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Bordell-Streit in Hessen Das 5. Element erregt die Gemüter

In der kleinen osthessischen Gemeinde Eichenzell ist die Welt nicht mehr in Ordnung, seit aus einem seriösen Wellness-Club der wohl größte Edelpuff der Region werden soll. Der Gemeinderat läuft Sturm.

04.08.2009 09:08
Jörn Perske (DPA)
In Eichenzell läuft der Gemeinderat Sturm gegen ein geplantes Bordell. Foto: dpa

Eichenzell. Die bevorstehende Eröffnung eines Bordells erregt in der kleinen osthessischen Gemeinde Eichenzell die Gemüter. In der Provinz-Posse um den wohl größten Edelpuff in der Region hat sich die Gemeindevertretung mittlerweile schon zu einschneidenden Verbotsbeschlüssen veranlasst gefühlt.

Grund des Anstoßes: Zunächst war nur ein seriöser und schicker Wellness-Club in einem Industriegebiet geplant. Monate später wurde bekannt, dass das Etablissement namens "Das 5. Element" sein Leistungsspektrum auszudehnen gedenkt. Auf der mit blanken Brüsten dekorierten Internetseite steht vielsagend: "Unsere Gäste tauchen hier ab in eine Welt der erotischen Genüsse in stilvoller Atmosphäre."

Leichte Damen aus dem Gewerbe sollen in 15 Suiten Sex gegen Bares anbieten. Es handelt sich zwar nicht um ein Flatrate-Bordell, wie sie jüngst bundesweit für Aufruhr gesorgt hatten. Es ist "nur" ein normales Etablissement - wenn auch ein größeres. Doch das genügt den Volksvertretern im von der CDU dominierten Gemeindeparlament, um Sturm zu laufen. Deswegen verhängten sie nach einer viel beachteten Abstimmung vor kurzem eine sogenannte Veränderungssperre. Parallel wurde ein Verfahren eingeleitet, damit Prostitution in dem Areal dauerhaft ausgeschlossen wird. Bürgermeister Dieter Kolb schwant dennoch Böses: "Ich glaube nicht, dass die Kuh dadurch vom Eis ist."

Vieles deutet auf einen Rechtsstreit zwischen Investor und Gemeinde hin. Beide Seiten haben schon Rechtsanwälte zurate gezogen. Denn es geht auch um viel Geld. Eine siebenstellige Summe sei investiert worden, um aus dem ehemaligen Bürogebäude eine Luxus- Location für Männer mit gehobenen und speziellen Ansprüchen zu zaubern. "Die Einrichtung ist vom Feinsten", sagt der Rathaus-Chef anerkennend. Das wäre nichts für Hartz-IV-Empfänger oder Trucker, die von der nahen Autobahn mal eben einen Abstecher machen wollen.

Der parteilose Politiker fürchtet um den "guten Ruf des mühsam beworbenen Industriegebiets mit seinen internationalen Firmen". Er sieht die Gefahr, dass sich weitere Bordelle ansiedeln könnten. Und: In Städten möge die Eröffnung eines Bordells etwas Gewöhnliches sein. Für das beschauliche, rund 11.000 Einwohner zählende Eichenzell ist solch eine Einrichtung hingegen etwas Aufsehen erregendes. Kolb geht es auch um die Dimensionen des Etablissements.

Ein kleiner Swinger-Club wurde in dem Gebiet lange geduldet. Doch ein großes Haus mit einer Nutzfläche von 3500 Quadratmetern würde bei offensiver Werbung viele Sex-Touristen anlocken. Um Aufmerksamkeit zu erzeugen, traten die Investoren überraschend freimütig auf. Sie verschickten Einladungen an die Medien. Am 6. August planen sie gar eine Pressekonferenz zum Verbot der Gemeinde.

Fest steht: Am Tag darauf soll "Das 5. Element" seine Pforten öffnen. Das sagt Geschäftsführer Florian Kamberi. Damit es gleich viel zu sehen gibt, wird eine Porno-Darstellerin als Star-Gast angekündigt. Ansonsten hüllt er sich ebenso wie sein Anwalt in Schweigen. Zum Stand der Dinge und zu den künftigen Plänen wollen beide gegenwärtig nichts sagen.

Bürgermeister Kolb versucht das Aufregerthema "ganz emotionslos zu sehen". Für ihn gilt einerseits: Prostitution ist generell nicht verboten. Andererseits hat das die Gemeindevertretung untersagt. Kontrollen, ob in den Whirlpools auch nur brav geplanscht und nicht unzüchtig gefummelt wird, will Kolb aber zunächst nicht anordnen. (dpa)

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