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Bad Homburg „Kunst ohne Eintritt und Zäune“

„Blickachsen“-Macher Christian Scheffel spricht über die elfte Auflage der Skulpturenschau in diesem Jahr.

Kurator Christian Scheffel
Christian Scheffel im Bad Homburger Kurpark neben einer Skulptur von Erwin Wurm. Foto: Rolf Oeser

Christian Scheffel ist braungebrannt. „Die Leute denken alle, ich komme gerade aus dem Urlaub“, sagt er und verzieht dabei ein wenig das Gesicht. Denn für den Galeristen hat gerade die härteste Zeit des Jahres begonnen. Seit einigen Tagen läuft der Aufbau für die elfte Auflage der „Blickachsen“-Ausstellung, die wieder während des gesamten Sommers Großskultpuren von nationalen und internationalen Künstlern an verschiedenen Orten in der Rhein-Main-Region präsentieren wird.

Herr Scheffel, offiziell werden die „Blickachsen“ am 21. Mai eröffnet, doch im Bad Homburger Kurpark stehen bereits die ersten Skulpturen. Können Sie es gar nicht abwarten?
Wir haben einen sehr intensiven Zeitplan. Immerhin müssen wir rund 80 Arbeiten von 37 Künstlern in acht verschiedenen Städten aufbauen. Das ist ein großer Aufwand. Aber es ist das, was die „Blickachsen“ ausmacht. Innerhalb von zwei Monaten entsteht ein temporärer Skulpturenpark, der wirkt, als sei er über Jahrzehnte gewachsen.

Was erwartet die Besucher in diesem Jahr? Gibt es Neuerungen?
Es sind natürlich jedes Mal andere Bildhauer und andere Skulpturen zu sehen. Aber das Grundkonzept hat sich sehr bewährt: Wir setzen moderne Kunst und traditionelle Gartenkunst miteinander in Beziehung – und das ohne Eintritt und Zäune.

Welche Künstler werden zu sehen sein?
Am Kloster Eberbach haben wir gerade Skulpturen von Markus Lüpertz aufgestellt, das ist schon fast eine kleine Einzelausstellung. Erwin Wurm und Jaume Plensa sind wieder mit dabei. Aber wir haben auch weitere große Namen und eine Reihe ganz toller junger Künstler. Mit dem Museum Liaunig aus Österreich haben wir auch diesmal wieder einen fantastischen Partner gefunden.

Seit der zweiten Auflage der „Blickachsen“ arbeiten Sie jeweils mit einem anderen Partnermuseum zusammen. Wie wichtig ist eine solche Kooperation?
Ganz, ganz wichtig. Durch die gemeinsame Auswahl der Künstler werden immer wieder neue Impulse gesetzt. Es ist einfach sehr inspirierend, mit Gleichgesinnten etwas Gemeinsames entstehen zu lassen. Durch das Museum Liaunig konnten wir Maria Schneider als Co-Kuratorin gewinnen, die als Kreativdirektorin die Autostadt Wolfsburg gestaltet hat, und die Zusammenarbeit ist wunderbar. Außerdem hat das Museum viele österreichische Künstler in unser gemeinsames Konzept eingebracht.

Haben Sie schon ein persönliches Highlight?
Das werde ich immer gefragt. Und ich gebe immer die gleiche Antwort: Die ganze Ausstellung ist mein Highlight. Jeder Künstler und jedes Kunstwerk sind mir wichtig. Ich werde mich nach und nach von der Wirkung der Arbeiten überraschen lassen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstler aus?
Natürlich gibt es Künstler, bei denen schon allein der Name einen großen Klang hat. Ich habe aber auch eine stille, heimliche Liste mit Künstlern, die ich gerne dabei haben möchte. Diese konnte ich in diesem Jahr weiter abarbeiten. Und natürlich ist auch das Bauchgefühl wichtig, wenn mich ein frisches, junges Werk begeistert. Ein weiteres Kriterium ist der Kontext der Gesamtausstellung.

