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Bad Orb Schulleiter klagt wegen Mobbing gegen Hessen

Der Beamte deckte sexuelle Attacken von Lehrern gegen Schüler in Bad Orb auf – und fühlt sich seither von der Schulverwaltung schikaniert.

Lehrer im Unterricht
Ein Beamter deckt das Fehrlverhalten von Lehrern auf - und fühlt sich seitdem schickaniert (Symbolbild). Foto: dpa

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wirft dem Kultusministerium vor, sexualisierte Verbalattacken und mögliche Übergriffe an einer Schule im Main-Kinzig-Kreis nicht aufgeklärt zu haben. Seit Jahren dringe man darauf, die Vorgänge aufzuarbeiten, sagte der hessische GEW-Vorsitzende Jochen Nagel der Frankfurter Rundschau. Dies sei mehrfach zugesagt, aber nie wahr gemacht worden.

Stattdessen werde der damalige kommissarische Schulleiter Ulrich Vormwald, der die Vorgänge angegangen sei, bis heute von der Schulverwaltung schikaniert. Die Aufarbeitung werde verweigert und eine Rehabilitierung finde nicht statt, beklagt Nagel. Nun klagt der Betroffene mit Hilfe der Gewerkschaft gegen das Land.

Das Kultusministerium bestreitet die Vorwürfe. Die Anschuldigungen gegen Lehrer seien, soweit es Vormwalds Zeit an der Schule betreffe, vollständig aufgeklärt worden.

Lehrer sollen Schüler beleidigt haben

Es geht um die Kreisrealschule Bad Orb. Dort war Vormwald von 2000 bis 2002 als kommissarischer Schulleiter tätig, ehe er nach Konflikten an der Schule abberufen wurde. Vormwald war Vorwürfen nachgegangen, dass Lehrer ihre Schüler demütigten und mit sexualisierten Begriffen beleidigten.

Zudem stieß er auf Vorgänge aus den 90er Jahren, als ein Lehrer in einem privaten Wochenendhaus Pornos mit Schülern angeschaut und ein anderer sich der „Annäherung“ an zwei Schulmädchen schuldig gemacht haben soll. Beides ist aktenkundig. Zu diesen Vorgängen aus den 90er Jahren kann das Kultusministerium nach eigenen Angaben heute keine Auskunft mehr geben.

„Mauer des Schweigens“ durchbrochen

Vormwald sagt, er habe damals eine „Mauer des Schweigens“ durchbrochen, die unter seinen Vorgängern aufgebaut worden sei. Das sei ihm übel genommen worden.

Der 58-jährige Lehrer erinnert sich genau, wie alles begann: Am 13. März 2001 erhielt er die Anrufe mehrerer Eltern, die von verbalen Übergriffen eines Englisch- und Geografielehrers berichteten. Ständig soll der Pädagoge seine Schülerinnen und Schüler beschimpft haben, oft mit sexueller Konnotation. „Ihr müsstet alle mit dem eisernen Besen durchgefickt werden“, habe eine solche Beleidigung gelautet.

Auch ein zweiter Lehrer sei so mit Schülerinnen umgesprungen. Von ihm soll der Satz stammen: „Dein Vater hat mit 15-jährigen Mädchen geschlafen.“ Ein dritter Lehrer habe seiner Klasse das Aufhängen von Pornobildern in der Klasse erlaubt und sich, darauf angesprochen, uneinsichtig gezeigt.

Die Vorwürfe sind vielfach dokumentiert. So schreibt ein Vater über die auto-aggressive Immunerkrankung seiner Tochter. Man könne „leider nicht beweisen“, dass das Verhalten des Lehrers mit dessen Demütigungen und „sexuellen Verbalangriffen“ die Krankheit verursacht habe.

„Ich habe mit dem Staatlichen Schulamt gesprochen und alle notwendigen Schritte abgestimmt“, erzählt Vormwald. Ein Disziplinarverfahren gegen den betreffenden Lehrer wurde eingeleitet. Wie es ausging, will das Kultusministerium nicht verraten, weil Personalangelegenheiten vertraulich behandelt würden. GEW-Chef Nagel sagt, der Fall sei nach seiner Kenntnis mit einer Ermahnung des Lehrers abgetan worden.

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