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Bad Homburg Denkmal ohne rechten Winkel

Nach nur viermonatiger Bauzeit hat der Kronberger Architekt Max-Werner Kahl das denkmalgeschützte Jacobi-Geburtshaus vorbildlich saniert.

Baudenkmal
Freut sich: Max-Werner Kahl vor dem sanierten Baudenkmal. Foto: Michael Schick

Der Bauzaun vor der Waisenhausstraße 20 dürfte die längste Zeit gestanden haben. Noch wartet Architekt Max-Werner Kahl auf ein Signal aus dem Rathaus, um die Arbeiten am denkmalgeschützten Eckhaus abschließen zu können. Eine künstlerisch gestaltete Sandsteinplatte, eingelassen in den Vorplatz, soll an jenen Brunnen erinnern, der einst die gesamte Nachbarschaft mit seinem lebenserhaltenden Wasser versorgte. In nur viermonatiger Bauzeit – der freie Blick wird es dann offenbaren – haben kundige Hände hier etwas Vorbildliches geschaffen.

Anderthalb Jahre ist es her, dass die Stadtverwaltung als Eigentümerin mit dem vom Kur- und Verkehrsverein verliehenen „Stein des Anstoßes“ an ihre Pflicht erinnert wurde. Schließlich gilt das zweigeschossige, auf einem Grundriss von nur 35 Quadratmetern errichtete Wohngebäude als Geburtsstätte des namhaften Baurats Louis Jacobi, daneben auch als zentraler Ort am Ende der „Armengasse“. Viel städtische Historie also. Weil dem Magistrat das Sanierungsgeld und die Nutzungspläne fehlten, übernahm der Kronberger Max-Werner Kahl die Initiative am Schnittpunkt Waisenhaus- und Dorotheenstraße.

Langer Leerstand und rabiate Eingriffe hatten der Substanz zugesetzt und fast zur Abbruchreife geführt. Noch vorhandener Altbestand war also zu retten und in einen sinnvollen Zusammenhang mit modernen Elementen zu bringen. Im Inneren – 80 Quadratmeter Nutzfläche wurden gewonnen – ist es offensichtlich: Geöltes Fachwerk in Eiche und Fichte wechselt mit weiß verputzter Wandstrecke, in Teilen freigelegt ist das jahrhundertealte Bruchstein- und Ziegel-Mauerwerk. Dass zwei Gauben dem Walmdach mitgegeben wurden und ein Dachgeschoss ermöglichen, ist dem Kahlschen Entdeckergeist geschuldet. „Auf alten Bildern kann man die später abgeräumten Gauben sehen.“ Gefunden hat der 67-Jährige auch die verschollen geglaubte Haustür nebst den original Fensterläden – „im Lager des Bauhofs und sehr ramponiert“.

Bauphysik ist das A und O

Seit der Errichtung im 18. Jahrhundert ist das Kleinod von wasserführenden Schichten unterströmt – zwei Öffnungen im Kellerfußboden enden im spiegelnden Nass. Immerhin liegt das Eckgebäude höher als die benachbarte Kirche Sankt Marien. „Die Bauphysik“, sagt Kahl, „ist hier das A und O.“ Ein Belüftungssystem hält heute die ungedämmten Steinwände trocken.

Reiz und Herausforderung sei die Kleinteiligkeit des Hauses gewesen, die Abwesenheit des rechten Winkels. Wertvolle Unterstützung hat der Kronberger aus der Homburger Nachbarschaft erhalten. Historisches Wissen wurde ebenso weitergegeben wie eichenes Balkenwerk oder die Kanne mit dampfendem Kaffee.

Es ist der Detailreichtum, der die Nummer 20 zu einer Schatzkiste macht. Alte Stallleuchten aus Oberreifenberg spenden Kellerlicht, eine Sandsteinstufe verweist auf barocke Einflüsse, der wappengeschmückte Ziegel stammt aus der Kronberger Werkstatt von Julius Hembus. Besitzer Kahl will vermieten, sucht Personen, „die das Haus verstehen“. Bis dahin öffnet er seine Tür gerne zu Führungen. „Das Interesse an dieser Geschichte ist groß.“

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