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Anna-Schmidt-Schule Sie sind schuld - nein, Sie

Der Streit geht weiter. Der Verwaltungsrat wirft dem geschassten Leiter der Anna-Schmidt-Schule in einem Brief zahlreiche "Defizite" vor. Von Sebastian Amaral Anders

13.11.2008 00:11
SEBASTIAN AMARAL ANDERS

In der Einleitung ist die Rede von einer "dringend notwendigen offenen und transparenten Kommunikation". Was in dem siebenseitigen Brief folgt, den der Verwaltungsrat der Anna-Schmidt-Schule in dieser Woche an die Eltern und Mitglieder des Schulvereins geschickt hat, ist eine öffentliche Demontage des gechassten Schulleiters Michael Gehrig. Die wohl entscheidende Mitgliederversammlung des Schulvereins am 27. November wirft ihre Schatten voraus.

Bislang hatte der Verwaltungsrat Gehrig lediglich "unsachgemäßen Umgang mit Spendengeldern" vorgeworfen. Jetzt legt das Gremium nach und formuliert eine Liste von "Defiziten" Gehrigs. Im Fokus der Vorwürfe stehen Michael Gehrigs Umgang mit dem Lehrerkollegium und die konzeptionelle Ausrichtung der Privatschule.

So ist in dem Schreiben die Rede davon, dass Lehrer gekündigt worden seien, deren beanstandete Leistungen weder besprochen noch abgemahnt worden seien. Bedingt durch eine hohe Fluktuation, so der Verwaltungsrat, hätten in den vergangenen drei Jahren mehr als 50 neue Lehrer eingestellt werden müssen. Insgesamt ergebe sich ein "Bild mangelnder Kompetenz" in den Bereichen Personalführung, -entwicklung und -gewinnung.

Michael Gehrig selbst widerspricht den Anschuldigungen. Bei Kündigungen von Lehrern habe es keine "Alleinschüsse" des Schulleiters gegeben. Vielmehr seien solche Entscheidungen von der gesamten, auf vier Personen erweiterten Schulleitung und den Gremien gemeinsam getroffen worden.

Die Fluktuation im Kollegium erklärt Gehrig mit dem aus Schulsicht angespannten Lehrer-Arbeitsmarkt. "Der Beamtenstatus ist nach wie vor sehr attraktiv", deutet Gehrig den Wettbewerbsnachteil seiner Privatschule gegenüber den öffentlichen Schulen bei der Lehrersuche an. Entgegen der Darstellung des Verwaltungsrats habe es an der Anna-Schmidt-Schule hausinterne Fortbildungen für die Lehrerinnen und Lehrer gegeben.

Auf den Vorwurf des Verwaltungsrates hin, er sei schon länger nicht mehr in der Lage gewesen, die Schule konzeptionell weiterzuentwickeln, entgegnet Gehrig, die Schule habe sich in den vergangenen zehn Jahren gut entwickelt. Das könne man etwa an den zunehmenden Schülerzahlen und der wachsenden Reputation der Schule sehen.

"Außerdem waren wir die erste Schule, die G 8 umgesetzt hat", sagt Gehrig weiter. Seinen Führungsstil bezeichnet Gehrig selbst als "sozialintegrativ", bei Entscheidungen sei stets die Gesamtkonferenz des Kollegiums das "wichtigste Organ" gewesen. Die Verunsicherungen in der Lehrerschaft, führt der Schulleiter auf ein "zunehmendes Eingreifen" und "starkes Auftreten" des Verwaltungsrats zurück.

Der Verwaltungsrat selbst hatte wiederum Schulleiter Gehrig und seinen Führungsstil mit einer "Atmosphäre der Einschüchterung" im Kollegium in Verbindung gebracht.

Über die Zukunft Michael Gehrigs und die Zukunft der Anna-Schmidt-Schule wird wohl am 27. November bei einer Mitgliederversammlung des Schulvereins entschieden. Sollten die Mitglieder ihn dort wieder als Schulleiter einsetzen, stünde er bereit. "Die Kraft und die Freude dazu habe ich", sagt Michael Gehrig.

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