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Bad Homburg Ein Model von zeitloser Schönheit

Ein antiker Pferdekopf aus Waldgirmes lockt Tausende Besucher auf die Saalburg. Der Pferdekopf wird im hintersten Raum der neuen Dauer-Ausstellung „Rom in Germanien“ präsentiert.

Römischer Bronze-Pferdekopf
Bei Ausgrabungen in Lahnau-Waldgimes war der lebensgroße Pferdekopf entdeckt worden. Foto: Arne Dedert (dpa)

Auch das tausendste Foto an diesem Vormittag erträgt das Model mit stoischer Gelassenheit. Unbeeindruckt der Blick, kein Zwinkern schmälert die klare Schönheit des Auges und des Blickes. Muskelstränge und Nüstern bestechen durch Lebendigkeit und Plastizität. An Superlativen mangelt es den Betrachtern nicht, „zeitlos schön“ empfinden Menschen aller Altersgruppen den Anblick des lichttechnisch perfekt in Szene gesetzten antiken Pferdekopfes aus vergoldeter Bronze.

„Unheimlich schön“, sagt gar die Frau im blauen Römerkleid, offen lassend, in welche Richtungen ihre Gedanken dabei gehen. Ein „weihevoller Moment“ war für Saalburg-Direktor Carsten Amrhein die Enthüllung des neuesten Stars im Römerkastell, die am Wochenende für bundesweite Aufmerksamkeit sorgte.

Carie Cochran und ihre Schwester Sarah warten schon eine knappe Stunde vor der Öffnung der schweren Tür auf den Zugang zu „The Horse’s Head from Waldgirmes“. Wollen möglichst als erste aus dem interessierten Volk vor der Vitrine aus Panzerglas stehen. Die Schwestern mit amerikanischen Wurzeln sind begeistert, schwärmen geradezu: „Sehr schönes Pferd, schöner Kopf, wirklich eine Sensation“. Extra aus Wiesbaden sind sie gekommen, um das zeitlos schöne Model zu bewundern.

„Geschichte ist doch wichtig“, sagt Carie zu Sohn Sam (knapp 14), der für Pferd und diesen Gedanken allenfalls ein „Hm“ mit Schulterzucken übrig hat. „Das Brot der Römer ist lecker“, mehr möchte er nicht zum Hype um den vergoldeten Pferdekopf aus Bronze beitragen. Die Blitzlicht-Gewitter und das Aufleuchten unzähliger Smartphone-Bildschirme ändern nichts an seiner ganz persönlichen stoischen Gelassenheit angesichts des ungefähr 2000 Jahre alten Pferdekopfes. Vielleicht irritiert es ihn ja auch, dass viele Besucher in der nicht enden wollenden Schlange sich dem Objekt der Begierde – der Direktor spricht einmal auch vom „Corpus Delicti“ – ohne direkten Blickkontakt nur mit Handy-Kamera im Anschlag nähern und dann sofort wieder abdrehen.

Neue Dauer-Ausstellung „Rom in Germanien“

Im hintersten Raum der neuen Dauer-Ausstellung „Rom in Germanien“, wo der Pferdekopf an der letzten Rückwand als Highlight platziert wurde, spüren die meisten Besucher trotz der Dauerpräsenz von Handys und Kameras den „weihevollen Moment“, den auch der Hausherr erlebt hat, als er mit Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein schon zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung das graue Tuch vom Panzerglas zog. Kirchenbesichtigungsatmosphäre, Staunen und Bewunderung, Unterhaltungen werden nur leise geführt.

Die Menschenschlange an der Kasse wird um die Mittagsstunde länger, die Luft im Ausstellungsraum von Minute zu Minute dicker und stickiger. Das Model erträgt auch das, als 2000 Jahre altes Goldstück wird das von ihm erwartet. Ungefähr ein Jahr lang hat Angelika Ulbrich an dem Kunstwerk der Antike gearbeitet, um ihm zu neuem alten Glanz zu verhelfen. Hat etwa ausschließlich unter dem Mikroskop mit Polierkörpern aus Silikon gearbeitet, um die Goldoberfläche beim Entfernen von Korrosionen nicht zu gefährden.

Am Eröffnungstag sitzt die Restauratorin bescheiden mit Kolleginnen am Tisch und demonstriert ihre Kunstfertigkeit am Beispiel römischer Gefäße. „Sic Transit Gloria Imperii“ steht bei der Eröffnung in der „Fabrica“ der Saalburg groß an der Wand. So vergeht der Ruhm der Macht. Der Pferdekopf als Vermächtnis ist geblieben, in rund elf Meter Tiefe haben sie ihn ausgebuddelt. Ungefähr 59 Zentimeter im Maß und 21 Kilogramm schwer. In einem Holzfass, luftdicht abgeschlossen, hat er all die Jahre überlebt, um nun zum Star zu werden, der im November eine Reise nach Berlin antreten wird.

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