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Arbeit trotz Rente Ohne Mini-Job reicht’s nicht

Immer mehr Ruheständler verdienen sich etwas dazu. Einige, weil sie Spaß am Arbeiten haben. Andere, weil die Rente einfach nicht zum Leben reicht.

Rente
Arbeiten im Rentenalter kann Spaß machen – oder nötig sein, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Foto: imago

Günther H. (Name geändert) hat jahrelang als Sozialwissenschaftler in immer neuen Projekten erforscht, was Menschen krankmacht oder was sie brauchen, um aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen. Er hat sich um seinen Sohn gekümmert, als seine Frau Karriere machte. Später hat er seine kranken Eltern betreut und zuletzt bei Ikea in Wallau Büros für Firmen geplant und Möbel verkauft. Heute ist er 72, geschieden und kann von seinen knapp 1000 Euro Rente kaum seine Wohnung, die alltäglichen Einkäufe und schon gar keinen Urlaub bezahlen.

So wie Günther H., der in Wiesbaden lebt, geht es vielen, die in befristeten Beschäftigungsverhältnissen arbeiten, die im Job eine sogenannte Familienpause einlegen, sich von ihrem Partner trennen oder von Mini-Jobs leben, die kaum nennenswerte Rentenansprüche hergeben. Und es werden immer mehr. Und immer mehr von ihnen arbeiten, obwohl sie längst im Rentenalter sind. Denn das, was sie als Rente erhalten, reicht nicht zum Leben.

Die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamts belegen: Immer mehr Rentner suchen einen Job. Heute arbeiten doppelt so viele Ältere wie noch vor zehn Jahren. Elf Prozent der Menschen zwischen 65 und 74 Jahren waren im Jahr 2016 berufstätig. 2006 waren es gerade einmal fünf Prozent.

Die Gründe dafür sind unterschiedlich. So werden Ältere von den Betrieben nicht mehr in den Vorruhestand gedrängt. In Zeiten des Fachkräftemangels versuchen Unternehmen verstärkt, Mitarbeiter, die in Rente gehen könnten, zu halten. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) engagiert sich inzwischen jeder dritte Betrieb in dieser Richtung. Zudem steigt die Lebenserwartung, viele fühlen sich auch im Alter noch fit und wollen die Bestätigung, die sie aus ihrem Beruf ziehen, nicht missen.

Das ist aber nur die eine Seite. Denn bei vielen reicht die Rente nicht, um den Lebensstandard zu halten. Manche haben schlichtweg nicht genug zum Leben und sind auf Hilfe vom Sozialamt angewiesen. Für mehr als ein Drittel der Renten-Jobber ist das Einkommen aus der eigenen Erwerbstätigkeit sogar die Haupteinnahmequelle.

Längst gibt es Jobvermittlungen, die diesen Trend aufgreifen. „Rent a Rentner“ etwa wirbt damit, Rentner seien heute schlicht zu gut für den Ruhestand. Dort wird „Hilfe von erfahrenen Händen und Köpfen für Privat und Unternehmen“ versprochen.

Seit 1. Juli dieses Jahres gelten zudem neue Regeln für das Hinzuverdienen zur Rente. Wer früher in Rente geht, soll weiter einen Teilzeitjob behalten können, die so genannte Flexi-Rente. Und wer nach dem Eintritt ins gesetzliche Rentenalter weiterarbeitet, kann damit seinen Anspruch auf Rentenzahlungen weiter erhöhen, indem er als Arbeitnehmer weiter Beiträge einzahlt.

Und Günther H.? Der ist froh, einen Mini-Job gefunden zu haben, mit dem er seine magere Rente aufstocken kann. Seit drei Jahren schon interviewt er im Auftrag eines Meinungsforschungsinstituts am Telefon Menschen, befragt sie nach ihrer Mediennutzung.

„Immerhin kann ich damit auch noch ein wenig meine empirische Forschung weiterbetreiben“, sagt er. Und von den 450 Euro, die er monatlich verdient, kann er sogar „ein bisschen was“ zur Seite legen. Denn eine neue Waschmaschine oder gar ein Hörgerät, wie er es in nächster Zeit vielleicht brauchen wird, das könnte er sich ohne Zuverdienst jedenfalls nicht leisten.

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