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Brand in Flüchtlingsheim Ermittler schließen technischen Defekt aus

Das Feuer in einer Flüchtlingsunterkunft in Heppenheim ist gelöscht. Ein Mann wollte sich mit einem Sprung aus dem zweiten Stock retten und verletzte sich schwer, weitere Bewohner erlitten Rauchgasverletzungen. Einen technischen Defekt als Brandursache schließen die Ermittler aus.

In einer Flüchtlingsunterkunft in Heppenheim hat es in der Nacht zu Freitag gebrannt. Foto: REUTERS

Bei einem Brand in einer bewohnten Flüchtlingsunterkunft im südhessischen Heppenheim (Kreis Bergstraße) sind in der Nacht zu Freitag fünf Menschen verletzt worden, einer davon schwer. Nach den bisherigen Ermittlungen könne ein technischer Defekt als Ursache ausgeschlossen werden, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Darmstadt, Nina Reininger, der Frankfurter Rundschau. Ob das Feuer absichtlich gelegt wurde oder es sich um fahrlässige Brandstiftung handele, sei noch ungewiss. Ein politischer Hintergrund könne bislang weder bestätigt noch ausgeschlossen werden. Experten des Landeskriminalamtes werteten Spuren aus, Zeugen würden noch vernommen.

Laut Polizei hatten Zeugen am frühen Freitagmorgen gegen 1.25 Uhr eine starke Rauchentwicklung im Eingangsbereich der Gemeinschaftsunterkunft gemeldet. Das Feuer sei hinter der Eingangstür ausgebrochen und habe von der Feuerwehr schnell gelöscht werden können. Ein Bewohner der Unterkunft, der aus einem Fenster im zweiten Stock gesprungen war, verletzte sich schwer, vier weitere Menschen erlitten leichte Rauchgasvergiftungen.

Innenminister vor Ort

Bereits am Freitagmorgen eilte der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) nach Heppenheim, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. Solange die Ermittlungen von Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft liefen, werde der Minister sich aber nicht zu dem Brand äußern, sagte eine Sprecherin des Ministeriums auf Anfrage der FR.

Die dreigeschossige Gemeinschaftsunterkunft war laut Polizei von mehr als 60 Personen bewohnt, darunter Menschen aus Äthiopien, Algerien, dem Irak und Libanon, Nigeria, Somalia, Syrien und der Türkei. Unklar ist, wie viele genau vor Ort waren. Die Staatsanwaltschaft spricht von 65 gemeldeten und 29 anwesenden Personen, der Kreis Bergstraße von 51 gemeldeten und 46 anwesenden Bewohnern. Nachdem die Polizei am Freitagmorgen zunächst gemeldet hatte, dass das Haus unbewohnbar geworden sei, sagte Staatsanwältin Reininger der FR am Nachmittag, dass die Bewohner die Unterkunft nach umfänglichen Reinigungsarbeiten voraussichtlich noch am Freitagabend wieder beziehen könnten.

In der Linksfraktion im Landtag löste der Brand „große Bestürzung aus und wirft gleichzeitig Fragen auf“, so der innenpolitische Sprecher Hermann Schaus. „Dass ohnehin traumatisierte Menschen nachts aus dem Schlaf gerissen und vor Feuer fliehend aus Fenstern springen müssen, ist eine entsetzliche Vorstellung. Insbesondere den Verletzten gilt mein tiefes Mitgefühl.“

Schaus bedankte sich bei den Einsatzkräften vor Ort und appellierte an Kommune, Kreis und Land, schnelle und unbürokratische Hilfe zu leisten. Es gelte nun, schnell die Ursachen zu ermitteln. „In den letzten Monaten hat es auch in Hessen massive, rassistisch motivierte Angriffe auf Unterkünfte für Flüchtlinge gegeben. Alleine im Kreis Fulda waren es rund ein Dutzend Vorkommnisse.“ Fahrlässigkeit wäre schlimm genug, sagte Schaus, sollte es sich um vorsätzliche Brandstiftung handeln, müsste diese „mit allergrößtem Druck verfolgt werden“.

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