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Astronomie Mit dem Volk zu den Sternen

Zum 20. Geburtstag hofft die Astronomische Gesellschaft Orion in Bad Homburg auf eine eigene Sternwarte.

Astronomie Verein Orion
Oliver Debus (vorne) und Reinhold Jäger von der Astronomischen Gesellschaft Orion in dem kleinen „Raumfahrt-Museum“. Foto: Renate Hoyer

Der Weltraum, unendliche Weiten … Wir schreiben das Jahr 2018 … und am dunkelsten Punkt Bad Homburgs öffnet sich erstmals die aufklappbare Kuppel des Baader AllSky Dome und gibt den Blick frei auf den Nachthimmel über der Kurstadt. In den Köpfen der Anwesenden erklingt Musik, jeder bestimmt sie für sich, komponiert aus seinen Erinnerungen an die Zeiten in den Weiten des Weltraums. Raumschiff Enterprise, Star Trek, der Sound, wenn das Raumschiff Orion mit Commander Dietmar Schönherr am Schaltpult aus dem Wasser in ferne Galaxien aufsteigt. Ein Traum wird wahr für die Astronomische Gesellschaft Orion Bad Homburg an diesem Augusttag im Jahr 2018, wenn der Sternschnuppenschauer der Perseiden den Nachthimmel belebt. Durch ein Großteles-kop kann das Himmelsspektakel beobachtet werden und das Volk darf mitgucken.

Neunzehn Jahre hat Oliver Debus davon geträumt, nun ist die Vision von der Volkssternwarte in greifbare Nähe gerückt. Neunzehn Jahre war Debus der Leitwolf bei der meist stillen Arbeit der Sternenbeobachter in der Astronomischen Gesellschaft. Im Jubiläumsjahr 2018, wenn mit einem neuen Vorsitzenden der 20. Jahrestag der Orion-Gründung gefeiert wird, soll aus der Vision Wirklichkeit geworden sein. Greifbare Architektenpläne öffnen den Weg zu den Sternen, ein Modell ist gebaut, der Oberbürgermeister bekennt sich als Raumschiff-Enterprise-Fan und setzt sich den Hut als Schirmherr des Projekts auf. Vielleicht zieht er bei einer Infoveranstaltung im September auch das schwarze T-Shirt mit blauer Werbeaufschrift für die „Volkssternwarte Hochtaunus“ an.

Der Baader AllSky Dome mit 4,5 Meter Durchmesser könnte auf dem städtischen Gelände des Peter-Schall-Hauses in der Elisabethenschneise Sternenguckerträume erfüllen. Unter ihm ein Sockelgebäude mit freistehender Teleskopsäule, um jegliche Schwingungen beim Betrachten ferner Galaxien zu vermeiden. Davor eine Terrasse für zwei weitere Teleskopstandorte, die Kuppel erreichbar über eine Außentreppe und einen Aufzug, damit wirklich jeder den Weg zu den Sternen finden kann. Kein Spielplatz für einen Verein soll hier entstehen, der Arbeitstitel Volkssternwarte ist Programm. Rund 160 000 Euro müssen dafür zusammenkommen, durch Zuschüsse von Stadt und Kreis, durch Spenden und Sponsoren, die dazu beitragen wollen, Kenntnisse über Astronomie und Raumfahrt zu verbreiten.

Galaxienhaufen, Meteorströme, Mondkrater, Protuberanzen, Emissionsnebel, Kugelsternhaufen, Doppelsterne und Planetarische Nebel – für Oliver Debus sind das seit 40 Jahren Begriffe aus dem täglichen Leben. In dem er sich zwischen Sternen, Monden, Sonnensystemen und Planeten eingerichtet hat. Von der Haustür bis ins Dachgeschoss mit der von ihm entworfenen Mondbasisstation Luna 1 und einem Miniplanetarium. Mit Astronomieschule und Weltraummuseum. Seit 1979 baut er mit Zigtausenden Legosteinen an seinen Modellen von Raumschiffen und Trägerraketen von der Saturn V bis zur Raumfähre Discovery und dem Space Shuttle. Für sein kleines Museum sucht er fortlaufend nach Reliquien aus der Raumfahrtgeschichte, zurzeit vor allen „von den Russen und den Chinesen, aber auch von den Europäern“.

Es passt in die Lebensgeschichte von Oliver Debus, dass er im Jahr 1969 geboren wurde, in dessen Sommer der Astronaut Neil Armstrong einen kleinen Schritt machte. Unvergessen für alle, die live am Fernsehapparat dabei waren – ein Mensch betritt den Mond. Ein magischer Moment, in dem Science-Fiction-Träume Wirklichkeit wurden. Debus blickte früh durch seines Vaters kleines Teleskop, wuchs mit Perry Rhodan und SF-Filmen auf. Als er 1983 einen Astronomiekurs bei der Volkshochschule belegte, „war’s um mich geschehen“, sagt er 34 Jahre später im Sommer 2017. Er machte „erste Gehversuche in Astrofotografie“ und war fortan gefesselt von der Welt da oben, die am besten nachts zu beobachten ist. Heute ist er freier Dozent in Sachen Astronomie und Raumfahrt.

Großes Pech, dass der jährliche Höhepunkt mit der Sternschnuppen-Show der Perseidenschwärme am Samstag unter dicken Regenwolken ins Wasser fiel. Vor der Spielbank im Kurpark, auf der Wiese beim Kaiser-Wilhelm-Denkmal wollten Debus und die Astronomische Gesellschaft Orion ihre Teleskope aufbauen, dem Volk einen vergrößerten Blick auf das Sternenwunder bieten und für ihr Projekt werben. Ein Trost immerhin die kleinen Lücken, die sich am späten Sonntagabend auftaten.

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