Lade Inhalte...

Bad Homburg Skulpturen verbinden die Region

Die hochkarätige Freiluft-Ausstellung „Blickachsen“ ist den ganzen Sommer über an gleich acht verschiedenen Orten im Rhein-Main-Gebiet zu sehen.

Skulpturenbiennale / Skulpturen Blickachsen 11, Kurpark, Bad Homburg, Bild x von 12
?Isabella? von Jaume Plensa. Foto: Michael Schick (Michael Schick)

Kunst kann eine enorm schweißtreibende Angelegenheit sein. Zum Beispiel, wenn man in der sengenden Sonne mehrere Hundert Meter Drainagerohr mit Hilfe von Kabelbinder in eine Skulptur verwandelt, die gleichzeitig eine Sitzbank ist. „Wenn man die Technik einmal draufhat, geht es“, sagt Oliver Schau und lacht. Zusammen mit seinem Partner Mario Pitsch war der 32-Jährige gestern in den Bad Homburger Kurpark gekommen, um eigenhändig eines der Werke für die Freiluft-Ausstellung „Blickachsen“ aufzubauen.

Es gehe ihnen um eine „Intervention im öffentlichen Raum“, erläutert Schau. Und darum, die jeweiligen Orte, an denen sie ihre Werke platzieren, zu beleben. Aber man könne die Skulptur mit Namen „DN100 Stadtmöbel“ auch einfach zum Ausruhen nutzen. Erfahrungsgemäß hätten die Menschen am Anfang ein wenig Scheu davor, schließlich handle es sich trotz der schlichten Materialien um ein Kunstwerk. „Aber wenn der Erste mal sitzt, regt das andere an“, sagt Oliver Schau.

Das Duo Pitsch & Schau hat seine Sitzskulpturen nicht nur in Bad Homburg aufgestellt, sondern auch auf dem Campus Westend der Frankfurter Goethe-Universität. Damit sind sie ein gutes Beispiel für den regionumspannenden Charakter, den die „Blickachsen“ mit den Jahren angenommen haben. Für den Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main, Helmut Müller, ist die Ausstellung ein echtes „Vorzeigeprojekt“, das zeige, wie die Vernetzung im Rhein-Main-Gebiet gelingen könne.

Begonnen hatte alles vor 20 Jahren, als der Galerist Christian Scheffel erstmals Skulpturen im Bad Homburger Kurpark aufgestellt hat. Mit jeder Auflage im Zwei-Jahres-Turnus wurde die Schau umfangreicher, 2009 expandierte sie erstmals über die Stadtgrenzen hinaus. Bei den „Blickachsen 11“, die am kommenden Sonntag offiziell eröffnet werden, sind nun rund 80 Werke von 37 internationalen Künstlern an acht verschiedenen Orten zu sehen.

Erstmals auch in Bad Vilbel. Das freue ihn besonders, sagt Kulturdezernent Claus-Günther Kunzmann. Privat sei er „schon immer“ ein Besucher der Schau gewesen. Nun ist der Vilbeler Kurpark mit Werken des Spaniers Ricardo Calero Teil der Groß-Ausstellung, die nach Aussage von Geschäftsführer Scheffel „die besten Blickachsen je“ werden soll.

Bei der Auswahl der Kunstwerke arbeitete Scheffel diesmal mit Maria Schneider vom österreichischen Museum Liaunig zusammen. Das Museum habe sich auf die heimische Nachkriegskunst spezialisiert, erläuterte Schneider. Insofern sind nun bei den „Blickachsen“ zahlreiche Künstler aus Österreich vertreten – von jungen Nachwuchstalenten bis hin zu internationalen Stars wie Erwin Wurm mit seiner provokanten schwarzen Riesengurke aus Bronze („Der Gurk“). Auch andere bekannte Namen wie Markus Lüpertz, Linda Ford und Jaume Plensa zieren die Künstlerliste.

Plensas „Isabella“ scheint sich schon jetzt zu einem der Favoriten der Kurpark-Besucher zu entwickeln. Der überdimensionale Mädchenkopf aus dunklem Eisen verändert sich mit jeder Bewegung des Betrachters und verleiht dem Werk dadurch etwas ebenso Anziehendes wie Irritierendes.

Ähnlich geht es einem mit den „Three Equal Volumes“ von Ewerdt Hilgemann aus Edelstahl, die wirken, als habe eine Riesenhand drei Blechbehälter zerdrückt. Ein echter Augenschmeichler hingegen ist der „Pavillon de Vin“ von Joana Vasconselos, der sich am Schwanenteich perfekt in die Umgebung von Fontäne und Trauerweide einpasst. Das könnte sich gar noch steigern, wenn die Weinreben zu wachsen beginnen, die sich an dem fein gearbeiteten roten Schmiedeeisen emporranken.

Bis 1. Oktober werden die Skulpturen nun bei freiem Eintritt und ohne Zugangsbarrieren zu sehen sein. Das sei nur möglich, weil insgesamt 100 Mitarbeiter dafür im Einsatz seien, betonte Christian Scheffel. Und weil es eine Reihe potenter Förderer gebe.

Einer davon ist Stefan Quandt, der zudem Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Blickachsen ist. Die Stiftung, die vor vier Jahren gegründet worden ist, habe ein „solides Fundament“ geschaffen, um die Existenz der „Blickachsen“ langfristig zu sichern, betonte Quandt, der als Großaktionär von BMW zu den reichsten Deutschen gehört. Wie hoch der Etat der diesjährigen Schau ist, wollte er aber ebenso wenig verraten wie Geschäftsführer Scheffel. Nur so viel: Die sechs Hauptförderer stellten jeweils fünfstellige Beträge zur Verfügung.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum