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Architektursomme Rhein-Main Feiern unter der Kaiserlei-Brücke

Ein unwirtlicher Ort wird zum zentralen Schauplatz des Architektursommers: Der Raum unter der A661-Brücke am Kaiserlei sieht zehn Tage lang Veranstaltungen, bei denen es ums Feiern, aber auch um die Stadtentwicklung in Frankfurt und Offenbach geht.

Gaby kennt Hamburg. Die Barkasse wird auf dem Main zum Taxi. Foto: Andreas Arnold

Würden Sie Ihre Party unter der Autobahnbrücke der A661 am Offenbacher Kaiserlei feiern wollen? Unter nacktem Beton, Taubenabwehrgittern und dem unablässigen Poltern der Lastwagen? Felix Nowak schon. „Das ist wie eine Kathedrale hier“, schwärmt der Architekt, der sein Büro im Frankfurter Bahnhofsviertel hat.

Für zehn Tage macht Nowak den unwirtlichen Ort zwischen Offenbach und Frankfurt zu einer zentralen Veranstaltungsfläche des Architektursommers Rhein-Main, der heute beginnt. Techno-Raves wird es hier geben, Lichtinstallationen, Fachtagungen. Ja, Fachtagungen zu Fragen zur Entwicklung des ländlichen Raums, der Mobilität in Metropolen oder der Baukultur im Ballungsraum. Unter der Offenbacher Kaiserleibrücke. Und dazu eine Klanginstallation, die den Rhythmus des Lastwagenpolterns aufnimmt und zur Begleitmusik von Fachgesprächen und Partyrunden macht.

Feiern unter der Brücke

Der Architektursommer ist eine Initiative zahlreicher deutscher und internationaler Architektenbüros. „Brückenschlag – Städte wachsen zusammen“ lautet das Motto dieses Events, bei dem es in 30 sehr unterschiedlich gearteten Veranstaltungen vor allem darum geht, auszuloten, welche Entwicklungsmöglichkeiten Frankfurt und die Region haben.

„Hier an der Kaiserleibrücke beispielsweise geht es darum, einen Ort ganz anders als bisher wahrzunehmen“, erläutert Kai Vöckler, der Sprecher des Architektursommers. Vielleicht entstehe dabei ja auch eine Idee, wie er dauerhaft belebt und „aktiviert“ werden könne.

Ein paar Meter weiter Richtung Frankfurt ist bereits ein konkretes Ergebnis des Architektursommers zu besichtigen. Eingeklemmt zwischen der Schleuse Offenbach und dem Regenrückhaltebecken der Offenbacher Stadtwerke verlief hier ein schmaler Radweg. Der ist nun in der Breite auf das Dreifache gewachsen und wird für die Zeit des Architektursommers von einer Lichtinstallation gesäumt. Radfahrer, Skater oder Fußgänger, die hier passieren, werden von dem Lichtschein zahlreicher Wegeleuchten begleitet – das Licht soll ihnen sozusagen auf dem Fuß folgen. Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) zeigt sich bei der Ortsbesichtigung am Mittwoch von der Idee so angetan, dass er gleich anregt, diese Art der Beleuchtung „zu verstetigen“, wie er sagt.

Eine Stunde Bootsfahrt

Und hier steht auch noch ein Projekt, wie es für den bunten und teils skurrilen Architektursommer typisch ist. Ein Künstler hat aus Holz und Rollrasen eine „Hasenkuppel“ errichtet. Unter www.hasenkuppel.de können sich hier, genau auf der Grenze beider Städte, Offenbacher und Frankfurter zum Stelldichein verabreden. Das Errichten zwischenmenschlicher Brücken sozusagen.

Eines der Highlights wird aber sicher das Wassertaxi sein. Bis zum Sonntag verkehrt „Gaby“, eine ausgemusterte Hamburger Hafenbarkasse, zwischen dem Offenbacher Ruderverein Hellas und dem Holbeinsteg in Frankfurt. Rund eine Stunde dauert die gemächliche Fahrt übers Wasser für die maximal 18 Passagiere, begleitet vom stoischen Takt des Schiffsdiesels.

„Wir denken schon lange über eine Anbindung des Offenbacher Hafenquartiers an die Frankfurter Innenstadt auf dem Main nach“, berichtet Daniela Matha, Geschäftsführerin der Entwicklungsgesellschaft des Quartiers. Während des Architektursommers soll Gaby zeigen, wie eine solche Verbindung aussehen könnte.

Auch Frankfurts Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) würde ein solches Wassertaxi gerne zur Dauereinrichtung machen. „Verkehrsverbindungen überwinden Grenzen, bringen Kommunen zusammen“, sagt er. Doch wird es zunächst wohl beim Probebetrieb bleiben. Vor allem die Staustufe an der Offenbacher Schleuse ist ein schwer zu überwindendes Hindernis.

„Fast 20 Minuten dauert es, bis ein Schiff oder Boot die Schleuse passiert hat“, erklärt Dietmar Droste vom Wasser- und Schifffahrtsamt. Dazu kämen mögliche Wartezeiten, bis das Schleusenbecken befahren werden könne. „Auf so einer Grundlage einen verlässlichen Fahrplan zu machen, wäre schwierig“, sagt Droste. Argumente, von denen sich Cunitz nicht entmutigen lässt. Dafür fand er die Fahrt übers Wasser einfach zu klasse.

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