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Bad Vilbel Nidder wird renaturiert

Die Nidder soll Ruhezonen für Fische und einen besseren Hochwasserschutz bekommen. Die Gerty-Strohm-Stiftung finanziert den Umbau.

Umwelt in Hessen
Auf zwei Kilometern nahe Gronau soll die Ökologie der Nidder wieder besser werden. Foto: Rolf Oeser

Von üppigem Ufergrün begleitet, schlängelt sich die Nidder wie ein dahingeworfenes Band durch die Landschaft von der Herchenhainer Höhe im Vogelsberg bis zum Bad Vilbeler Stadtteil Gronau, wo sie sich mit der Nidda vermischt. Ein Idyll, das täuscht. Wasserökologisch steht es um die Nidder nicht besonders gut, heißt es. Den Fischen wird etwa in den warmen Monaten der Sauerstoff knapp, und es fehlen Plätze für die Kinderstuben der Bachbewohner. Im Spätsommer wird das Gewässer deshalb auf knapp zwei Kilometern von der Flussmündung aufwärts renaturiert - auch zum Vorteil von Freizeitsuchenden.

Eine strenge Flussbegradigung gab es in der Geschichte der Nidder zwar nicht, doch sie ist in den 1930er Jahren mit Wehren aufgestaut und zu Mühlenstandorten verlegt worden. Seit Jahrzehnten treibt das Gewässer schon keine Mahlsteine mehr an, dennoch stehen weiterhin die Staubauwerke. „Die Wehre abzureißen, darüber redet man seit mehr als 20 Jahren“, sagt Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU). Bislang seien die Akteure nicht in der Lage gewesen, die wasserrechtlichen Fragen zu lösen.

„In der Nidder befinden sich zu wenig Schiebesedimente wie Sand und Kies“, erläutert Gewässerökologie Gottfried Lehr, der die Renaturierung betreut, über die Folgen. Kies und Sand nehmen jedoch in einem Fließgewässer eine wichtige Funktion ein, beispielsweise als Entwicklungsraum für Insekten wie die Eintagsfliege oder für Fische wie Barbe und Döbel. „Der Kies erhöht zudem die Selbstreinigungskraft der Nidder“, sagt Lehr.

Um mehr Sedimentbewegung zu erhalten, werden auf dem Sanierungsabschnitt entlang der unbesiedelten Uferseite die Wasserbausteine entfernt, die die Nidder rechts und links in ein festes Bett zwingen. Mit den Steinen werden Buhnen ausgeschüttet, damit im Bach unter anderem Ruhezonen entstehen. Im Bereich der Straßenbrücke nach Rendel wird mit den Steinen aus der Uferzone die bestehende Stromschnelle vergrößert. Das kommt den Fischen zugute und belüftet das Wasser kräftiger.

Die Nidder kann sich nach der Renaturierung auch mehr ausbreiten, was im Nebeneffekt geringfügig den Hochwasserschutz verbessern soll. Dazu wird auf der siedlungsabgewandten Uferseite die Böschung abschnittsweise stark abgeflacht, so dass je nach Wasserstand Flachwasserzonen entstehen. Denn bei Gronau herrsche stellenweise eine Tiefe von 1,5 bis 1,8 Metern, so Lehr. Der Uferabschnitt an der Tränkestraße wird ebenfalls ausgebaggert, damit der Zugang zum Wasser erleichtert wird. Der Mensch soll nicht ausgesperrt werden vom Naturschutz, sagt Lehr. Auch das Hundebaden soll dort zugelassen werden.

Noch nicht sicher steht hingegen fest, ob auf dem Uferfleck ein Aussichtspodest  installiert wird, um die Tierwelt im gegenüberliegenden Naturschutzgebiet zu betrachten. Der Bau des Ausgucks hängt davon ab, ob noch genug Geld im Budget für die Renaturierung übrig bleibt, erläutert der Ökologe. Das Projekt wird ausschließlich von der Gerty-Strohm-Stiftung finanziert, die in den vergangenen Jahren die Kosten für ähnliche Vorhaben an der Nidda auf Bad Vilbeler Gemarkung übernommen hat. Der Stadt fehlt hierfür das Geld.

Mit welchem Betrag das Nidder-Projekt zu Buche schlägt, darüber schweigt Lehr. Es sei jedoch ein sechsstelliger Betrag, soviel sagt er. Ohne die Stiftung müsste die Renaturierung weiterhin ein unerfüllter Wunsch Gronaus bleiben. „Der Ortsbeirat hat das Anliegen schon vor fünf Jahren geäußert“, sagt Ortsvorsteher Karl-Peter Schäfer (CDU).

Im September werde mit dem Umbau angefangen, kündigt Gewässerfachmann Lehr an. Die Vorarbeiten wurden im Februar vor Beginn der Brut- und Setzzeit erledigt. Knapp 50 Bäume im Uferbereich sind gefällt worden. Mit einem sich auf Stelzen fortbewegenden Schreitbagger werden die Erdarbeiten vom Fluss aus vorgenommen. Hierbei wird zugleich die Dammkrone auf der nördlichen Uferseite abgetragen, die keine Funktion besitzt und aus Nidder-Aushub besteht, so Lehr.

Die Bauzeit soll sechs Wochen betragen. Danach wird es an einigen Flussabschnitten bei Gronau ziemlich wüst aussehen. Denn die Natur wird sich die typische Uferzone dann nach und nach selbst einrichten, sagt Lehr.

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