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Bischof Limburg Beim Bischof zuhause

Der katholische Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst führt erstmals durch sein umstrittenes neues Domizil am Domberg in Limburg. Für das Vorhaben musste er im Vorfeld viel Kritik einstecken, obwohl er nie den Bauauftrag gegeben hat.

Limburgs Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst und die Galerie seiner Vorgänger. Foto: Martin Weis

Einige Umzugskisten hat Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (53) schon ausgepackt, die meisten aber stehen noch ungeöffnet in seiner neuen Wohnung herum. Sessel seien da, anderes Mobiliar fehle noch, erzählt er. „Im Moment ist es Chaos“, sagt Tebartz-van Elst.

Am Montag hat der Limburger Oberhirte eine Gruppe von Medienleuten durch den fast fertigen neuen Bischofssitz am Domberg geführt. Die Alte Vikarie, ein hoher Fachwerkbau aus dem 15. Jahrhundert, ist noch Baustelle. Die weitgehend sanierte Hülle umschließt ein entkerntes Inneres. „Mindestens ein halbes Jahr Arbeit liegt da noch vor uns“, sagt Diözesanbaurat Tilman Staudt. Im ersten Stock soll hier einmal das Büro des Bischofs mit Blick auf das Domportal Platz finden.

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Das benachbarte Küsterhaus dagegen ist saniert, das Dach neu mit Schiefer eingedeckt. Dazwischen erstreckt sich ein Neubau, zu dem auch die Privatwohnung des Bischofs gehört. Der Flachbau verbindet die historischen Gemäuer, beherbergt Sekretariat, Garderobe und mehrere Konferenzräume.

Eine Kapelle ganz in Schwarz

Viel Kritik musste Tebartz-van Elst für das angeblich überdimensionierte Vorhaben einstecken, den Vorwurf der Verschwendung hat es ihm eingetragen – so wie der Erste-Klasse-Flug nach Indien, wo der Bischof Armenhäuser besuchte. Vor allem an der ganz in schwarz gehaltenen Kapelle, deren steiles Satteldach die umgebenden Bruchsteinmauern hoch überragt, entzündet sich noch immer der Missmut.

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Vom Domberg aus gelangt man über einen kleinen Vorhof ins Foyer des Gebäudes. Sehr hell, transparent und schlicht wirkt der Raum, der Platz bieten soll für Empfänge, Andachten, Lesungen. „Hier beginnt eine ruhige, eigene Welt“, sagt Architekt Michael Frielinghaus. Man habe bewusst nur sehr wenige schmückende Details eingefügt. Die farbigen Heiligenfiguren in den Nischen der Wände gehören dazu ebenso wie die zentrale Madonna mit Jesuskind.

Hier trifft Bischof Tebartz-van Elst auf die Besuchergruppe. Seltsam schmal wirkt er, fast zerbrechlich, wie er ohne Ornat mit Kollarkragen in schwarzem Hemd und Anzug hereintritt. Reihum begrüßt er die Besucher mit Handschlag. „Wir breiten hier wie Maria die Arme weit aus, um die Menschen einzuladen, dem Weg der Kirche zu folgen“, erläutert er die Symbolik des Ortes.

Illusion des Unendlichen

Ein zentraler Innenhof mit Springbrunnen erschließt die verschiedenen Gebäudeteile. Heller, offenporiger Kalkstein bestimmt die gesamte Anmutung des Neubaus, außen wie innen. Aus ihm sind auch die Säulen geschlagen, die einen Kreuzgang um den Hof herum zieren. Einzig der schwarze Stein der Kapelle fällt optisch aus dem Rahmen. Eine schmale Tür führt ins Innere, das den Atem des Besuchers beim Eintreten stocken lässt. So schwarz und kühn das Äußere wirkt, so endlos scheint das pure Weiß der Wände einem unsichtbaren Himmel zuzustreben. Wäre nicht der Adventskranz, dessen stählernes Tragseil im First verankert ist, ließe sich das Auge wohl tatsächlich auf die Illusion von Unendlichkeit ein. Schmale, hohe Buntglasfenster lassen von allen Seiten Licht in den geweihten Raum ein.

„Eine Kapelle gibt es in jedem Bischofshaus der Welt“, sagt Tebartz-van Elst wie zur Rechtfertigung. Der Ort des Gebets müsse dem Ort der Begegnung und des Gesprächs nahe sein. „Und schließlich kann der Bischof ja nicht nachts um elf den Küster herausklingeln, damit der ihm den Dom aufschließt und die Alarmanlage ausschaltet, um dort beten zu können“, sagt er.
Projekt wird teurer als geplant

Noch nicht heimisch

Als Nächstes geht es in das Untergeschoss. Die Fundamente eines historischen Wehrturms dominieren den großen Kellerraum, in dem größere Gesellschaften Platz finden. Ob dies sein Lieblingsraum sei, wird Tebartz-van Elst gefragt. Er antwortet ausweichend. „Mir zeigt dieser Raum, dass wir Fundamente brauchen, auf die wir unser Leben gründen können, so wie wir dieses Haus auf die Fundamente der Kirche gebaut haben.“ Ob er sich schon heimisch fühle? Dafür, sagt der Bischof, sei er wohl noch zu punktuell hier.

Seit seinem Amtsantritt vor knapp fünf Jahren wohnt Tebartz-van Elst im ehemaligen Priesterseminar. Dort aber fehle es an allem, um Besucher angemessen empfangen zu können. Zu Weihnachten, hofft der Bischof, könne er in die neue Residenz einziehen, deren Bau von seinem Vorgänger Franz Kamphaus angestoßen worden war.

Nicht ins Wohnzimmer

Weit mehr als die veranschlagten 5,5 Millionen Euro werde das Projekt kosten, sagt Diözesanbaumeister Staudt. Das meiste Geld werde gebraucht, die Vikarie herzustellen und die historischen Mauern zu sanieren, die das rund 1000 Quadratmeter große Areal umgeben. Die umstrittene Kapelle aber habe wie geplant 300.000 Euro gekostet.

Der Bischof wird auf 120 Quadratmetern leben, 200.000 Euro sind für die Wohnung veranschlagt, sagt Staudt. Das Schlafzimmer liegt im Souterrain, von dort gibt es einen Zugang zum kleinen Garten. Im Erdgeschoss liegen das Wohnzimmer, eine kleine Küche, Bad und Windfang sowie das Arbeitszimmer mit Bibliothek. Ob man dort mal hineinschauen dürfe, fragt einer der Besucher. „Sie zeigen Ihr Wohnzimmer doch auch nicht der Öffentlichkeit“, antwortet Tebartz-van Elst. „Bitte akzeptieren Sie, dass es auch Privatbereiche gibt“, sekundiert ein Sprecher. Die Öffentlichkeit soll in den nächsten Monaten in Kleingruppen den Bischofssitz in Augenschein nehmen können. Dann werde jeder sehen, sagt Tebartz-van Elst: „Es gibt hier keinen Protz und Prunk.“

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