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Arbeitsmarkt in Hessen So viele befristet Beschäftigte wie nie

7,5 Prozent aller fast 3,25 Millionen Beschäftigten in Hessen sind auf Zeit beschäftigt, davon mehr als die Hälfte sachgrundlos. Dies ist das Ergebnis einer IAB-Befragung.

Arbeitsvertrag
Arbeitgeber dürfen nicht ohne Grund Mitarbeiter wiederholt befristet beschäftigen. Das bekräftig nun auch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Foto: Jens Schierenbeck

Obwohl die hessischen Arbeitgeber immer größere Schwierigkeiten haben, offene Stellen besetzt zu bekommen, ist der Anteil von Menschen mit befristeten Beschäftigungsverhältnissen im vergangenen Jahr auf einen neuen Höchstwert gestiegen. Nach Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das für die Bundesagentur für Arbeit jährlich Betriebe über ihre Personalpolitik befragen lässt, waren 7,5 Prozent aller fast 3,25 Millionen Beschäftigten in Hessen auf Zeit beschäftigt, davon mehr als die Hälfte sachgrundlos. 2012 hatte die Quote bei 6,8 Prozent gelegen, 2007 bei 6,7 Prozent, 2002 noch lediglich bei 4,4 Prozent. Von den im ersten Halbjahr 2017 in Hessen neu eingestellten Arbeitskräften erhielten rund 42 Prozent nur einen befristeten Arbeitsvertrag. Das sind gut 83 000 Menschen.

Frauen werden laut den in Hessen vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (Iwak) ausgewerteten Daten häufiger befristet beschäftigt als Männer. Eine besonders große Rolle spielen Arbeitsverhältnisse auf Zeit bei Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten sowie in öffentlichen Verwaltungen und anderen Betrieben ohne Erwerbszweck. Dabei wirkt sich die geringere Planungssicherheit nach Worten des Iwak „nicht nur negativ auf die Motivation der Beschäftigten, sondern mitunter auch negativ auf ihre Gesundheit aus“.

Weiter zugenommen hat auch die Zahl der Beschäftigten, die keine volle Stelle haben. Zum Stichtag 30. Juni 2017 war nach Zahlen der Untersuchung jeder dritte Beschäftigte in Hessen in Teilzeit tätig. 2012 waren es 30 Prozent, 2007 erst 25 Prozent gewesen. Drei Viertel der in Teilzeit Beschäftigten sind Frauen. Mehr als jede zweite Frau arbeitet nicht in Vollzeit, bei den Männern sind es nur 16 Prozent.

Obwohl die Zahl der Beschäftigten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist, wächst die Nachfrage nach Fachkräften weiter. Allein im ersten Halbjahr 2017 konnten die Betriebe in Hessen der Studie nach rund 55 000 Stellen nicht besetzen. Das ist ein Plus von 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Fast jeder vierte befragte hessische Betrieb gab an, dass er sofort Arbeitskräfte einstellen würde. Hochgerechnet heißt das, dass 89 000 Arbeitnehmer gesucht werden. Das ist der Untersuchung nach die mit Abstand höchste Nachfrage seit Jahren.

Zunehmend beschäftigen die hessischen Betriebe auch Geflüchtete, die seit 2015 nach Deutschland gekommen sind. Von den rund 18 000 Beschäftigten dieser Personengruppe arbeitete nach Zahlen der Studie mehr als die Hälfte auf sozialversicherungspflichtiger Basis. Der allergrößte Teil (91 Prozent) war mit einfachen Tätigkeiten befasst, die keine Berufsausbildung erfordern. Das war eine höhere Quote als im Bundesschnitt.

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