Lade Inhalte...

Ausbildung Auszubildende dringend gesucht

Arbeitgeber bangen um künftige berufliche Fachkräfte und werben für eine Lehre statt eines Studiums. Schon jetzt fehlten den hessischen Unternehmen 42.000 beruflich qualifizierte Fachkräfte.

Jobbörse für Geflüchtete und Migranten
Auf einer speziellen Jobbörse in Berlin können Geflüchtete und Migranten nach Arbeit suchen. Foto: Bernd von Jutrczenka (dpa)

Obwohl die Unternehmen in der Region zuversichtlich in die Zukunft schauen und Fachkräfte suchen, reißt der Trend, dass immer mehr junge Leute nach der Schule ein Studium statt einer Ausbildung beginnen, nicht ab. Noch 2006 hatten die Unternehmen im Bezirk der Frankfurter Industrie- und Handelskammer (IHK), zu dem auch der Hochtaunuskreis und der größte Teil des Main-Taunus-Kreises zählen, fast 15 000 Auszubildende. Voriges Jahr lag die Zahl bei etwa 13 250, wie die IHK auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mitteilt. Vor zehn Jahren begannen 6000 junge Menschen eine Ausbildung, im vergangenen Jahr waren es fast 1000 weniger.

Etwas besser sieht es offenbar bei den Handwerksfirmen in der Region aus. Nach Angaben der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main gab es in den vergangenen Jahren immer um die 10 000 Lehrverträge in ihrem Bereich. 2016 fingen 3813 junge Menschen eine Lehre an; das sind sogar gut 100 mehr als vor zehn Jahren. Die Handwerkskammer führt diesen Erfolg unter anderem auf ihr Angebot für Studierende zurück, die an ihrem Studium zweifeln oder es abgebrochen haben. Mittlerweile habe man mit diesen Programm bereits mehr als 50 Menschen aus dieser Gruppe für eine Ausbildung begeistern können.

Auch die IHK versucht, mit einer neuen Kampagne, eine „Trendumkehr“ zur dualen Ausbildung einzuleiten und zu erreichen, dass weniger Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben. Deren Zahl ist nach Angaben der Kammer in den vergangenen Jahren von 81 im Jahr 2015 auf nun 217 gestiegen.

Schon jetzt fehlten den hessischen Unternehmen 42.000 beruflich qualifizierte Fachkräfte, begründete IHK-Präsident Mathias Müller die neue Ausbildungsinitiative kürzlich. Einige Unternehmen bringe der Fachkräftemangel bereits in existenzielle Probleme.

Kontakt zu den Schulen verstärken

Die Kammer will mit Plakaten, Online-Aktionen und Werbung in öffentlichen Verkehrsmitteln klarmachen, dass eine Entscheidung für eine Ausbildung keine gegen eine Karriere sei. Sie kündigte zudem an, dass sie den Kontakt zu den Schulen verstärken werde. Auszubildenden will sie von Mitte kommenden Jahres an eine Azubi-Card ausstellen, die diesen Vergünstigungen gewähren soll. Sie sollen mit der Karte etwa verbilligte Tickets für Sportveranstaltungen und Konzerte kaufen können. „Duale Berufsausbildung ist cool!“, lautet eine Botschaft, die die IHK transportieren will.

Noch allerdings ist eine Trendwende zur Ausbildung zumindest nach einer Studie der Hessen-Agentur nicht in Sicht. Deren Autoren gehen davon aus, dass statt der etwa 37 000 Ausbildungsverträge, die derzeit pro Jahr in Hessen vereinbart werden, im Jahr 2025 nur noch 33 700 abgeschlossen werden.

Sie stützen sich dabei auf Prognosen, nach denen die Zahl der 16- bis 19-Jährigen, also der jungen Leute im klassischen Ausbildungsalter, bis 2030 selbst im boomenden Südhessen um etwa fünf Prozent sinken wird, in Mittel- und Nordhessen aber sogar um etwa 25 Prozent. Sie weisen zudem auf die steigende Zahl von Schülern hin, die einen zum Studium berechtigenden Abschluss erwerben.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen