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Bad Homburg Benzingespräche mit Horex

Einmal im Jahr lassen Motorradfreaks die Legende aufleben. Fans aus dem In- und Ausland treffen sich, wo die Maschinen entwickelt und gebaut wurden.

Horex- und Oldtimertreffen
Horex S35 Sport mit Bewunderer beim 45. Internationalen Horex- und Oldtimertreffen auf dem Festplatz an der Peter-Geibel-Straße. Foto: Michael Schick

Wer von Horex redet, meint meist die „Regina“. Mit 350er Einzylinder-Blockmotor, ein Glanzstück im Motorradbau der ersten Nachkriegsjahre. Sie hatte sich den Namen verdient, sie war die Königin. „Ein schönes Ding“ nennt Egbert Löhr den Klassiker aus dem Hause Horex, bis Ende der 50er Jahre ein Star unter den Motorradfans. Fein aufgereiht stehen einige davon vor dem schicken Horex Museum am Bahnhof der Kurstadt, gepflegt, geputzt und immer noch bereit für einen Ausritt über die Straßen. Einmal im Jahr treffen sich Horex-Fans aus dem In- und Ausland, wo die Maschinen entwickelt und gebaut wurden, die ihre Leidenschaft auch Jahrzehnte danach noch am Lodern halten.

Egbert Löhr ist aus Düsseldorf angereist, schön über Land. Zuerst am Rhein entlang, dann an der Lahn, erzählt er. Motorradfahren mit Genuss eben. Der Motorradmechanikermeister ist seit 1991 jedes Jahr dabei, wenn sich die Szene zu Benzingesprächen an der Wiege der Horex trifft. Natürlich hat er eine „Regina“ im Stall, mehr als 130 000 Kilometer hat sie ihn in 26 Jahren bei Ausfahrten und Urlauben über Europas Straßen getragen.

Löhrs Leben und Motorräder sind untrennbar verbunden. Das Modell, mit dem er beim Ausflug zum Horex Museum vorfährt, ist seine persönliche Konstruktion. Ein Gespann mit BMW-Maschine und holländischer Fahrwerktechnik für den Beiwagen, in dem die Gattin bisweilen mit auf Tour ist. Ein Bandscheibenvorfall hat ihn von seiner Horex getrennt, das Aufbocken ist zu schwer geworden.

Motorradbräute sind eher selten bei den Gesprächen, bei denen es viel um Drehzahlbegrenzer, Parallel-Zweizylinder mit obenliegender Nockenwelle und andere Feinheiten der Motorradtechnik geht. Vor allem aber um Leidenschaft und Liebe, um Treue und Fürsorge, um Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, um ein lebenslanges Hobby mit vielen Facetten. Bei diesen jährlichen Treffen ist es spürbar: „Die Legende lebt!“. So haben die Kuratoren des Museums, Axel Butterweck und Frank Vollmer, die neue Ausstellung mit neuem Inhalt und neuen Themen beschrieben, die von den übers Land verteilten Horex-Clubs bestückt wird. „Die Gemeinschaft funktioniert, ein Anruf genügt.“ So beschreibt es Frank Vollmer, die Legende wird von den treuen Fans am Leben gehalten.

In die Benzinluft mischt sich stets auch der Duft der Wehmut. Man spürt die innige Verbundenheit, wenn Lothar Kreutz von den verzweifelten Versuchen spricht, wie sie Anfang der 60er Jahre „alles probiert haben“, die Firma zu retten. Mit der schlanken, schlichten V21 des Baujahrs 58 etwa. Mit einer Lehre als Dreher hat er 1951 bei Horex angefangen, heute ist Kreutz 83 Jahre alt und kommt immer extra aus Celle zum Veteranentreffen. Die Gemeinschaft verbindet. „Wir füllen das Museum mit Leben“, sagt Frank Vollmer, der auch Vorsitzender des Horex-Club Taunus und Mitglied im Motorsportclub Bad Homburg ist. Nächstes Jahr organisieren die Vereine zusammen die seit 1955 traditionelle bundesweite Sternfahrt der Horex-Freaks. Der Taunus wird an Pfingsten der Nabel dieser Welt sein.

Frank Vollmer ist so einer, der die Liebe zum Motorrad im Blut hat. Kein Wunder, Opa Hermann Reeb war Chefkonstrukteur bei Horex, hat viele der legendären Modelle entworfen. „Ich konnte kaum laufen, da war ich schon dauernd mit ihm im Werk“, so Vollmer. Mehr als ein halbes Dutzend Maschinen stehen bei ihm in der Garage. Mit ihren schönsten Königinnen oder anderen Modellen kommen die Liebhaber vorgefahren. Zu erzählen gibt es bis in die Nacht. Immer mittendrin zwischen den Maschinen. Sie genießen den Benzinduft, und was andere als Lärm empfinden, „ist Musik in unseren Ohren“, sagt einer mit verklärtem Gesicht.

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