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Anhörung Begleiter im Asylverfahren

Die AWO Frankfurt schult Ehrenamtliche, die Geflüchtete auf ihre Anhörung vorbereiten. Dieses Interview ist immens wichtig für den Erfolg des Asylverfahrens - und die einzige Gelegenheit, die Fluchtgründe darzulegen.

Die Anhörung ist der wichtigste Termin im Asylverfahren, es gibt nur diese eine Chance, das Bamf von den Fluchtgründen zu überzeugen. Foto: Rolf Oeser

Die Anhörung, sagt Heike Rösch, ist der wichtigste Termin im Asylverfahren. „Es gibt keine zweite Chance für das Interview.“ Denn basierend auf der ausführlichen Schilderung der Fluchtgründe entscheidet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), ob einem Antragsteller Asyl gewährt wird oder nicht. „Um ein maximal faires Verfahren zu haben, sollte man auf die Anhörung gut vorbereitet sein. Auch wenn es sehr schmerzhaft werden kann, sollte man seine Geschichte vorher schon mal jemandem erzählt haben“, sagt Rösch.

Die Pädagogin und Soziologin war zuvor in der Jugendberufshilfe tätig. Nun baut sie mit der Ehrenamtsagentur der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Frankfurt das Projekt „Arrival Aid“ auf, das geflüchtete Menschen durch den Prozess der Asyl-Anhörung begleiten soll.

Nach dem Vorbild eines gleichnamigen Münchner Projekts würden ehrenamtliche Anhörungsbegleiterinnen und -begleiter ausgebildet, erläutert Rösch. Anders als Anwälte oder entsprechend qualifizierte Asylverfahrensberater dürften die Ehrenamtlichen Geflüchtete zwar nicht beraten. „Aber wir begleiten, unterstützen und hören zu“. Es gebe zu wenige Beratungsstellen. „Die Flüchtlinge sind darauf angewiesen, dass es überhaupt Menschen gibt, die den Stellenwert und den Ablauf des Verfahrens kennen und mit ihnen darüber sprechen können, was sie in der Anhörung erwartet“. Und sie hätten ein Recht auf Beistand im Asylverfahren.

Seit Start des Projekts im Frühsommer hat „Arrival Aid“ Frankfurt bereits 25 Ehrenamtliche geschult. Dafür durchliefen diese ein verpflichtendes zweitägiges Seminar, bei dem Expertinnen und Experten die Flüchtlingssituation in Hessen, die formalen Verfahrensabläufe und die Grundlagen des Asyl- und Aufenthaltsrechts erklären. Weitere Themen sind Traumata oder die Arbeitsweise von Beratungsstellen.

So werden die Ehrenamtlichen dafür gerüstet, sich von den Geflüchteten ihre Fluchtgeschichte erzählen zu lassen, sie zur Anhörung beim Bundesamt zu begleiten und später auch die Asylbescheide mit ihnen durchzugehen. Dort, wo eine richtige Rechtsberatung nötig sei, würden die Betroffenen an Profis weitervermittelt, sagt Rösch – dafür kooperiere Arrival Aid etwa mit der studentischen Refugee Law Clinic in Gießen, diversen Asylrechtsanwälten, sowie dem Frankfurter Rechtshilfekomitee für Ausländer. Wenn die Ehrenamtlichen Anzeichen einer Traumatisierung erkennen, die das detaillierte und glaubwürdige Schildern der Fluchtgründe im Interview erschweren würde, vermitteln sie die Geflüchteten weiter an Psychologen. Denn eine entsprechende Erkrankung müsse im Vorfeld der Anhörung attestiert werden.

Da das Bamf sich aktuell bemüht, alle ausstehenden Asylanträge innerhalb kürzester Zeit abzuarbeiten, bleibt den frisch geschulten Anhörungsbegleitern manchmal nur noch wenig Zeit für die Vorbereitung der Geflüchteten. Anders als zuvor geplant, würden diese deshalb nun auch in Gruppen auf die Anhörung vorbereitet, sagt Rösch. Aber so oder so: „Unser Leitsatz ist: Wir wollen dazu beitragen, dass jeder Asylsuchende sein Recht auf Asyl ausreichend begründen und geltend machen kann, maximal gut vorbereitet in die Anhörung geht und die Chance auf ein individuelles, faires Verfahren hat.“

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