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Autoerotische Unfälle Der Tod kommt beim Sex

Bei riskanten autoerotischen Sex-Spielen kommen in Hessen immer wieder Menschen zu Tode. Zuletzt starb ein Mann, der sich am ganzen Körper und am Hals mit Ketten gefesselt hatte.

07.02.2018 07:24
Autoerotik
Ketten führen häufig zu autoerotischen Unfällen. Foto: Imago

„Elektriker erwürgt sich in selbst gebautem Porno-Raumschiff“ - so lautete die Schlagzeile der „Bild“-Zeitung. Ein Mann aus Hessen war kurz vor dem Jahreswechsel tot in seinem Hobbykeller gefunden worden - den Ermittlungen der Hanauer Staatsanwaltschaft zufolge erstickte er. Der Mann sei am ganzen Körper und am Hals mit Ketten gefesselt gewesen, berichtete die Behörde. Man gehe von einem autoerotischen Todesfall aus - also einer tödlichen Selbstbefriedigung. Anhaltspunkte für fremde Gewalteinwirkung gebe es nicht. Laut „Bild“-Zeitung liefen noch Pornos, als der Mann gefunden wurde.

Lust durch Sauerstoffmangel, Hypoxyphilie genannt, ist laut dem Brandenburger Rechtsmediziner Harald Voß am häufigsten der Hintergrund bei autoerotischen Unfällen. Schätzungen zufolge gebe es ein bis zwei Fälle pro Million Einwohner in Deutschland im Jahr. Eine Zahl von 80-100 Fällen, die in Artikeln dazu oft auftauchen, sei daher realistisch.

„Die Dunkelziffer ist ausgesprochen hoch, das ist ein sehr seltener Fall in der Rechtsmedizin“, sagt Voß. In mehr als 30 Jahren habe er vielleicht fünf Fälle gehabt, erzählt der 59-jährige Rechtsmediziner, der in Frankfurt (Oder) arbeitet. „Wenn die Auffindesituation für die Polizei eindeutig ist, kommt das gar nicht zu uns.“

Hinweise auf einen Unfall bei der Selbstbefriedigung seien zum Beispiel: ein entblößtes Geschlechtsteil, Pornobilder, ein Spiegel in der Nähe, Fesseln, die selbst angebracht worden sein können, Folientüten über dem Kopf - und wenn der Mensch alleine in einem geschlossenen Raum war und keinen Abschiedsbrief hinterlassen hat.

Bekannte Fälle sind „Kill Bill“-Schauspieler David Carradine, der 2009 stranguliert in einem Kleiderschrank gefunden wurde und INXS-Sänger Michael Hutchence, der 1997 an einem Gürtel stranguliert in einem Hotelzimmer entdeckt wurde. Über Carradine sagte eine Gerichtsmedizinerin damals: „Er starb, nachdem er sich selbst befriedigt hatte.“ Im Fall von Hutchence widersprach seine Lebensgefährtin dem Gerichtsmediziner, dass es Selbstmord gewesen sei und sprach von einem missglückten Sex-Spiel. Bis heute ist der Fall unklar.

Meist sind Männer die Opfer

Angehörige, die die Leiche gefunden haben, räumten manchmal Dinge weg, weil die Scham so groß sei, berichtet Rechtsmediziner Voß. Dabei gehe es nicht immer nur um Hypoxyphilie.

Eine alte Frau in Halle etwa habe mal ihren Sohn mit den Klemmen von Weihnachtsbaumlichtern an den Brustwarzen gefunden und die Lichter weggeräumt, bis der Notarzt gekommen sei. Verbrennungen am Körper hätten Voß aber stutzig gemacht. Die Frau habe dann eingeräumt, wie sie den Mann vorfand. Er hatte versucht, sich durch Stromschläge zu stimulieren - zu viel für sein schwaches Herz, erzählt Voß.

Meist seien Männer die Opfer autoerotischer Todesfälle, sagt er. „Das gibt es auch bei Frauen, aber es kommt seltener zum Tod, weil Frauen offensichtlich vorsichtiger sind und nicht so viele Raffinessen einbauen.“

Tatsächlich scheinen manche viel Fantasie zu haben: Mit fünf Vorhänge-Schlössern soll der Mann aus Hessen laut „Bild“ seine Würgevorrichtung gesichert haben. Um sich zu befreien, hätte er sie in der richtigen Reihenfolge öffnen müssen.

Auch ein Todesfall aus Hamburg klingt bizarr: Ein Mann soll sich laut „Frankfurter Rundschau“  mit Scheiblettenkäse belegt, eine Nylonstrumpfhose über den Oberkörper gezogen und einen Plastikregenmantel angezogen haben, in einen Taucheranzug gestiegen sein und sich dann mit einer Plastiktüte über dem Kopf vor die eingeschaltete Heizung gesetzt haben.

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