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Bergsteiger Einbeinig auf den Kilimandscharo

Tom Belz hat den höchsten Berg Afrikas bezwungen - auf Krücken. Über seine strapaziöse, aber erfolgreiche Tour wird demnächst im Rhein-Main-Gebiet berichten.

Tom Belz
Tom Belz hat den höchsten Berg Afrikas, den Kilimandscharo, bestiegen. Foto: Privat

Es sind sieben lange Tage, die Tom Belz alles abverlangen. Am 2. August hatte die Tour des einbeinigen Offenbachers auf Krücken beim Lemosho Gate auf 2200 Metern Höhe begonnen. Das Ziel: der Kilimandscharo. Es ist kalt, es bläst ein eisiger Wind. Der 31-Jährige ist erschöpft, denkt kurz vor dem 5895 Meter hohen Gipfel fast ans Aufgeben. Doch seine Begleiter können ihn zum Weitergehen motivieren. Am 9. August steht Belz auf dem Gipfel.

Es ist eine großartige Leistung, aber nicht die größte Herausforderung seines Lebens. Die musste Belz bewältigen, als er gerade einmal acht Jahre war und Ärzte einen bösartigen Tumor entdeckten. Trotz Chemotherapie kam nach einem halben Jahr der deprimierende Befund: Das linke Bein muss amputiert werden. Die Diagnose war ein Schock. „Ich hatte so hart gekämpft, so viel Zeit, Frust und Schweiß investiert“, erzählt er.

Doch Tom Belz sagt auch, dass die Zeit damals ihn zu dem gemacht habe, der er heute sei: selbstbewusst und mitfühlend. Und, könnte man ergänzen: Zu einem Kämpfer, der nach einer Weile die Krücken in die Ecke schmiss, weil er sie als Behinderung empfand. Einer, der mit nur einem Bein versucht, ein normales Leben zu führen. Er spielt Fußball, surft, fährt Fahrrad und Auto. Und quält sich neuerdings steile Berge hoch.

Intensiv vorbereitet

Belz hatte sich intensiv auf den höchsten Berg Afrikas vorbereitet, inklusive einer Trainingstour auf das Äussere Barrhorn (3600 Meter) in den Schweizer Alpen, bei dem er von dem Outdoorausrüster Mammut unterstützt wurde.

Auf das Bergmassiv begleiteten ihn Freunde und sein früherer Kinderarzt Klaus Siegler, der den Jungen während seiner Krebserkrankung betreut hatte.

Belz, der als Erzieher eine Gruppe für geistig und mehrfach behinderte Menschen in den Werkstätten Hainbachtal in Offenbach leitet, wollte sich mit seinem Gipfelsturm nicht nur einen Traum erfüllen und beweisen, wozu er fähig ist. Fast noch wichtiger ist es ihm, anderen Mut zu machen. Denn, so seine Botschaft: Eine körperliche Beeinträchtigung muss nicht grundsätzlich eine Behinderung sein. Und schon gar nicht eine Entschuldigung dafür, Herausforderungen nicht anzunehmen. Zumindest gilt das für ihn. Denn, so sagt er: Als Kind hätte er gerne gehört, dass es da draußen einen „verrückten Vogel“ gebe, der mit nur einem Bein Berge erklimmen könne.

Auf seiner Tour wurde Belz von einem Filmteam begleitet. Der Film über ihn ist Teil der diesjährigen European Outdoor Film Tour und am 21. November in Wiesbaden, am 9. Dezember in Mainz und am 15./16. Dezember in Frankfurt zu sehen.

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