Tore geschossen. Das Spektakulärste gelingt der gegnerischen Mannschaft, als der Ball hoch gespielt wird und in der Bubble eines Spielers landet, der damit unbehelligt in Richtung unseres Tores laufen kann. Zur Krönung stoppt er kurz davor, bückt sich nach vorne und lässt den Ball lässig über die Torlinie kullern. Alles Regel-konform. Nur die Freude kann durch die dicken Blasen nur schwer geteilt werden. Und wenn ein Mitspieler umgenietet wird, nutzt der Reflex, ihm aufhelfen und anfeuern zu wollen nur wenig. Denn das muss beim Bubble Football jeder alleine schaffen.

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