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Bad Homburg 500 Meter Regale voller Bücher

Das Stadtarchiv Bad Homburgs zieht derzeit in die Villa Wertheimber und damit in ideale Verhältnisse.

Umzug des Stadtarchivs
Umzugsszene: Bad Homburgs Archivleiterin Astrid Krüger sichtet Transportregale im Magazin. Foto: Michael Schick

Von einem geschichtlich bedeutsamen Bauwerk ins nächste. Nachdem das Gotische Haus am Tannenwaldweg für rund drei Jahrzehnte Standort war, beginnt das Stadtarchiv von Bad Homburg in diesen Tagen ein neues Kapitel in der denkmalgeschützten Villa Wertheimber inmitten des Gustavsgartens. Der Umzug ist in vollem Gange, Haus und Hof sind belebt von Transporteuren, Handwerkern, den Mitarbeitern des städtischen Archivs.

Schon die Aufzählung des heranzuschaffenden und neu zu platzierenden Materials lässt die Dimension des Unterfangens aufscheinen: 500 Regalmeter an Büchern und Dokumenten, 450 wohlgefüllte Umzugskartons, 220 Gemälde und Grafiken, 114 Planschrank-Schubladen, 34 000 Fotografien, 16 000 Ansichtspostkarten, neun laufende Meter mit Mikrofilm-Bestand. Daneben, natürlich, noch die Möblierung für Lesesaal, Büros und Arbeitsflächen.

„Viel Handarbeit“, sagt Archivleiterin Astrid Krüger. Trotz monatelanger Vorbereitung, akribischer Planung und sorgsam erstelltem Raumkonzept. Jedes Stück Transportgut wurde mit Angaben zum künftigen Standplatz gekennzeichnet – Hinweis für das mit Spezialaufgaben vertraute Umzugsunternehmen. „1. OG Reg 2.2“ bezeichnet einen Bereich, in dem Bände zu Homburg und Umgebung archiviert werden, es finden sich hier die alten „Taunusklub-Führer“ oder „Das Feldberg-Buch“.

In den drei Magazinetagen – untergebracht im nachgerüsteten Nebenbau der ehemaligen Neurologischen Klinik – blinken die sich langsam füllenden Rollregale, trübt kein Tageslicht den empfindlichen Sammlungsbestand. Hinter den hohen Sicherheitstüren herrscht bereits das optimale Klima. „Laut aktueller Messung eine Temperatur von 20 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent“, so Astrid Krüger. Bedingungen, die an der vormaligen Wirkungsstätte nicht gegeben waren. Im Gotischen Haus, unter beengten Verhältnissen, war keine klimatisierte Zone herzustellen, auch habe eine Löschanlage gefehlt. „Dies alles war den Objekten nicht zuträglich.“ Vorbei nun die Zeiten, da sich Depotmaterial in den Mitarbeiterzimmern und öffentlich zugänglichen Räumen stapelte und eine Ordnung schwer aufrechtzuerhalten war.

Inmitten des zur landgräflichen Gartenlandschaft gehörenden Gustavsgartens bekommt jeder der sechs Archivler sein Büro, der Lesesaal besteht aus zwei hintereinandergelegenen Zimmern. „Dort gibt es dann an jedem Besucherplatz sowohl Strom- als auch LAN-Anschluss.“ Geräumiger sind auch die Areale für Lesegeräte, Drucker und Arbeitsvorbereitung. Dass der Wechsel in die Villa sinnvoll und zukunftsgerichtet ist, steht für die Archivleiterin außer Frage.

Platzmäßig bieten die drei Magazine zudem „Pufferflächen“ für den ständig wachsenden Bestand. Neben den vorübergehend in der Großen Feuerwache deponierten Dokumenten können nun auch die stark nachgefragten Archivalien aus der Lagerstätte unter der Stadtbücherei übernommen werden. „Bauakten, Standesamtsbücher, auch Dokumente zu Kur und Preußenzeit.“

Der wertvollen Fotosammlung ist fortan ein idealer Aufenthaltsbereich zugewiesen. In dem als „begehbarer Kühlschrank“ bezeichneten und von Beate Datzkow verantworteten Magazin sind 18 Grad der Normalzustand. Noch aber ist nicht alles am Ort, Plakate, Grafiken, Landkarten harren ihrer Übersiedelung nebst Eingliederung in spezielle Schränke und „Zugdepots“.

Weil der Aufzug tageweise ausgefallen ist und Ablaufplanungen somit ins Stocken geraten sind, muss die Wiedereröffnung des Lesesaals verschoben werden. „Im Laufe dieses Monats.“ Mit Vorfreude darf jedoch gewartet werden. Wer aus den Obergeschossfenstern des Wertheimber-Hauses hinausschaut, sieht auf ferne Taunushänge, eine heitere Parklandschaft. Und ist doppelt belohnt.

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