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Bildung Lehrer fühlen sich überlastet

Viele Lehrer in Hessen fühlen sich überlastet. Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) berichtet auf Anfrage der SPD von 122 Brandbriefen der Schulen.

Lernen macht Arbeit. Foto: dpa

Lehrerinnen und Lehrer fühlen sich in deutlich höherem Ausmaß überlastet als bisher bekannt. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) berichtete jetzt auf eine Anfrage der SPD, dass es 122 Überlastungsanzeigen von Schulen gebe.

Zum Ende des vergangenen Schuljahres waren 53 Schulen bekannt geworden, die solche Beschwerden eingereicht hatten. Sie beklagten sich, dass sie mit dem gleichen Personal immer neue Aufgaben zu bewältigen hätten – Integration und Inklusion, kommentierte Noten oder zusätzliche Erhebungen des Lernstands.

Minister Lorz schrieb dem SPD-Bildungspolitiker Christoph Degen, bei den Beschwerden handele es sich nicht um Überlastungsanzeigen im juristischen Sinne. Es gehe darin nicht „um Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes“. Außerdem seien „keine Vorschläge zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz und in den Schulräumlichkeiten enthalten“.

Die Forderungen der Lehrkräfte nach einer Verringerung der Pflichtstunden, nach mehr Sozialpädagogen, Psychologen und Förderschullehrern müssten „in anderen Zusammenhängen“ erörtert werden, fügte der Minister hinzu. Die Schulen seien jedenfalls „so gut mit Unterrichtsstunden versorgt wie nie“. So erhielten sie seit zwei Jahren eine Lehrerzuweisung von 105 Prozent.

Sozialdemokrat Degen widersprach. Bei der Berechnung der 105 Prozent arbeite die Regierung mit Tricks. Lorz müsse die Lehrerinnen und Lehrer ernstnehmen, forderte der SPD-Politiker. „Die Anforderungen in der Schule haben sich enorm erhöht“, sagte er. Das betreffe auch die Integration von Flüchtlingen oder den Umgang mit Cybermobbing und anderen Auswirkungen modernen Medienverhaltens.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zeigte sich verärgert über die Antwort des Ministers. „Er müsste als verantwortlicher Minister erkennen, dass das ein Aufschrei der Kolleginnen und Kollegen ist“, sagte Hessens GEW-Chef Jochen Nagel.

Im Vergleich zu anderen Bundesländern sei die Unterrichtszeit für Lehrer in Hessen besonders hoch. Es gebe aber „kein Bemühen der Landesregierung, die Belastung herunterzufahren“, beklagte Nagel.

Schwarz-Grün lehnt Studie ab

Die FDP-Fraktion hatte bereits vor Monaten gefordert, Arbeitsbedingungen und Arbeitsbelastung der Lehrerinnen und Lehrer durch eine wissenschaftliche Erhebung untersuchen zu lassen. „Eine Gesellschaft, die für sich in Anspruch nimmt, dass Bildung und Erziehung der zukünftigen Generationen höchste Priorität haben sollen, kann es sich nicht leisten, motivierte und engagierte Lehrkräfte zu verlieren“, betonte der FDP-Schulpolitiker Wolfgang Greilich.

Die schwarz-grüne Koalition lehnte den Antrag aber im April ab. Man brauche keine „teuren Studien“, sondern müsse „sehen, wo wir Entlastungen hineinbringen können“, sagte der CDU-Abgeordnete Hans-Jürgen Irmer.

Ähnlich argumentierte sein Grünen-Kollege Daniel May. Man müsse „die konkreten Bedingungen an den Schulen verbessern, anstatt irgendwelche Studien auf den Weg zu bringen“, kündigte May im Landtag an.

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