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Bloggerin „Pinkfisch“ 120 Bücher im Jahr

Sarah Reul bringt als Bloggerin „Pinkfisch“ seit zehn Jahren Bücher ins Gespräch. Beruf und Blog verlangen ein hohes Lesepensum. 120 Bücher im Jahr habe sie sich zur Pflichtmarke gesetzt.

In der Welt der Bücher: Literaturbloggerin Sarah Reul. Foto: Rolf Oeser

Sarah Reul schreibt über Literatur – am liebsten über Belletristik sowie Kinder- und Jugendbücher, und das aus tiefstem Herzen. Über den Galgenhumor der britischen Autorin Jenny Lawson rutscht ihr ein begeistertes „She’s fucking great!“ in den Text. Sie kann aber auch anders, etwa bei Jonas Jonasson und seinem Krimi. Hier spannt Reul ihren Verriss an einem fiktiven Dialog auf und gibt am Ende dem Leser den Rat: „Kauft euch stattdessen lieber einen guten Gedichtband!“

Die Hanauer Buchhändlerin Sarah Reul betreibt seit zehn Jahren einen Literatur-Blog. Unter „Pinkfisch“ schreibt die Wahl-Hanauerin Buchrezensionen. „Kein Feuilleton“ prangt es fast warnend auf der Seite des Blogs. „Pinkfisch bietet keine akademischen Literaturbesprechungen wie ein Feuilleton. Mein Kernantrieb lautet: mit Leuten über Literatur sprechen“, erklärt Reul. Sie gibt in ihrem Blog in Kürze ihre persönliche Empfindung zu einem Buch wieder, gut begründet, mit leichter Feder charmant und authentisch formuliert und – wenn das Werk nichts taugt – klar kritisiert, aber nicht verletzend.

Seit ihrer Kindheit konnte sich Reul ein Leben ohne Bücher nicht denken. „Als Schülerin besaß ich Leseausweise von drei Bibliotheken. Ich habe einfach alles gelesen“, sagt sie. Mit Büchern beruflich zu tun zu haben, kam ihr hingegen nicht in den Sinn. Nach der Realschule wusste sie nicht, was sie machen sollte. Sarah Reul sondierte ihren Weg ins Berufsleben mit einem Sozialen Jahr in einem Altenheim. Danach sah sie ihre Zukunft klarer. „Ich wusste, dass ich gerne mit Leuten rede“, sagt sie.

Die Mutter riet dann, die Tochter solle sich beim Hanauer „Buchladen am Freiheitsplatz“ für eine Ausbildung bewerben, Stammkunde war die Familie dort ohnehin schon. „Als beim Bewerbungsgespräch über Literatur geredet wurde, wusste ich sofort, das ist meine Welt“, erzählt Reul. Eine Zusage gab es vom „Chef Dieter Dausien“ nicht gleich. „Zwei Wochen hatte ich nichts gehört, dann bin ich bei einem Besuch in Hanau in das Geschäft gegangen und habe gefragt“, sagt Reul, die dann ihrem künftigen Chef vor Glück um den Hals fiel. „Noch heute kann ich mich daran erinnern, was damals in der Auslage stand: ‚Das Universum in der Nussschale‘ von Stephen Hawking.“ Das ist nun 13 Jahre her.

Im Buchladen hat sie auch ihren Mann kennengelernt – er saß auf der Kundencouch. Für das Sprechen über Literatur hat sie neben dem Blog weitere Möglichkeiten eröffnet, etwa mit dem Lesekreis, vier Termine zu vier Büchern im Jahr. Spannende Diskussionen bei vielschichtiger Besetzung mit acht bis 13 Teilnehmern, beschreibt Reul die seit drei Jahren laufende Reihe.

Beruf und Blog verlangen ein hohes Lesepensum. „120 Bücher im Jahr habe ich mir zur Pflichtmarke gesetzt. Ich versuche aber immer, die Kür von 150 Büchern zu schaffen“, sagt sie. Das sei auch vereinbar mit der Familie, der Mann und der sechsjährige Sohn seien ebenfalls bücherbegeistert. Bis zu fünf Stunden pro Woche bringt sie für „Pinkfisch“ auf, der Blog muss leben. Der Name ergab sich aus einem Geschenk: ein kleiner rosafarbener Specksteinfisch und Reuls Lieblingsfarbe Pink. Auf der Buchmesse wird sie denn auch oft mit „Sie sind Pinkfisch“ angesprochen. Der Blog besitzt mittlerweile ein Renommee bei Lesern, Verlegern und Autoren.

„Pinkfisch habe ich jetzt als Marke schützen lassen, weil ich es ernst meine mit dem Blog“, sagt sie. Jüngst sei sie als Bloggerin zu „Zürich liest“ eingeladen worden. Das sei eine Auszeichnung. Korrespondentin bei Literaturevents zu sein, kann sich Reul gut neben dem Buchladen vorstellen. „Ich habe zudem große Lust, mit Bloggern einen Literaturtag zu veranstalten“, erzählt sie.

www.pinkfisch.net

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