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Aumühle in Oberursel Wohnen in alter Mühle

Die Eigentümerfamilie der Aumühle in Oberursel lässt das historisches Gebäude sanieren. Der Verein „Wohntraum“ verwirklicht ein Gemeinschaftsprojekt.

Aumühle
Die Aumühle stammt aus dem 17. Jahrhundert. Foto: Rolf Oeser

Es habe ihn ein wenig an ein Technikmuseum erinnert, schildert Architekt Thomas Kupke. Sogar Weckgläser aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg tauchten auf, als die Eigentümerfamilie Brösamle-Mertens das Gebäude der Aumühle ausgeräumt hat. Ihre Geschichte reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück, damit ist sie eine der ältesten Mühlen auf Oberurseler Boden. In Zukunft soll auf dem 3300 Quadratmeter großen Grundstück aber nicht mehr produziert, sondern gewohnt werden. Geplant sind 19 Wohnungen, die in dem historischen Mühlengebäude, einem Anbau sowie einer der alten Werkshallen entstehen sollen. 

Einen „höheren einstelligen Millionenbetrag“ werde man investieren, sagt Klaus Mertens, der das Projekt gemeinsam mit seinem Bruder Martin und Mutter Jutta-Maren Brösamle stemmt. Ziel sei nicht, die maximale Rendite zu erzielen. Es gehe vor allem darum, das historische Gemäuer in die heutige Zeit zu retten. „Es ist Teil der Familienidentität“, sagt Klaus Mertens. 

Er und sein Bruder sind bereits in fünfter Generation mit der Aumühle verbunden. 1904 kaufte ihr Ururgroßvater, der Unternehmer Franz Müller, das Mühlenareal und richtete dort eine Lederriemenfabrik ein. Sein Enkel Franz Müller stellte das Femso-Werk nach dem Zweiten Weltkrieg auf Kunststoffproduktion um und beschäftigte zeitweise 40 Mitarbeiter. Vor zwei Jahren verkaufte Jutta-Maren Brösamle das Unternehmen an den langjährigen Geschäftsführer Andreas Gallmann; Anfang 2018 zog es in das Gewerbegebiet Riedwiese um. 

Auf dem Aumühlenareal wurde inzwischen ein Teil der bisherigen Firmenbauten abgerissen. Dabei habe es sich um ein Bürogebäude aus den 50er Jahren und einen maroden Fachwerkbau gehandelt, schildert Architekt Thomas Kupke. In den kommenden 15 Monaten sollen die verbliebenen Gebäude für die Wohnnutzung umgewandelt werden. 

Das Mühlengebäude wird dabei eine ganz besondere Rolle spielen: In ihm und einem Anbau, der neu errichtet wird, können Mitglieder des Vereins „Wohntraum“ ihre Vision eines altengerechten Gemeinschaftswohnens verwirklichen. Herzstück des Projekts soll ein Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss werden, in dem die insgesamt elf Mietparteien sich regelmäßig treffen, aber auch gemeinsam kochen sollen. Jede der Wohnungen, die 60 bis 100 Quadratmeter groß werden, bekomme aber auch eine eigene Küche, teilte „Wohntraum“-Mitglied Bernd Hohn mit. Acht der Wohnungen seien bereits fest vergeben. Aber auch das Interesse an den übrigen dreien sei hoch. „Wir haben dadurch etliche Neuanmeldungen im Verein“, sagt Hohn. 

Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) sprach während des offiziellen Spatenstichs am Freitag von einem „vorbildlichen Projekt für die Stadt“. Die Eigentümerfamilie gehe dabei „sensibel mit der Historie um“. Ein Beispiel dafür ist der künftige Eingang zu den barrierefreien Wohnungen. Er wird über eine kleine Brücke führen, die über dem offen fließenden Urselbach verläuft. 

In dem benachbarten ehemaligen Produktionsgebäude sollen acht Wohnungen im Loftstil entstehen. Sie seien in erster Linie für junge Familien gedacht, kündigte Klaus Mertens an. „Wir wollen bewusst eine Mischung“, sagt er. Die Wohnungen werden zwischen 110 und 180 Quadratmetern groß sein. Um das Gesamtprojekt finanzieren zu können, will die Familie sie zu Marktpreisen vermieten. Eine genaue Summe könne er aber noch nicht nennen, so Mertens.

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