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Besuch im Landtag Ins Schloss zur Politik

Für FR-Leser öffnet sich ein architektonisches Juwel in Wiesbaden: der Landtag. Viele der 110 Abgeordneten klagen über zu enge Sitzplätze. Warum dies aber nichts unbedingt Schlechtes sein muss, erzählen wir Ihnen.

Ehrfürchtig: eine Besuchergruppe im Kuppelsaal des Hessischen Landtags. Foto: Michael Schick

Ein turbulentes politisches Jahr steht bevor, und das beginnt im hessischen Landtag unmittelbar nach den Sommerferien. Erst steht die Bundestagswahl am 24. September ins Haus, dann folgt ein Jahr später die Landtagswahl in Hessen. Wird die schwarz-grüne Koalition bestätigt? Oder gibt es neue Mehrheiten?

Im Landtag biegt die Politik so langsam auf die Zielgerade ein. Die Leserinnen und Leser der Frankfurter Rundschau können sich vor Ort ein Bild davon machen, auch wenn es in den Sommerferien keine Sitzungen im Landesparlament gibt. Doch auch in der sitzungsfreien Zeit bieten wir die Gelegenheit, einige der Akteure zu treffen, die über die hessische Politik mitentscheiden. Die FR-Serie „Ferien zu Hause“ lädt zu einer Diskussion mit Vertretern der Fraktionen ein. 

Davor steht ein architektonisches Highlight auf dem Programm. Die Landtagsverwaltung ermöglicht es, dass unsere Leserinnen und Leser das Stadtschloss der Nassauer besichtigen können, in dem heute der Landtag residiert. Musen mit Lauten und Harfen zieren die 170 Jahre alten Räume des Stadtschlosses, edle Parkettböden und ein 980 Kilo schwerer Kronleuchter im Kuppelsaal prägen das Bild. 

Landtag wird saniert 

Jahr für Jahr steht dieses Erlebnis für Leserinnen und Leser der FR auf dem Programm. Doch im Sommer 2017 ist es etwas Besonderes. Denn vom Herbst an wird der Landtag saniert. Jahrelang werden die Führungen nur in sehr eingeschränkter Form möglich sein. Noch aber sind alle Bereiche offen und können besichtigt werden. 

Das Wiesbadener Stadtschloss ist ein historisches Juwel – und geht direkt über in das moderne Plenarsaalgebäude, das 2008 von den Darmstädter Architekten Waechter + Waechter errichtet wurde. Auch das ist sehenswert und zeigt, wie Hessen heute seine Demokratie versteht – ein „gläsernes“ Parlament, das sich nicht gegenüber den Bürgern abschottet. 

Viele der 110 Abgeordneten klagen über zu enge Sitzplätze. Dabei hat der Landtag selbst das Raumprogramm vorgegeben. Für den Architekten Felix Waechter muss das nichts Schlechtes sein. „Schauen Sie sich an, wie dicht die Abgeordneten im britischen Unterhaus sitzen“, erklärte er der Frankfurter Rundschau vor einiger Zeit im Interview.

„Es ist viel schwieriger, gegeneinander zu polemisieren, wenn ich dem anderen in die Augen schaue.“ Diese runde und dichte Anordnung führten zu einem anderen Gesprächsverhalten, meint Waechter.

In der Landtagslobby, wo an Sitzungstagen Abgeordnete beim Kaffee entspannen und von Interessenvertretern oder Schülergruppen ins Gespräch verwickelt werden, hängt am Rande ein einziges Kunstwerk: „Himmel über Hessen“ von dem Frankfurter Künstler Vollrad Kutscher. Es zeigt 50 große Hessen und macht die Betrachter auf ungewöhnliche Weise bekannt mit den Orten, an denen sie gewirkt haben. Sieben der historischen Figuren finden jeweils Platz im Plenarsaal. 

Die Besucher können überlegen, wer dort hingehören würde: Goethe oder die Heilige Elisabeth, die Grimms oder Adam Opel, der Struwwelpeter-Autor Heinrich Hoffmann oder die Philosophen Adorno und Schopenhauer? Im Landtag treffen einmal im Monat Schülergruppen die Auswahl.

Politisch ist an diesem Ort oft Geschichte geschrieben worden, lange bevor der neue Plenarsaal fertig wurde. Im Schloss tagte der Landtag bereits im Dezember 1946. Hessen war das erste Bundesland, das eine Verfassung beschloss und die parlamentarische Arbeit aufnahm.

Die SPD dominierte jahrzehntelang die hessische Landespolitik und stellte mit Georg August Zinn einen Ministerpräsidenten, der 19 Jahre lang regierte. In den 1980er Jahren wurde in diesem Landtag die erste rot-grüne Koalition bundesweit begründet. Hier wirkten Politiker, die in der gesamten Republik Beachtung fanden, von Joschka Fischer über Hans Eichel bis zu Roland Koch. 

Auch die schwarz-grüne Zusammenarbeit, die Ende 2013 im Musiksaal des Landtags besiegelt wurde und im Jahr 2014 startete, war eine Neuigkeit für die Republik – jedenfalls für ein Flächenland. 

Gerade in Hessen hatte kaum jemand erwartet, dass die langjährige „Stahlhelm“-CDU eines Alfred Dregger, Manfred Kanther oder Roland Koch ausgerechnet mit ihren schärfsten Kritikern von den Grünen koalieren würde. 

Doch so kam es. Seit drei Jahren regieren Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und sein Vize Tarek Al-Wazir (Grüne) das Land nun erstaunlich geräuschlos. Dass Schwarz-Grün inzwischen schon als mögliches Modell für den Bund gehandelt wird, liegt nicht zuletzt an den Erfahrungen in Hessen. Ob das erfreulich wäre?

Darüber können die FR-Leser mit den Abgeordneten der Landtagsfraktionen in einer Runde diskutieren, die von FR-Landtagskorrespondent Pitt von Bebenburg moderiert wird.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Ferien zu Hause

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