Lade Inhalte...

Bockenheim Linke Kriegsgräberfürsorge

Die Außenseiter des Ortsbeirates 2 wollen den Friedhof an der Solmsstraße sanieren und schützen.

Friedhof an der Solmsstraße
Die Linke ärgert sich über Graffiti-Schmierereien auf dem Obelisk. Foto: FR / Oeser

Es muss - so war der Zeitgeist - ein erhebender Augenblick gewesen sein: Sedantag am Rande Bockenheims, 2. September 1875. Die Notabeln des Ortes vor den Toren Frankfurts haben sich auf dem Friedhof an der Solmsstraße versammelt. Man will der Toten Bockenheims vor fünf Jahren gedenken. Deutsch-französischer Krieg 1870/71, Sieg bei Sedan über die Franzosen, Preußens Gloria, Reichsgründung in Versailles. Erhebend halt.

Zum Gedenken an den Bockenheimer Blutzoll damals weihten die Notabeln einen Obelisken an der Solmsstraße als Kriegerdenkmal. Man machte das so, damals.

Heute ist der Friedhof ein kleiner Park zwischen alten Arbeiterwohnungen, umfunktionierten Fabriken und modernen Bürobauten. Eine kleine Oase für die Mittagspause. Im Schatten der wuchernden Bäume, der Büsche und der Brandmauern kümmert das letzte halbe Dutzend verwitterter Grabsteine vor sich hin, in der Mitte des Friedhofs ragt noch der Obelisk in die sonnendurchfluteten Wipfel der Bäume. Auf den Bänken reihum entspannen sich Büroarbeiter. Den Sinn des Obelisken erkennt vor lauter Graffiti niemand mehr.

In einer Ecke des Denkmalsockels steht wohl der Name des Steinmetzes, "Ph. Bach". Vom eigentlichen Widmungstext lässt sich nur das Datum "2. September 1875",entziffern. An Zierrat sind noch Pickelhauben ohne Pickel, Kanonen, Husarenmützen und kopflose Adler übrig. Nichts mehr übrig vom einst Erhabenen.

Für alle Lokalpolitiker des Ortsbeirates 2 (Bockenheim, Kuhwald, Rebstock, Westend) überraschend, war es ausgerechnet Die Linke, die jüngst den Zustand des 1825 von den Frankfurter Stadtgärtnern Heinrich Siesmayer und Sebastian Rinz angelegten Friedhofs monierte. Er müsse saniert werden und samt Obelisk und Grabsteinen unter Denkmalschutz gestellt werden.

Ruhestätte angesehener Bürger

Das war so unerwartet, dass es dem FDP-Abgeordneten Günter Pelke entfuhr: "Ich bin schon für den Antrag, weil es das erste Mal ist, dass die Linke ein Kriegerdenkmal erhalten will." Eine Spitze, die der Antragsteller Hans-Jürgen Hammelmann ignorierte oder einfach nicht hören wollte: "Die Schrift (des Obelisken) ist doch nicht lesbar."

Sicher. Aber nicht nur das. Auf dem alten Grabfeld sind auch angesehene Frankfurter beerdigt. Da ist die "Ruhestaette der Familie Joh. Conrad Rohmer", eine engagierte Bockenheimer Sippe. Auch der für die Stadtgeschichte nicht unwichtige Maler, Kupferstecher und Kartograf Friedrich Wilhelm Delkeskamp hat hier seine letzte Ruhestätte gefunden.

Nichts erinnert heute an die noblen Toten. Das kleine, von Häusern und einer massiven Gartenmauer gefasste Areal wurde in der noch- und post-industriellen City-West weitgehend sich selbst überlassen. Am Hinterausgang des Mini-Parks geht eine geradezu pariserisch geschwungene kleine Treppe hinunter in die Pfingstbrunnenstraße, deren kleine Arbeiterhäuser ein letztes beschauliches Zeugnis hiesiger Industriekultur sind. Die City-West brummt zwar jeden Tag, aber im Park rauschen nur die Bäume. Hier auch nur das geringste verändern? Besser nicht. Der Kriegsobelisk könnte aber durchaus eine Auffrischung vertragen. Im Herbst wird der Ortsbeirat 2 über den Denkmal-Antrag der Linken weiter beraten.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen