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Ausbildung in Hessen Spät zum Berufsabschluss

Etwa 400.000 Hessinnen und Hessen im erwerbsfähigen Alter haben keine abgeschlossene Ausbildung. Doch das Land setzt sich für die Nachqualifizierung von Un- und Angelernten ein - zum Beispiel in Taunusstein.

In der Metallbranche gibt es kleine Flugzeugmodelle zum Üben. Foto: Monika Müller

Mit 31 Jahren freut sich der Wiesbadener Metallbauer Andreas Grimm über seinen spät erworbenen Gesellenbrief. Jetzt hat er etwas in der Hand, das seine Fähigkeiten in der Fachrichtung Konstruktionstechnik nachweist.

Rund 400 000 Hessinnen und Hessen im erwerbsfähigen Alter geht es da anders. Sie haben keine Berufsausbildung abgeschlossen. Die meisten von ihnen arbeiten als Un- oder Angelernte.

Aber was wird aus ihnen, wenn der Arbeitgeber sie entlässt oder sogar pleitegeht? Da stünden ihre Chancen deutlich besser, wenn sie einen Abschluss vorweisen könnten. Auch in ihrem aktuellen Job wären die Arbeitnehmer womöglich kompetenter, wenn zur Praxis noch theoretische Kenntnisse hinzukämen.

Das Land Hessen ermuntert diese Menschen, auch in fortgeschrittenem Alter ihren beruflichen Abschluss zu erlangen. Zudem will es Unternehmen dafür gewinnen, ihren un- oder angelernten Beschäftigten die Chance auf den Berufsabschluss zu ermöglichen – indem es sie für die Berufsschule und die Prüfungen von der Arbeit freistellt.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) versprach den Beteiligten ein „individuell geschneidertes Curriculum“ in einer Berufsschule. Sie brächten schon Kenntnisse und Fähigkeiten mit. Daher müssten die Betroffenen oft nur einzelne Kurse absolvieren.

Das Landesprogramm trägt den Namen „QualiBack“. Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) wies darauf hin, Hessen sei das erste deutsche Flächenland, das eine solche Initiative auf den Weg bringe.

Bereits seit zweieinhalb Jahren haben die Beruflichen Schulen Untertaunus ausprobiert, wie das System funktionieren kann. „Wir sind die Spezialisten für individuelles Lernen“, sagt der Leiter der Untertaunus-Schulen, Markus Enders. Seit einigen Monaten beteiligen sich auch die Beruflichen Schulen im Odenwald an dem Modell. Nun solle das Projekt „hessenweit Schule machen“, kündigte Lorz an.

Projekt soll Schule machen

Noch aber weiß kaum ein ungelernt Beschäftigter, dass die Möglichkeit zur Nachqualifizierung besteht. Enders berichtete, dass es in Taunusstein innerhalb von zweieinhalb Jahren gerade einmal elf Teilnehmer gegeben habe. Drei davon hätten bisher ihre Prüfungen absolviert, vier befänden sich in der Schule – und vier weitere hätten die Ausbildung wieder abgebrochen.

Dabei besteht in manchen Berufsfeldern erheblicher Nachholbedarf. Nach Al-Wazirs Angaben verfügt fast jeder vierte Beschäftigte in der Lebensmittelherstellung und -verarbeitung über keinen Berufsabschluss. Nicht viel besser sehe es in der Verkehrs- und Logistikbranche, bei Hotels und Gaststätten, in der Metallverarbeitung oder bei Verkaufsberufen aus. Notwendig für die Nachqualifizierung sei das Engagement des Arbeitgebers. „Es muss immer ein gewisses Eigeninteresse des Unternehmens geben“, formulierte der Minister.

Die Taunussteiner Metallbaufirma Philipp Ebel war dazu bereit, Andreas Grimms Qualifikation zu verbessern, und hat damit den Weg für dessen Berufsabschluss geebnet. „Wir versuchen unsere Mitarbeiter immer zu fördern“, sagt Firmenchefin Claudia Ebel. „Das lohnt sich auf alle Fälle.“ In ihrem Betrieb mit 25 Beschäftigten könne man das stemmen und die Arbeit so lange „auf mehrere Schultern verteilen“.

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