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Brief Evangelische Kirche will ihren Mitgliedern Mut machen

Brief an 1,6 Millionen Protestanten hat Angst und deren Überwindung zum Thema. Auch, damit in der Politik die Vernunft erhalten bleibt.

Die evangelische Kirche schreibt an ihre 1,6 Millionen Mitglieder, um Ängsten zu begegnen.

Ist das Leben heute gefährlicher als früher, muss man mehr Angst haben? „Das weiß ich nicht“, sagt Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). „Die Welt war auch schon früher in Unruhe, und man wurde als Kind immer wieder ermahnt, bloß nicht zu Fremden ins Auto zu steigen.“

Heute aber, da ist sich Jung sicher, spiele Angst in der politischen Auseinandersetzung eine immer stärkere Rolle. Ängste würden geschürt, und damit werde irrationales Handeln provoziert. Eine beunruhigende Entwicklung, wie er findet.

Die EKHN schickt deshalb in diesen Tagen ihren rund 1,6 Millionen Mitgliedern einen Brief, der Mut machen und helfen soll, Ängste abzubauen. Die sogenannte Impulspost, die es zweimal im Jahr zu unterschiedlichen Themen gibt, geht an rund eine Million Haushalte und firmiert unter dem biblischen Motto „Fürchtet euch nicht!“.

Menschen erzählen von ihren Ängsten

In dem Schreiben und auf einer zur Aktion gehörenden Internetseite kommen Menschen zu Wort, die von ihren Ängsten erzählen, wie sie damit umgehen und wie sie diese Ängste vielleicht auch überwinden können. Regine etwa, eine 80 Jahre alte Frau, die von der Angst vor dem Sterben berichtet. Oder Katja, eine Polizistin, die zwar ohne Furcht in ihre Einsätze geht, aber mit Sorgen auf den Klimawandel blickt. Und Thomas, ein Extremkletterer, der ohne Angst wohl schon längt abgestürzt wäre, weil sie ihn vor Gefahren warnt. „Angst ist auch nützlich, jeder Mensch hat sie, sie darf aber nicht übermächtig werden und uns die Lebensfreude nehmen und krankmachen“, sagt Jung.

Vorgestellt wurde die Impulspost im Frankfurter Polizeipräsidium. Nicht zufällig, denn immer mehr Menschen fürchten sich vor Kriminalität und haben Angst, Opfer eines Verbrechens zu werden. „Wir beobachten, dass die Menschen diese Ängste haben, und wir nehmen sie auch ernst“, sagt Carina Lerch, Leiterin der Kommunikationsabteilung bei der Frankfurter Polizei. Tatsächlich sei Deutschland aus polizeilicher Sicht aber ein sehr, sehr sicheres Land und Frankfurt eine sehr, sehr sichere Stadt.

Die Statistik belegt diese Einschätzung. So ist die Zahl der Straftaten je 100.000 Einwohner in Frankfurt im Jahr 2017 mit knapp 15.000 die niedrigste seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen. Die Zahl der Wohnungseinbrüche sank von 2013 bis 2017 von 2130 auf 1560, die Raubüberfälle gingen im gleichen Zeitraum von 1016 auf 978 zurück.

Woher dennoch das Gefühl der Bedrohung und die daraus entstehende Angst kommen? Zu einem gewissen Teil sicher daher, dass die modernen Medien jedes Verbrechen quasi ins Haus bringen, dass Mord und Totschlag, egal wo sie passieren, nah und beängstigend erscheinen.

Mit ihrer Impulspost hofft die EKHN nun, ein wenig gegen diesen Trend wirken zu können. Die Briefaktion wird von rund 500 Kirchengemeinden unterstützt, die mit Fahnen und großen Bannern an ihren Kirchtürmen für mehr Mut werben.

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