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Bernd Wagner Vordenker der Kulturpolitik

Bernd Wagner mischte sich ein. Der Frankfurter Politikberater und linke Intellektuelle blieb zeit seines Lebens auf der Höhe der Debatte. Im Alter von 64 Jahren ist Bernd Wagner verstorben.

Bernd Wagner, Kenner der Kulturpolitik und Vorstandsmitglied der Böll-Stiftung, starb mit 64 Jahren. Foto: privat

Seine Neugier war unerschöpflich. Auch als er längst von seiner schweren Krebserkrankung angegriffen war, blieb der Frankfurter Kulturwissenschaftler Bernd Wagner auf der Höhe der Debatte, las und diskutierte unentwegt. Das war das Lebenselixier des stellvertretenden Geschäftsführers der Kulturpolitischen Gesellschaft, der über viele Jahre zu den wichtigsten Beratern in der Kulturpolitik Hessens und der Republik zählte.

Jetzt ist Dr. Bernd Wagner im Alter von 64 Jahren in Frankfurt gestorben.

Unersetzlich für die Stiftung

Wagner mischte sich ein. Zuletzt entgegnete er mit Fakten der Polemik gegen einen angeblich unbeweglichen Kulturbetrieb, die unter dem Stichwort „Kulturinfarkt“ populär geworden war. Mit enormem Fachwissen hat Wagner diese Diskussionen geführt. Er hatte den 60. Geburtstag schon hinter sich, als seine Dissertation „Fürstenhof und Bürgergesellschaft“ herauskam, die gerade ins Chinesische übersetzt wird.

Im Vorstand der den Grünen nahen Heinrich-Böll-Stiftung in Hessen prägte er den Diskurs mit. „Er hat gemerkt, wenn es in der Gesellschaft Bewegung gab – und er konnte einordnen, was da passierte“, sagt Hessens Grünen-Vorsitzender Tarek Al-Wazir. Für die Stiftung sei Wagner unersetzlich. Die hessische Landesarbeitsgemeinschaft der Kulturinitiativen würdigte Wagner als „großen Nach- und Vordenker“.

Überall anerkannt

Als solcher war er überall anerkannt. Auch wenn ein CDU-geführtes Ministerium sich Gedanken über die Zukunft von Kulturzentren oder Bibliotheken machte, war sein Rat gefragt. Selbstverständlich war das nicht. Denn Wagner war ein Linker. Der Erziehungs- und Sozialwissenschaftler schloss sich in den 70er Jahren dem Kommunistischen Bund Westdeutschland an. Wagner arbeitete für dessen Zeitschrift „Kommunismus und Klassenkampf“ und gab die „Kommune“ heraus. Als Geschäftsführer des Sendler-Verlags veröffentlichte er das Werk des österreichischen Literaten und kommunistischen Politikers Ernst Fischer.

Die längste Zeit seines Berufslebens widmete Wagner der Kulturpolitischen Gesellschaft und dem Institut für Kulturpolitik, das er leitete. Die jüngste Mitgliederversammlung in Berlin, zu der Wagner gerne noch gereist wäre, war überschattet von seinem Tod.

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