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Bischof Tebartz-van Elst Mediator hält Klärung für möglich

Hans-Jürgen Rojahn, 68, ist pensionierter Pfarrer und hat 2001 das Institut „inbalance Mediation“ gegründet.

Der Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst. Foto: dpa

Herr Rojahn, inwieweit halten Sie eine Mediation bei solch stark unterschiedlichen Ansichten wie im Fall Franz-Peter Tebartz-van Elst und Johannes zu Eltz für sinnvoll?
Eine Mediation ist auf jeden Fall möglich und auch absolut sinnvoll. Die wichtigste Voraussetzung für eine Klärung des Konflikts wäre, dass die beiden Seiten anfangen, wieder miteinander zu kommunizieren. In der Regel ist eine Mediation dann wirkungsvoll, wenn die beiden Parteien selbst keine eigene Möglichkeit der Einigung mehr sehen.

Welche Rolle spielt die Hierarchie in der Institution Kirche bei der Klärung des Falles?
Es liegt natürlich ein besonderer Fall vor, wenn sich – wie hier – zwei Parteien unterschiedlicher Hierarchiestufen streiten. Dieses Gefälle ist jedoch kein Hindernis für die Klärung, es ist nur einfach schwieriger. Bei der Mediation muss dann darauf geachtet werden, dass die beiden nicht „gleichgemacht“, also nicht auf eine Stufe gestellt werden, sondern die Unterschiede in der Stellung innerhalb der Institution beachtet werden.

Ist die Kirche als Institution ein Sonderfall, wenn es um Mediation geht?
Sicher ist die Kirche ein Sonderfall, gerade weil vieles unter den Teppich gekehrt wird. Es gibt aber zum Beispiel in der evangelischen Kirche sehr viele gute Beispiele für gelungene Mediationen durch intern ausgebildete Mediatorinnen und Mediatoren. Da es sich bei dem Streit zwischen Bischof und Stadtdekan wohl nicht um einen Wertekonflikt handelt, es also hier nicht um einen religiösen Inhalt, sondern um Fragen des Führungsstils und der Amtsleitung geht, ist der Fall nicht schwieriger als etwa ein Konflikt in einem Wirtschaftsunternehmen.

Externer Mediator sinnvoll

Wäre es sinnvoll, dass der Streit innerhalb des Bistums beigelegt wird, oder sollte der Mediator eher von außen kommen?
Innerhalb des Bistums hat sich bestimmt jeder eine Meinung zu der Auseinandersetzung gebildet. Deshalb ist es hier sicher besser, einen externen Mediator zu suchen. Eine Klärung innerhalb der Institution ist sicher gut. Wichtig ist nur, dass der Mediator keine Beziehung zu einer oder beiden Parteien hat, um die Allparteilichkeit erhalten zu können. Wird der Konflikt innerhalb beigelegt, hat das den Vorteil, dass weniger nach außen dringt und sich niemand einschaltet, der nicht direkt beteiligt ist. Dies ist aber in diesem Fall schon nicht mehr möglich, weil hier bereits viel Öffentlichkeit hergestellt worden ist.

Interview: Elena Müller

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