Lade Inhalte...

Anna-Schmidt-Schule Zweifelhafte Kündigung

Die Anna-Schmidt-Schule hat am Freitag gleich sechs Vertreter ins Hilton Hotel entsandt, um die Hintergründe des spektakulären Rauswurfs von Michael Gehrig aufzuklären. Von Martin Müller-Bialon

27.09.2008 00:09
MARTIN MÜLLER-BIALON

Das gibt es nicht alle Tage: Eine Schule bittet zur Pressekonferenz, um die Kündigung des eigenen Leiters zu erklären. Die Anna-Schmidt-Schule hat am Freitag gleich sechs Vertreter ins Hilton Hotel entsandt, um die Hintergründe des spektakulären Rauswurfs von Michael Gehrig aufzuklären. Dabei wurde deutlich: Der konkrete Anlass für die Kündigung ist eher gering, das Verhältnis zwischen dem geschassten Schulleiter und den Leitungsgremien der Privatschule war dagegen seit längerer Zeit gestört.

Dem beliebten und anerkannten Pädagogen wird vorgeworfen, Zuschüsse der Stiftung Polytechnische Gesellschaft für einen Schüleraustausch mit der Partnerstadt Guangzhou nicht korrekt abgerechnet zu haben. "Herr Gehrig wollte eine Honorarabrechnung einer Mitarbeiterin begleichen, obwohl es die Anweisung gab, dass kein Stiftungsgeld an Mitarbeiter ausgezahlt werden darf", sagte Claudia Müller-Eising vom Verwaltungsrat der Schule. Bei einer Überweisung des Honorars hätte die Schule "Sozialabgaben und Steuern hinterzogen". Man habe "die Reißleine ziehen müssen" und den Fall der Staatsanwaltschaft zur Prüfung übergeben.

Das Geld (2500 Euro) wurde nicht überwiesen, die Schule wird den nicht verwendeten Teil der Gesamtspende (7500 Euro) an die Stiftung zurückzahlen. Ein Schaden ist folglich nicht entstanden, weshalb die Causa von der Staatsanwaltschaft auch als weniger dramatisch eingeschätzt wird. "Strafrechtlich sehe ich das nicht so prickelnd", meinte Sprecherin Doris Möller-Scheu. "Das ganze ist ja über einen Antrag nicht hinausgekommen." Ob ein Ermittlungsverfahren gegen Gehrig eingeleitet werde, sei noch offen. Es werde "unterstellt", so Möller-Scheu, dass die fragliche Mitarbeiterin die Arbeit für den Schüleraustausch während der Dienstzeit erledigt habe. Dies müsse jedoch noch geklärt werden.

Wettbewerbsfähigkeit erhalten

Zweifelhaft ist zudem, ob die Kündigung rechtens ist. Nach der Satzung des Schulvereins wäre dazu ein Beschluss der Mitgliederversammlung notwendig, ohne dessen Plazet darf der Verwaltungsrat lediglich den Schulleiter suspendieren. Hintergrund für die Kündigung sind Uneinigkeiten über den künftigen Kurs der Schule. Zum neuen Schuljahr hat die Anna-Schmidt-Schule zwei zusätzliche Leiter eingestellt. "Es geht darum, die Wettbewerbsfähigkeit der Schule zu erhalten", betonte Müller-Eising. Hierbei sei es bereits "zu Reibungen" mit dem Schulleiter gekommen. Die Schule mit 1400 Schülern steht freilich nicht schlecht da, wie Verwaltungsdirektor Marco Steinführer hervorhob: "Wir haben uns in den vergangenen Jahren immer verbessert." Kommentar F 4

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen