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Bierbrauer Nischen auf der Durststrecke

Flaute auf dem Biermarkt: Kleine Bauereien wie Grohe in Darmstadt setzten auf Qualität und den regionalen Markt - mit Erfolg. Von Martin Feldmann

21.11.2009 00:11
Martin Feldmann
Handarbeit für Stefan Goschier: Bei Grohe rollen noch Eichenholzfässer. Foto: Michael Schick

An der Abfüllanlage pfeift und zischt es wie an einer Dampflok. Stefan Goschier pumpt frisches Bier in alte Eichenfässer. "Bei uns ist das noch Handarbeit", sagt der Braumeister. Der 43-Jährige legt Wert darauf, dass die Darmstädter Brauerei Grohe ohne modernen Schnickschnack auskommt. Hightech "sollen die Großen einsetzen". Erfolgsrezept: Der nur fünfköpfige Betrieb braut fünf Sorten in überschaubaren Mengen für den lokalen Markt, wobei das milde "Hell" 60 Prozent der Jahresproduktion von rund 5500 Hektolitern ausmacht. Von Rückgängen ist hier keine Rede.

Goschier, der sich als Lehrling bei Michelsbräu in Babenhausen die ersten Sporen verdiente, später zu Grohe wechselte und in Ulm "den Meister machte", vergleicht eine kleine Brauerei mit "dem Bäcker oder Metzger von nebenan, mit treuem Kundenstamm". Mit Qualität und Service könne man der Durststrecke auf dem deutschen Biermarkt trotzen.

Bitter für die ganze Branche

Erst kürzlich hat die Radeberger Gruppe ihre Pläne verworfen, den alten Standort von Binding und Henninger in Frankfurt-Sachsenhausen zu schließen und nach Bad Vilbel zu ziehen. Dabei sollen die Kostenfrage und die Flaute bei der Biernachfrage eine Rolle gespielt haben. Zwar sei es für die ganze Branche bitter, dass weniger Menschen Durst auf Bier hätten - aber mit einer regionalen Marke "kann man sich behaupten", versichert Wolfgang Koehler. Er ist Geschäftsführer der mittelständischen Darmstädter Privatbrauerei, die im Südhessischen mit dem Label Darmstädter mit Brauereien wie Pfungstädter, Schmucker, Erbacher, Michelstädter Bier, Michelsbräu und Glaabsbräu konkurriert. In Darmstadt gilt sie als Marktführer.

Koehler hatte 1989 "die Grohe" übernommen, um sie als eigenständige Brauerei fortzuführen. "Die Leute honorieren das, wenn es in der Region ein gutes Bier gibt, mit dem sie sich identifizieren können." So sei Grohe eindeutig ein "Stück Darmstadt". Nach den Erfahrungen von Koehler - er ist auch Vorsitzender des Brauerbundes Hessen/Rheinland-Pfalz - macht es sich bezahlt, mit Darmstadt zu werben. Natürlich honorierten die Kunden auch, dass eine Brauerei Rohstoffe aus der Gegend beziehe, sagt er.

Bei der Darmstädter ist dies die Gerste aus dem Hessischen Ried, die in der Malzfabrik Rheinpfalz in Pfungstadt gedarrt wird. Auch für Glaabsbräu in Seligenstadt bauen örtliche Landwirte Getreide an. Und Michelsbräu spannt in Babenhausen lokale Bauern für sich ein. Nur Hopfen aus Süddeutschland und Hefe kommen dann noch hinzu. Alle drei Brauereien setzen auf Flaschen mit Bügelverschluss. Denn das anheimelnde Design unterscheide sich wohltuend von dem all der Massenbiere, heißt es.

Die Darmstädter Privatbrauerei braut jährlich 65.000 Hektoliter im Jahr, wovon 32 Prozent in Fässer abgefüllt werden. Koehler rechnet damit, dass 2009 auch bei ihm im Vergleich zum Vorjahr 1,8 Prozent weniger Bier gebraut wird. Damit liege er aber noch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Zu den Ursachen des Rückgangs zählt er, dass bei den Kunden das Geld nicht mehr so locker sitze - Stichwort Krise. Das spürten dann auch die Gaststätten. Ebenso habe das Rauchverbot manchen Thekensteher vergrault. Und junge Kunden bevorzugten Mixgetränke.

Brauen in elfter Generation

Catherine Freiin von Schoen, die seit Anfang des Monats den Michelsbräu in Babenhausen mit 15 Beschäftigten leitet, rechnet damit, trotz der schwierigen Situation 2009 noch um vier Prozent zuzulegen. 2008 habe Michelsbräu 22.000 Hektoliter Bier ausgestoßen. Von Schoen gehört zur elften Generation der Brauerfamilie Schubert, die früher auch das Henninger-Bier produzierte. Im unterfränkischen Arnstein betreiben sie noch die Brauerei Max Bender, in Schweinfurt die Mälzerei Günther Schubert, wie von Schoens Mutter Susan Schubert erwähnt. Hier greifen auch Synergieeffekte.

Dennoch werde auf dem deutschen Biermarkt, so die kleinen Betriebe, mit harten Bandagen gekämpft. Discounter bieten Billigmarken an - wie die der Brauerei Oettinger, die direkt hinter den Riesen wie der Radeberger Gruppe und Krombacher in der ersten Liga mitspielt.

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