Welche Kommunen beteiligen sich in diesem Jahr?
Natürlich Bad Homburg. Dort werden wieder zahlreiche Skulpturen in Kur- und Schlosspark zu sehen sein. Erstmals dabei ist Bad Vilbel. Ebenfalls neu ist der Park des Schlosshotels Kronberg. Außerdem werden wieder Arbeiten auf dem Campus Westend der Frankfurter Goethe-Universität zu sehen sein, am Kloster Eberbach, im Hessenpark, auf der Burg Eppstein und in Eschborn.

Als Sie vor 20 Jahren mit den ersten „Blickachsen“ begonnen haben, waren diese noch auf Bad Homburg beschränkt. Welche Erwartungen hatten Sie damals?
Meine Erwartungen damals waren noch relativ verhalten. Die Vision war zwar schon da, musste aber erst realisiert werden. Ich finde es wirklich beglückend, zu erleben, wie sich die „Blickachsen“ entwickelt haben und wie sie angenommen werden. Die Resonanz hat sich von Mal zu Mal gesteigert.

Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie?
Das kann man natürlich nicht genau sagen, weil unsere Ausstellung frei zugänglich ist. Ein gutes Indiz ist die Zahl der Führungen. Vor vier Jahren hatten wir 400 gebuchte Führungen, beim letzten Mal waren es 600. Und das hoffen wir diesmal noch zu steigern. Bereits im März hatten wir 50 gebuchte Führungen, und für die Bustour der Volkshochschule zu den verschiedenen Ausstellungsorten im Rhein-Main-Gebiet gibt es jetzt schon keine Plätze mehr. Nun wird eine weitere Tour angeboten.

In diesem Sommer konkurrieren zahlreiche hochkarätige Kunst-Veranstaltungen wie die Documenta oder die Skulptur Projekte Münster um Besucher. Ist das für Sie Konkurrenz oder Befruchtung?
Ich finde, wir passen sehr gut in diesen Reigen. Das sage ich ganz selbstbewusst. Ich weiß, dass viele Kunstfreunde aus Übersee solche Jahre nutzen, alles zu besuchen, von der Biennale in Venedig bis zur Documenta. Bei ihnen stehen auch die „Blickachsen“ im Kalender. Genauso freue ich mich über jeden Bad Homburger, der nach Münster fährt und beide Ausstellungen erlebt.

2013 haben Sie eine Stiftung für die Organisation der „Blickachsen“ gegründet. Warum?
Ziel war, die „Blickachsen“ langfristig zu sichern. Ich bin dankbar, dass wir inzwischen eine ganze Riege von Förderern haben, die uns unterstützen.

Wie hoch ist Ihr Etat?
Darüber möchte ich nicht reden. Aber es ist ein sehr kostenintensives Konstrukt.

Wie werden die „Blickachsen“ in 20 Jahren aussehen?
Wir werden auch die Kunst der dann Jungen zeigen. Gleichzeitig werden einige Künstler, die wir heute ausstellen, zu den Weltstars zählen. Es ist mir ein Anliegen, dass wir bei den „Blickachsen“ alle dabei haben und hatten, die international wichtig sind. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass es eine vertiefte Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Bereich gibt, etwa dass Doktoranden der Frankfurter Uni mit unseren Archiven arbeiten.

Wird es eine weitere Expansion mit noch mehr Ausstellungsorten geben?
Nein. Wir haben ein sehr ausgewogenes Verhältnis zwischen der Ausstellung in Bad Homburg und den zusätzlichen Standorten in der Region erreicht. Auch mit dem Kuratorium der Stiftung wurde entschieden, dieses erfolgreiche Konzept so fortzuführen. Ein Ausbau ist allerdings noch beim Vermittlungsprogramm möglich, etwa für Kinder und Schulklassen. In diesem Jahr werden wir mit der Kinderkunstschule Bad Homburg auch schon die vierten „Kinder-Blickachsen“ veranstalten.

Interview: Torsten Weigelt

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