Lade Inhalte...

Arbeitsbedingungen in Kliniken Keine Zeit für die Patienten

Hessens Kliniken haben ein Personalproblem, immer weniger Pflegekräfte müssen immer mehr Schwerkranke versorgen. Die Gewerkschaft Verdi und die hessische SPD-Fraktion fordern Personalmindeststandards in Kliniken. Eine Studie gibt ihnen Recht.

Das Pflegepersonal in Kliniken hat viel zu wenig Zeit für die Patienten. Das soll sich ändern. Foto: Andreas Arnold

Hessens Kliniken haben ein Personalproblem, immer weniger Pflegekräfte müssen immer mehr Schwerkranke versorgen. Die Gewerkschaft Verdi und die hessische SPD-Fraktion fordern Personalmindeststandards in Kliniken. Eine Studie gibt ihnen Recht.

Wenn Maren Blumenstock Nachtdienst hat, ist sie ganz alleine für 37 Patienten verantwortlich. Bei allen den Blutdruck zu messen, fällt dann manchmal flach. „Und wenn die Patienten Schmerzen haben, müssen sie teilweise länger warten“, sagt die Krankenschwester an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Frankfurt. Ihre Kollegin Monika Schweitzer aus dem Klinikum Hanau berichtet, dass manchmal die Zeit für gründliche Körperhygiene fehlt. „Dann gibt es für den Patienten nur Katzenwäsche.“

Auch bei den Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden ist die Personalsituation angespannt. „Die Kollegen werden immer häufiger aus der Freizeit zurückgeholt“, sagt Betriebsrätin Monika Buttler. „Es gibt keinen Puffer mehr und die Überlastungsanzeigen nehmen zu.“

Verdi fordert Personalmindeststandards

Hessens Kliniken haben ein Personalproblem. Seit der Einführung der Fallpauschalen versorgen sie immer mehr Schwerkranke mit immer weniger Pflegekräften, sagt der hessische Verdi-Gesundheitsexperte Georg Schulze-Ziehaus. Die Gewerkschaft fordert Personalmindeststandards in Kliniken. Da ist sie sich einig mit der hessischen SPD-Fraktion. Die hat einen Gesetzentwurf erarbeitet, für den es am 22. August im Landtag eine Anhörung gibt. Die Sozialdemokraten wollen ab dem 1. Januar 2015 alle Kliniken dazu verpflichten, eine vorgeschriebene Zahl an Mitarbeitern zu beschäftigen. Verstoßen sie gegen die Auflage, riskieren sie ihre Betriebserlaubnis.

„Keine Nacht mehr alleine ab 15 Patienten“, forderte der Verdi-Experte am Montag in Frankfurt. Dies sei die direkte Konsequenz aus der Studie, die das hessische Sozialministerium bei Bernhard Braun (Uni Bremen) und Klaus Stegmüller (Fachhochschule Fulda) in Auftrag gegeben hat und deren Ergebnisse die Wissenschaftler am Montag erstmals präsentierten.

Sie gingen der Frage nach, unter welchen Bedingungen das Risiko des Wundliegens, von Krankenhausinfektionen und Stürzen steigt. Dazu hatten sie von 27 Akutkliniken Daten ausgewertet und deren Mitarbeiter befragt. Ergebnis: „Es gibt ein ganzes Bündel von Faktoren“, erläuterte Braun. „Personalausstattung ist von ganz wichtiger Bedeutung.“ Gute Pflege bedinge zudem qualifiziertes Personal und eine Arbeitsorganisation, die es ermögliche, eine Beziehung zum Patienten aufzubauen. Dafür fehlt oft die Zeit, wie sein Kollege von der Fachhochschule Fulda ausführte.

„Es gibt Situationen, in denen Dinge unterlassen werden müssen, die eigentlich gemacht werden müssten.“ Als Beispiel nannte Stegmüller das Gespräch mit den Patienten. „Satt und sauber reicht nicht aus.“ Dessen seien sich Pflegekräfte bewusst und doch sparten sie an der Kommunikation. Sie befänden sich in einem Dilemma, in ihrem Berufsethos getroffen. Das überfordere sie und mache auf Dauer krank. „Die Entwicklung hat sich in den letzten Jahren verschärft“, sagte Stegmann. Um mehr Kräfte zu gewinnen, müsse der Pflegeberuf finanziell attraktiver werden und mehr Anerkennung bekommen.

Das ist die Theorie. In der Praxis werden die Lücken mit Minderqualifizierten gestopft, berichten die Praktikerinnen aus Frankfurt, Hanau und Wiesbaden: Auszubildende arbeiteten als volle Kräfte auf der Station, die Tätigkeit der Krankenpflegehelferin erlebe eine Renaissance. „Wir müssen sie kontrollieren, was eine zusätzliche Belastung bedeutet.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum