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Bad Homburg „Parallelen zum NSU“

Michael Buback, Sohn des von einem RAF-Kommando ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback, spricht im Kaiserin-Friedrich-Gymnasium über den „Deutschen Herbst“.

Michael Buback (Mitte) im Gespräch mit dem Juristen Klaus Pflieger. Foto: Monika Müller

Der Terror der RAF begegnet den Kindern und Jugendlichen des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums (KFG) tagtäglich auf ihrem Weg zur Schule. Deren Gebäude befindet sich nur wenige Meter von der Stelle entfernt, an der ein RAF-Kommando am 30. November 1989 den damaligen Vorstandssprecher der Deutschen Bank Alfred Herrhausen ermordet hat. Bis heute ist unklar, wer genau das Attentat verübt hat, es gab lediglich ein allgemeines Bekennerschreiben. Ähnlich ist es mit dem Mord an dem damaligen Generalbundesanwalt Siegfried Buback 1977 in Karlsruhe.

Insofern hätte es kaum einen passenderen Ort geben können für eine Diskussion über den „Deutschen Herbst“ und die Aufarbeitung der RAF-Morde – und kaum einen geeigneteren Gast als Michael Buback, der seit Jahren versucht, Licht ins Dunkel um den Tod seines Vaters zu bringen.

Buback traf dabei am Montagabend auf Klaus Pflieger, der als Mitarbeiter der Bundesanwaltschaft und Generalstaatsanwalt Baden-Württembergs in zahlreiche Ermittlungen gegen RAF-Mitglieder eingebunden war. Und die Rollen waren zunächst klar verteilt: Hier der persönlich Betroffene, der seit Jahren ebenso akribisch wie stur darum kämpft, die vermeintlichen Mörder Siegfried Bubacks dingfest zu machen, dort der Verteidiger des Rechtsstaats, der betonte: „Wir können nicht auf Spekulationen hin verurteilen.“

2010 hatte Michael Buback es geschafft, einen Prozess gegen die RAF-Terroristin Verena Becker in Gang zu bringen, der für sie mit vier Jahren Haft wegen Beihilfe zum Mord endete. Aus Sicht von Buback ein Fehlurteil, der in Becker diejenige sieht, die seinen Vater erschossen hat. Es habe enge Verbindungen zwischen Becker und dem Verfassungsschutz gegeben, behauptete Michael Buback – aus seiner Sicht der Grund, warum wichtige Beweismittel verschwunden seien. „Da gibt es Parallelen zum NSU“, sagte Buback, es sei ein „Urübel“ wenn die Grenzen zwischen Geheimdiensten und Terroristen verschwimmen.

Kein Sitzplatz blieb frei

Es sei eine „Krux“, dass Strafverfolger vertrauliche Informationen, die sie von den Geheimdiensten erhielten, nicht verwenden dürften, räumte Pflieger ein. So habe der Verfassungsschutz ihm einst den Name eines der Entführer der Passagier-Maschine „Landshut“ 1977 mitgeteilt, ohne dass er daraufhin Anklage erheben konnte. „Da zerreißt es einen fast.“ Dennoch hielt Pflieger ein leidenschaftliches Plädoyer für den Rechtsstaat. Zum Glück gelte in Deutschland die Strafprozessordnung und die Unschuldsvermutung, betonte er. Allerdings habe er auch viel Verständnis für Michael Bubacks Willen, die Wahrheit zu erfahren. Sein Vorschlag: Warum die Verfahren gegen die damaligen Terroristen nicht einstellen, wenn sie sich im Gegenzug dazu bereiterklären, reinen Tisch zu machen?

Hierbei kamen er und Buback sich sogar näher. „Es geht mir um die Wahrheit, nicht darum, ob jemand eingesperrt wird“, erklärte dieser. Allerdings sei dennoch weiterhin die Frage zu klären, ob es Kooperationen zwischen Staat und Terroristen gegeben habe.

Organisiert hatten die Diskussion die Elftklässlerinnen Paula Schmidt, Yael Roth und Johanna Barop gemeinsam mit ihrem Geschichtslehrer Karl-Heinz Jörgens. Und sie trafen dabei auf große Resonanz – in der KFG-Cafeteria war kein Sitzplatz mehr zu bekommen. Die Diskussion verlor sich dann aber zuweilen in allzu speziellen Details der Mordermittlung in Sachen Buback, so dass sich am Ende nur noch Erwachsene trauten, eine Frage zu stellen. Wie die heutige Schülergeneration über die RAF und ihre Taten denkt, kam dadurch leider nicht zur Sprache.

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