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Bad Vilbel Kurpark wurde nach Siesmayer-Plan angelegt

Neueste Funde belegen, dass der Kurpark nach einem Plan des berühmten Frankfurter Gartenarchitekten Philipp Siesmayer angelegt worden ist.

Kurpark Bad Vilbel
Das Original, der Bad Vilbeler Kurpark, wurde nach dem Plan des Frankfurter Gartenarchitekten Philipp Siesmayer angelegt. Foto: Sophie Schüler

Für Claus-Günther Kunzmann ist es ein „sensationeller Fund“. Was bislang nur vermutet werden konnte, scheint nunmehr gewiss zu sein, der samte Kurpark ist vom Gartenarchitekten Philipp Siesmayer (1862-1935) gestaltet worden, ein Spross der renommierten Frankfurter Landschaftsbauer Siesmayer, berichtet der Kulturamtsleiter. Auf dem Plan von 1934, zwei Jahre nach der Zwangsversteigerung des Unternehmens, sei der Kurpark zu sehen, wie er sich weitgehend aktuell zeige. Kunzmann kann sich vorstellen, dass die Gartenhistorie künftig auch für die Besucher mehr hervorgehoben werden sollte.

Das Kurhaus war zuvor das vom Arbeiterverein in Eigenleistung gebaute Volkshaus, ein Teil der Außenfläche wurden als Bleichwiese genutzt. Als Ende der 1920er Jahre die Betreibergesellschaft in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, übernahm die Stadt das Gebäude mit Fest- und Turnsaal, um Patienten Heilwasseranwendungen zu verabreichen. Das Kurhaus entstand und wenig darauf der Kurpark.

Entgegen manch früherer Meinung ist der jedoch nicht mal so eben aus der Konkursmasse der Siesmayers gestaltet worden, die im heutigen Wohngebiet um die Straße Elisabethenhain eine Baumschule betrieben. Einen deutlichen Hinweis gab es vor sechs Jahren. Damals erhielt die Stadt den Nachlass des früheren Vorsitzenden des Bad Vilbeler Kriegervereins, der während der NS-Zeit das Kriegerdenkmal errichten ließ, mit dabei ein Plan für einen Kurpark aus dem Jahr 1933, der von Philipp Siesmayer gezeichnet worden war.

Das aktuelle Fundstück verbarg sich im Stadtarchiv. Für die bevorstehende Sanierung des Kurhauses sei dort recherchiert worden, dabei sei man zufällig auf den Plan von 1934 gestoßen, so Kunzmann.

Der Entwurf sei mit der heutigen Parkgestaltung vergleichbar. Auch das säulenartige Kriegerdenkmal sei dort als Ehrenmal eingezeichnet, Im Vorentwurf von 1933 stand es noch am Vorplatz zum Kurhaus. Das damals wie heute umstrittene Denkmal ist Juli 1934 enthüllt worden.

Nach dem Krieg gab es immer wieder bauliche Eingriffe in den Kurpark, die größten bestanden mit dem Hallenbad und dem Kurmittelhaus. Aber es lief auch anderes wie vor gut zwei Jahren. „Die bei der Sanierung des Kurhausplatzes wieder aufgebautet Mauer zwischen Platz und Park entspringt einer Idee von Siesmayer, wie wir jetzt wissen“, sagt Kunzmann.

Mit dem jüngsten Beleg sieht Kunzmann, der auch dem Geschichtsverein angehört, die Möglichkeit, „Erinnerungskultur zu realisieren“ etwa mit Informationspunkten zu Siesmayer im Kurpark und am einstigen Standort der Bauschule, die für sich schon ein Park war. Auch ließen sich historische Sichtachsen wiederherstellen, die über die Jahrzehnte von üppigen Baumkronen unterbrochen worden sind. Dies könnte schon bis zum Jahr 2020 geschehen, wenn die Stadt den Zuschlag zum Hessentag erhält.

Ungeachtet der Umgestaltung und Sanierung des Kurhauses „stehen gartenbauliche Veränderungen im Kurpark momentan nicht zur Diskussion“, sagt Yannick Schwander, Pressesprecher der Stadt, auf Anfrage. Mit der künftigen Tiefgarage werde der Parkplatz hinter dem Hallenbad wieder Grünfläche. Historisch betrachtet ist das ein Bruch. Nach Philipps Siesmayers Entwurf gab es dort keinen Kurpark mehr.

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