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Bistum Limburg Fünf Opfer beim Bistum bekannt

Opfer erheben Vorwürfe wegen sexuellem Missbrauch in einem katholischen Kinderheim in Rüdesheim. Die Kirche sieht dafür jedoch keinen „zweifelsfreien Beweis“.

Ein sexueller Missbrauchs durch den ehemaligen Leiter des Kinderheimes sei nicht mehr beweisbar, weil der Hauptbeschuldigte nicht mehr lebt. So verteidigt sich das Bistum Limburg gegen die Vorwürfe. Foto: dpa

Das Bistum Limburg kennt fünf Personen, die den Vorwurf erheben, vor Jahrzehnten im katholischen Kinderheim St. Vincenzstift in Rüdesheim-Aulhausen sexuell missbraucht worden zu sein. Das teilte Bistumssprecher Martin Wind der Frankfurter Rundschau auf Anfrage mit. Diese Menschen hätten sich beim Missbrauchsbeauftragten des Bistums, Guido Amend, gemeldet.

Ob sie tatsächlich Opfer von Übergriffen geworden seien, könne aber nicht „im Sinne eines zweifelsfreien Beweises der Vorwürfe“ aufgeklärt werden, teilte Wind mit. Dieser Beweis könne „schon deswegen nicht erfolgen, weil der Hauptbeschuldigte, der ehemalige Leiter des Stiftes, Müller, seit 1970 nicht mehr am Leben“ sei.

In der Zeit des Stiftungsdirektors Rudolf Müller, der sich 1970 das Leben nahm, soll es sexuelle und andere gewaltsame Übergriffe gegen Kinder gegeben haben. Müllers Nachfolger wurde der heutige Generalvikar des Bistums, Franz Kaspar. Er sagt, er habe in seiner Amtszeit in St. Vincenz bis 2006 nichts von Missbrauch erfahren. Erst als sich Betroffene in einer Anhörung des Landtags 2009 zu Wort meldeten, habe das Bistum davon gehört.

Der Grünen-Familienpolitiker Marcus Bocklet erinnerte das Bistum an seine Zusage, dass es den Schutz der Institution nicht vor die Interessen von Opfern stellen dürfe. Die Kirchenspitze müsse den Verdacht früherer Opfer aufklären, wonach Kaspar schon vor 2006 von Missbrauchsvorwürfen erfahren und nichts unternommen habe. Hinweise habe es etwa durch eine Unterschriftenaktion, durch Müllers Suizid und durch den Rechtsstreit um eine Buchveröffentlichung gegeben.

Das Bistum teilte der FR mit, dass die Kirche materielle Hilfe an drei Menschen ausgezahlt habe, die sich als Betroffene aus dem Heim gemeldet und um Hilfeleistung gebeten hätten. Sie hätten Summen zwischen 3000 und 13000 Euro erhalten. Dies sei aber ausdrücklich keine Anerkennung einer Schuld und „keine Entschädigung im Rechtssinne“, fügte Wind hinzu. Man orientiere sich an Richtlinien der Deutschen Bischofskonferenz, wonach Hilfen anzubieten seien, wenn Missbrauchsvorwürfe plausibel vorgetragen würden. Ein Betroffener habe auf eine finanzielle Leistung verzichtet, eine weitere Person habe den Wunsch geäußert, „das Erlebte nicht aufzuarbeiten“.

Bei der Frankfurter Rundschau meldete sich nach der jüngsten Berichterstattung ein 63-Jähriger, der angab, ebenfalls in den 60er Jahren in dem Heim misshandelt worden zu sein. Er könne alle Vorwürfe bestätigen, etwa über sexuellen Missbrauch in der Beichtsituation. Eine Beschwerde bei der Kirche habe er nach seinen Erfahrungen als Heimkind nie in Erwägung gezogen. „Wenn wir uns beschwert haben, haben wir auf die Backen gekriegt“, sagte der Mann. Er sei ebenso wie andere Zöglinge aus Rüdesheim in ein anderes Heim gebracht worden, nach seinem Eindruck, „damit wir das Maul halten“.

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