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Antisemitismus in Offenbach Erneut Pöbeleien gegen Rabbiner in Offenbach

2013 machte ein antisemitischer Angriff auf Mendel Gurewitz Schlagzeilen. Jetzt wurde er erneut verbal attackiert. Mit dabei: Einer der Täter von damals.

Rabbiner Gurewitz
Gurewitz beim Chanukka-Fest in Offenbach (Archiv). Foto: Renate Hoyer

Mendel Gurewitz hat sich in den letzten Jahren ein dickes Fell zugelegt. Dass Jugendliche dem Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Offenbach Schimpfwörter oder politische Parolen hinterherbrüllen, ist für die den Geistlichen Alltag. Anhand seiner Kleidung ist er leicht als Anhänger des chassidischen Judentums zu erkennen. Meistens hört er weg. Am vergangen Freitag nicht. Nun wird in Offenbach wieder über Antisemitismus diskutiert.

Nach Schilderung von Gurewitz befand er sich kurz vor 20 Uhr auf dem Weg zum Gottesdienst in der Synagoge an der Kaiserstraße, als eine Gruppe von sechs jungen Männern begann, ihn zu beleidigen. Neben Parolen wie „Free Palestine“ sollen auch Beleidigungen wie „Scheiß Jude“ gefallen sein. Gurewitz versuchte die Gruppe zur Rede zu stellen. „Je näher ich kam um so lauter wurden sie“, berichtet der Rabbiner. Zur Ruhe seien die Männer erst gekommen, als zwei Polizisten auf den Aufruhr aufmerksam wurden und einschritten. Kurz darauf erlebte Gurewitz die nächste Überraschung: Einer der jungen Männer gab ihm zu verstehen, dass man sich von früher kenne – von einem ganz ähnlichen Vorfall.

Schon einmal stand Gurewitz unfreiwillig im Mittelpunkt einer Auseinandersetzung, die bundesweit Schlagzeilen machte. Im Sommer 2013 wurde er von mehreren Jugendlichen mit nordafrikanischem Migrationshintergrund im Offenbacher Einkaufszentrum KOMM verbal und körperlich attackiert. Eine unrühmliche Rolle spielten damals auch Sicherheitsmitarbeiter des Einkaufszentrums, die statt dem Rabbiner zu helfen, ihn zwangen Beweisfotos von seinem Handy zu löschen.

Nachdem Angriff hatten sich die Stadt, der Ausländerbeirat und islamische Institutionen bestürzt gezeigt und angekündigt, insbesondere Schüler für das Thema Antisemitismus sensibilisieren zu wollen. Gurewitz selbst besuchte Schulklassen und suchte auch das Gespräch mit den damals 11 bis 15 Jahre alten Tätern. Dass ihm zumindest einer der damaligen Angreifer nun erneut attackierte, lässt den Rabbiner am Sinn seines damaligen Engagements zweifeln. „Ich glaube wir erreichen diese jüngere Generation nicht mehr. Vielleicht müssen wir über die Älteren gehen.“

Traurig und ratlos

„Traurig und ratlos“, zeigte sich im Gespräch mit der FR auch der Vorsitzende des Offenbacher Ausländerbeirats, Abdelkader Rafoud. Nach den Angriffen im Sommer 2013 hatte Rafoud selbst an Gesprächen mit den beteiligten Jugendlichen teilgenommen. „Offensichtlich haben sie nichts dazugelernt“, sagt er heute. „Jedes Mal, wenn so etwas passiert, wirft es unsere Integrationsarbeit um Jahre zurück.“

Rafoud kündigt an – wie auch schon vor fünf Jahren – die islamischen Gemeinden in Offenbach mit dem Thema Antisemitismus zu konfrontieren. „Wenn Muslimen derartiges passiert, machen wir schließlich auch Aufruhr.“ Allerdings glaubt auch er, dass es schwierig sein könnte, Jugendliche zu erreichen. „Die haben andere Kommunikationsplattformen. Die Älteren aber erreichen wir.“

Rabbiner Gurewitz klingt derweil ernüchtert. Auf Facebook – wo er den Vorfall öffentlich machte – schreibt er im Rückblick auf die letzten fünf Jahre: „Ich und einige meiner Freunde in der Stadt, waren überzeugt, dass es nur ein paar kindische, ungebildete Jugendliche waren […] Kinder ohne böse Absichten…Blablaba“. Im Gespräch mit der FR betont er, dass man es mit mehr als einem „Offenbacher Problem“ zu tun hat. „Das hat mit der Stadt nichts zu tun. Das passiert in ganz Deutschland. Ganz Europa.“

Das Polizeipräsidium Südost-hessen bestätigt derweil, dass eine Anzeige gegen die jungen Männer vorliegt. Gegen sie wird nun wegen Beleidigung ermittelt, erklärte ein Sprecher des Präsidiums.

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