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Arbeitsmarktintegration Auf Fliesen nach vorne

Das Landesprogramm „Wirtschaft integriert“ bringt junge Migranten in Ausbildung. Zum Beispiel den Somalier Masaud Omar Ali.

Ausbildung
Masaud Omar Ali hat kürzlich seine Ausbildung im Fliesenlegerbetrieb von Hermann Blank begonnen. Foto: Christoph Boeckheler

Manchmal, wenn Fliesenlegermeister Hermann Blank zu einem Privatkunden kommt, „um ein Bad zu machen oder ne Terrasse“, dann blicken die Besitzer von Bad und Terrasse auf die Angestellten an seiner Seite, sehen schwarze Haare, dunkle Haut und sagen: „Ach, das möchten wir nicht.“ „Dann sage ich den Leuten: ,Machen sie’s selbst‘“, sagt Hermann Blank. „Lieber gehe ich pleite, als dass ich für solche Leute arbeite.“

Hermann Blank, 68 Jahre alt, seit 1980 als Fliesenlegermeister selbstständig, kann lange über Entwicklungen klagen, die sein Handwerk zum Negativen verändert haben, wie er sagt. Über den Wegfall des Meisterzwangs etwa, der dazu geführt habe, dass allerorten nicht qualifizierte Selbstständige Fliesenleger-Leistungen zu Niedrigpreisen anböten und es immer weniger Auszubildende gebe. Aber Rassismus, den duldet er nicht.

Er könnte ihn sich auch gar nicht leisten. Von den rund 35 jungen Leuten, die Blank seit den Achtzigern ausgebildet hat, bringt fast jeder eine eigene oder familiäre Migrationsgeschichte mit. Blanks Azubis kamen aus Tunesien, Marokko, Afghanistan, Weißrussland. Die Arbeitsmarktintegration geflüchteter Menschen, über die seit dem Sommer 2015 so viel gesprochen wird: Bei Hermann Blank in Frankfurt-Sachsenhausen gibt es sie längst.

Gerade sitzt der 27-jährige Somalier Masaud Omar Ali in Blanks handgefließtem Wintergarten. Im August hat Ali bei Blank seine Ausbildung zum Fliesenleger begonnen, vermittelt über das 2016 angelaufene Landesprogramm „Wirtschaft integriert“. Er ist einer von hessenweit mehr als 200 jungen Menschen, die im Sommer auf diesem Wege in eine Ausbildung gekommen sind, die meisten von ihnen sind Flüchtlinge.

„Alles ist neu für mich, ich muss jetzt sehr viel lernen“, sagt Ali. In der Berufsschule stünden auch Inhalte von Schreinern, Maurern, Betonbauern auf seinem Stundenplan – das sei nicht immer einfach. „Aber ich habe gute Kollegen und einen netten Chef.“ Kennengelernt haben Ali und Blank sich schon im vergangenen Jahr. Der junge Somalier, der im Sommer 2014 nach Deutschland kam, wo seine Mutter und Schwester bereits länger lebten, hat zunächst an der „Wirtschaft integriert“-Berufsorientierung teilgenommen und auf der Lehrbaustelle in Frankfurt-Niederrad in verschiedene Bauberufe hineingeschnuppert. „Fliesenlegen ist der einzige Beruf, der mir gefällt, das macht mir Spaß“, begründet Ali, warum er anschließend ein Praktikum und eine sechsmonatige Einstiegsqualifizierung bei Blank absolvierte.

Das erste Lehrjahr wird der Somalier nun erst mal auf der Lehrbaustelle verbringen. Danach wird er mit Blank und dessen Team zu kleinen und großen Kunden ziehen. „Jetzt wollen wir zunächst, dass er Geselle wird und sich wohlfühlt“, sagt Blank.

Ali sagt: „Ich bin glücklich. Ich habe jetzt eine Ausbildung.“ Der Rest werde sich weisen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Zuwanderung Rhein-Main

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